Samstag, 22. Januar 2022

Unbalance - Unbalance #5 [Unbalance 05 Promo]

Track eins, A-Seite: Techno. Kalt, schabend, nervenzehrend. Ergänzt um metallische Tribal-Drums mit extrem hypnotischer Wirkung. Track eins, B-Seite: Industriell angehauchter BrokenTechno, schabend, trocken, der Klang der Maschinen. Oder Monolake mit extrem schlechter Laune. Track zwei, B-Seite: BrokenTechno mit Schnittmenge zu deeper Electronica und Unterwasser-Dubstep. Besonderes Merkmal: durch den Stereoraum wandernde MicroVox-Snippets, die dem Tune eine ganze besondere Art von psychotischem Phonk verleihen und die gefühlte Nähe zu UK Bass Music noch potenzieren obwohl Alexander Matlahov a.k.a. Unbalance aus Russland kommt. Topwertung für B2, für den Rest gibt es


9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 15. Januar 2022

Yan Cook - Remixed [Brood Audio 003 Testpress]

Eine weitere Veröffentlichung, die sich der immer massiver aufschaukelnde Welle von dunkel dräuendem MonoTechno verschreibt und mit Xhin als Remixer für den Track „Pressor“ direkt als Opener der A-Seite einen Meister ebenjenes Faches ins Boot holt. Mit dabei sind ausserdem Measure Divide, Subjected und Tom Laws, der mit seinem rollend phonky BrokenTechno das Schema der geraden 4/4-Bassdrum aufbricht und damit den besten Remix dieser 12“, aber final auch keine ganz neuen Erkenntnisse liefert. Grundsolider Stoff, auch wenn musikalisch nicht ganz eindeutig klar wird, dass wirklich vier verschiedene Tracks einer Remixkur unterzogen wurden, denn dazu sind die Ergebnisse zu ähnlich.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 8. Januar 2022

Monoloc - First Drift EP [CLR 061 Promo]

Auch wenn die Matrix-Nummer etwas anderes behauptet und noch ein wenig weiter in die Zukunft greift handelt es sich bei dieser Veröffentlichung doch um die Katalognummer 061 des CLR-Labels, das mit diesem Whitelabel wie erwartet liefert. Dunkler, monotoner Techno der langsameren Gangart, der sich unaufgeregt und doch kontinuierlich über die bewusst gestreckte Laufzeit auch in die allerletzten Hirnwindungen fräst und auf der B-Seite sogar leichte ElectroClash-/Wave-Bezüge in den Vocals erkennen lässt und mit einer melodischen gewobenen Bassstruktur punktet. Solide.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 1. Januar 2022

Sebastian Cohen & Pablo Denegri - Unamed Yet1 / Lake Lake [Varianz Records]

Auf schickem roten Vinyl schrauben sich Sebastian Cohen & Pablo Denegri mit dem A-seitigen „Unamed Yet1“ in leicht acidifizierte Technohöhen und ergänzen diese mit Deepness und Raum suggerierenden verhallten Chords, die auf eine lange Schulung in klassischen Technogewässern schließen lassen und deren Funktionalität bis zur Ekstase an dieser Stelle nicht in Abrede gestellt werden soll, während Sebastian Cohen’s Soloexkursion in flächige Tribal meets Trance meets TechHouse-Gefilde von Allem zu viel auf einmal sein möchte und trotz guter Ansätze leider zu schnell in Richtung Kitschgrenze entgleitet.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 25. Dezember 2021

[Fathers & Sons Productions 002]

Drei tendenziell mysteriöse Tracks unbekannter Herkunft versammeln sich auf dieser 12“ und gehen mir als Liebhaber reduzierter, aber doch zwingend pumpender House Music der klassischen Schule unmittelbar in Herz und Beine, auch wenn hier natürlich weder House noch das Rad neu erfunden wird. Trotzdem – ein bisschen Nostalgie und Retroflair ist immer fein. Back to the 90s und limitiert auf 300 Stück.


7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 18. Dezember 2021

Dominik Musiolik - Mellow [Audiothentica 002 Testpress]

TechHouse. Subbass. Open Air-Gefühl. Dazu ein unbestimmtes Wabern durch die Zeit, die Andeutung von Wärme, Melodie und die tanzende Masse ist glücklich. Auf A2 dann ein wenig mehr Druck und verspulte Techno-Affinität, die vor allem in zur Peaktime die Körper bewegt, aber warum das Whitelabel nun auf A- und B-Seite die gleichen Tracks enthält muss ich an dieser Stelle auch nicht zwingend verstehen.


5/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Freitag, 10. Dezember 2021

Various Artists - V.A. 2 [Subotnik 008]

Vier-Track-EP mit Werken der mir bisher, weil vorwiegend nur digital in Erscheinung getretenen, völlig unbekannten Künstler Paride Saraceni, Tamer Akul, Yuuki Hori und Secrets Art, die hier allerdings qualitativ hochwertig liefern und wieder einmal den Beweis antreten, das Namen zuweilen doch nur Schall und Rauch sind. Klassischer House, schwebend-melodischer TechHouse, ein wenig Jack, ein wenig Minimal und schon wird das ganze zu einem stimmigen Gesamtpaket mit
7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Freitag, 3. Dezember 2021

Blacks On Blondes - Black Ratio EP [Rotraum Music]

Nachdem die Blacks On Blondes erst kürzlich ihren zweiten Longplayer veröffentlicht haben, legen sie nun mit einer 12“ nach und überraschen mit dieser nicht sonderlich. Auch hier geht es – verteilt auf drei Tracks – mit Vorliebe um House mit sommerlicher und de facto auch balearischer Prägung, der sich solide präsentiert, sich aber letztendlich für meinen Geschmack zu sehr in bemüht guter Laune, Daddeligkeit und vor allem Austauschbarkeit verliert. Für schicke Clubs mit schicken Menschen – oder jenen, die sich dafür halten.
4/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Samstag, 27. November 2021

Kid606 - Lost In The Game [Tigerbeat6]

„Lost In The Game“ – der allererste Gedanke bei diesem Titel gilt natürlich Tali’s VocalDubstep-Überhymne gleichen Namens, die jedoch auf diesem Album selbstredend nicht zu finden ist. Trotzdem gibt es zumindest eine Gemeinsamkeit zwischen ihrem Hit und Miguel De Pedros mittlerweile sechzehntem Longplayer laut Discogs-Zählung: die Melodie, gern auch in der Mehrzahl. In seinen bisherigen Veröffentlichungen oft nur fragmenthaft vertreten, um kurz darauf in gern gewalttätigem Exzess wieder aufs brutalstmögliche digital fragmentiert zu werden, steht das melodische, fast intim shoegazende Moment hier im Vordergrund, verwaschene Synthieflächen treffen auf zurückgenommene und Experimental HipHop-affine Beats, wie sie sonst nur im Umfeld von Labels wie Anticon zu finden sind und strahlen eine ungewöhnliche Zärtlichkeit aus, die im Regelfall nicht zu Kid606’s dominanten Eigenschaften gehörte. Bis jetzt. Für DieHard-Fans ein krasser Bruch, für alle anderen eine Überraschung. Nicht die schlechteste, wie ich finde und wenn das so weitergeht, dürften auch Labels wie Morr Music zukünftig die Fühler nach Herrn De Pedro ausstrecken.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 20. November 2021

AB Syndrom - Alles Deins [Herr Direktor]

Unhörbar. Deutscher HipHop über zerhackt schlaumeiernden Electronica- und Pseudo-NuJazz-Beats, nicht vorhandene Flows, die wie bei ersten Freestyle-Versuchen holpern, mitten im Satz und / oder unvermittelt abreissen und überhaupt in dieser Form gar nicht zu ertragen sind. Wertung gilt ehrlicherweise für die ersten zweieinhalb Songs, danach habe ich abgeschaltet. Üben!

0/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 13. November 2021

The Orb featuring Lee Scratch Perry - The Orbserver In The Star House [Cooking Vinyl]

Ein Treffen der Titanen. The Orb mit Alex Paterson und Thomas Fehlmann in den Hauptrollen schon in den frühen 90ern mit „Little Fluffy Clouds“ verantwortlich für einen der ganz großen Hits der aufkeimenden Technoszene, während der mittlerweile 76-jährige Lee Scratch Perry schon 1959 seine erste Platte aufnahm und maßgeblich an der Entwicklung von Reggae und Dub beteiligt war, der natürlich auch bei diesem Album die Hauptrolle spielt. Doch während sich die ersten beiden Titel noch sehr an RootsReggae orientieren nimmt „The Orbserver...“ merklich an Fahrt auf und spätesten mit dem psychedelisch-ambienten „Golden Clouds“ wird der elektronische Einfluss mehr als deutlich und zu Offbeats und Vocals gesellen sich immer wieder klar strukturierte Loops und gerade Beats, die sich auch in der hellen Festivalsonne im Rahmen tageslichtfreundlicher DJ-Sets zweifelsfrei be- und zertanzen lassen. Und doch: es bleibt ein Reggae-Album, auch wenn es sich hier um Variante 2.0 oder 3.0 handelt. Sehr gelungen.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 6. November 2021

Young Smoke - Space Zone [Planet Mu]

Neben vielem anderen ist Mike Paradinas’ Planet Mu zur Zeit wohl auch das wichtigste und vielleicht einzige Footwork-/Juke-Label in Europa und legt nun mit einem weiteren Album nach. Diesmal ist es der 18-jährige Young Smoke, der den freshesten Sound seiner Heimatstadt Chicago in voller Länge repräsentieren darf und schon nach wenigen Tracks wird klar, dass seine Footwork-Variante einen neuen Ansatz verfolgt. Statt sehr frei und abstrakt assozierter Beats und Soundschichtungen spielt hier die Halftime-Snare eine tragende Rolle. Ruhe statt Hektik, dazu Science Fiction-orientierte Synthesizer-Pads, aus Computerspielen entlehnte Bleeps und futuristische Sounds, die auch im Unterwasserkosmos des Drexciya’schen Detroit Electro von entscheidender Bedeutung waren. Young Smoke jetzt schon auf eine Stufe mit diesem legendären Projekt zu stellen, wäre wahrlich verfrüht, aber mit seinem konzeptuellen Ansatz und der stringenten Soundästhetik auf „Space Zone“ hat er das Zeug dazu, im hermetisch geschlossenen Footwork-Kosmos in Zukunft eine ähnliche Sonderrolle einzunehmen, die einen Ausflug in John B.-artige Electro’n’Bass-Gefilde wie bei „Korrupted Star“ ebenso rechtfertigt wie die schmierigen Schmusefunk Vocals in „Believe In Me“.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 30. Oktober 2021

DFRNT - Fading [Echodub]

Alex Cowles a.k.a. DFRNT nun also mit seinem dritten Album, das gleichzeitig das erste auf seinem eigenen Echodub-Label ist. Von vielen als im Dubstep-Dunstkreis agierender Produzent wahrgenommen geht er jedoch mit „Fading“ weit über diese Zuordnung hinaus, verbindet fließenden AmbientDub mit DubTechno und stellt durch seine weiche Grundästhetik und den wiederholten Einsatz von zum Teil auch poppigen Vocalsamples auch Bezüge zu Balearic House her, dem typischen Sound ibizenkischer Terrassen und vieler Beachclubs weltweit, während der Dubstep- / Bassmusik-Underground mit all seinen Facetten in diesem Rahmen nur noch als weit entfernte Referenz eine Rolle spielt, was der gebotenen Qualität allerdings keinen Abbruch tut.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 23. Oktober 2021

Java Guidi - Stop Dying [World On Wire]

„Stop Dying“ – allein der Titel. Kann ja was werden, spätnachts und vielleicht acht Stunden vom Abgabeschluss entfernt. „Stop Dying“ - was ist denn mit der los? Draussen ist Krieg, der Euro geht den Bach runter und in London mehren sich in dieser Nacht die Gerüchte über die Stürmung der ecuadorianischen Botschaft, in der Julien Assange Asyl gewährt wird. Und dann? Kommt Java Guidi und schlägt mir mit ihrem arschrockend reduzierten Electroclash- / SynthPop- und auch Indie-Crossover erst einmal direkt in die Fresse. Huch? Danach erobert sie mit dem zweiten Track ihres Debutalbums – „Recipe“ – mein musikalisches Herz im Sturm, auch weil in ihrer Musik Sexappeal der richtig dreckigen Sorte mitschwingt. Trüge ich nicht aus gutem Grund das Geburtsdatum der Frau meines Lebens auf dem Handgelenk würde ich Java Guidi allein aufgrund ihres Albums zumindest daten wollen. Heißer als Kap Bambino und doch in musikalisch ähnlichen Gefilden unterwegs, was besonders in der quasi-industriellen Hymne „Sick & Tired Of Love“ deutlich wird, während die soften Momente wie „Chains“ fast Dillon’esque Züge tragen. RAWR!

10/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 16. Oktober 2021

Deadbeat - Eight [BLKRTZ 005]

DubTechno? Dubstep? Electronica? Oder doch irgendwo verortet in der Schnittmenge aus allen Dreien? Mit seinem achten Studioalbum, dem zweiten auf seinem eigenen BLKRTZ-Label, sitzt Scott Monteith a.k.a. Deadbeat wie gewohnt zwischen allen Stühlen und feilt geflissentlich an seiner persönlichen Verortung von Bass und Echo. Natürlich sitzt der Nachhall von Basic Channel hier mit im Boot, doch anstatt sich in bloßer Reproduktion vorhandener Strukturen zu ergehen, bricht Deadbeat diese auf, ebenso wie die Beats, holt in melancholischen Momenten – „Lazy Jane“ – sogar Sehnsucht, Pop und Vocals hervor und integriert sie auf wunderbare Weise in sein Klanguniversum das einem James Blake schwindelig werden könnte. Aber der Focus bleibt Dub und die Fortschreibung der skelettiert-digitalen Dancehall - hochelektronisch, fokussiert, allgemeingültig zeitlos und sogar mit ein paar heimlichen Clubhits im Gepäck. Gut, das.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 9. Oktober 2021

Conrad Schnitzler - Zug: Reshaped And Remodeled [m = minimal]

Conrad Schnitzler’s Minimal-Schlüsselwerk „Zug“ im Remixwolf von Ricardo Villalobos und Max Loderbauer, die beide zu den zahlreichen erklärten Schnitzler-Fans dieser Welt gehören. Während der fast 20-minütige „Aktion Mix“ direkt auf die 4/4-getragenenen Dancefloors zielt und mit nur minimalsten Verschiebungen eine Spannung über die volle Laufzeit aufrecht erhält, die die Zeitwahrnehmung der Hörers komplett verzerrt und komprimiert – „Was, das läuft schon 16 Minuten ?“ -, erzielt ihr „Sorgenkind Mix“ unter Verzicht auf gerade Bassdrums einen ähnlichen Effekt und setzt statt dessen auf trockene Abstraktion und im Stereobild verteilte Sounds, die den aufmerksamen Hörer binnen Minuten in ihren Bann ziehen. Zusätzliche Remixe kommen von Borngräber & Strüver, die sich dem Thema ebenfalls von der Electronica-Seite aus nähern, und Pole, dem mit seiner dräuend-stampfenden 4-2-The-Floor-Variation ein echter Überraschungscoup gelingt.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 2. Oktober 2021

o F F Love - My Love For You... Probably Love [M = Maximal]

Im Jahre 2012 noch immer mit Begriffen wie WitchHouse und ChillWave für jegliche Art verschwommen und klagend klingender, partiell elektronisch erzeugte Musik zu hantieren, sich un-googlebare Schreibweisen für Projektnamen auszudenken, ebensolche Projekte wie oOoOO (wie spricht mensch DIE eigentlich aus ???) zu remixen und zusätzlich noch eine nahezu unsägliche musikalische Wasch- und Jammerlappigkeit gepaart mit falsch verstandenem Autotune-Gebrauch an den Tag zu legen, dass es dem Rezensenten binnen Minuten die Fußnägel hochklappt, zeugt von tragischer Konsequenz oder ziemlichem Irrsinn. Da helfen leider auch die eigentlich schönen Trance-Arpeggios im oOoOO-Remix von „Close To U“, das Bemühen von Future-R’n’B als urbane Verortung und das absurd pseudoterroristische Coverartwork nicht viel, denn im Grunde genommen klingt diese Platte so wie sich ein Cocktail aus Opium, Krokodil und höllisch viel Zuckerwatte am Tag danach anfühlen muss. Extra Minuspunkte gibt es übrigens für die furchtbaren Panflöten in Track sieben und langsam frage ich mich, ob sich ein Drogencocktail-Selbstversuch mit anschließender Nahtoderfahrung zum besseren Verständnis dieses Albums hilfreich erweisen könnte. Ich will das nicht.

1/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Freitag, 24. September 2021

Nicholas Desamory - Like You [m = minimal]

Ein scheinbares Konzeptalbum zum Thema kontemporäre House Music, das mit sprödem DeepHouse viel versprechend anfängt, im weiteren Verlauf allerdings am Einsatz immer gleicher, getragener Streicher sowie einer jammenden Verspieltheit scheitert, die im Live-Kontext Spannung erzeugt, auf Tonträger jedoch einfach zu daddelig wirkt und auf Dauer schlussendlich sogar nervt. Schade drum.

4/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Sonntag, 19. September 2021

The Von Duesz - Garant [M = Maximal]

Tanzkraut also. Aha. Ein neuer Genrebegriff, der hier via Waschzettel die Runde macht, um den Jamsession-artigen Ansatz von Krautrock auf elektronische Tanzmusik zu übertragen. Tatsächlich klingen die Stücke auf „Garant“ oftmals roh und unbearbeitet, mäandern sich in jazzigem Freispiel durch die Zeit, ohne den Dancefloor aus den Augen zu verlieren oder schweben getragen von episch-analogen Synthieflächen im La Düsseldorf’schen Sinne über live eingespielte Drums, deren menschliches Moment zwar deutlich hörbar ist, aber dadurch den Bewegungsapparat nicht weniger zwingend ansprechen, der leichte Unsauberkeiten im Timing charmant und mühelos auszugleichen weiß. Ein weiteres Projekt in der weit gefassten Schnittmenge zwischen Henrik Schwarz, Wareika, dem Moritz Von Oswald Trio und Francesco Tristano, immer wandelnd auf dem schmalen Grat zwischen Club und sogenannter Hochkultur und doch stets im Stande, beide Lager problemlos für sich einzunehmen. Lohnt.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Samstag, 11. September 2021

Franck Valat - Quazar [Gravite 002]

Und noch einmal verrauschter Techno, dessen Zuhause eindeutig auf der dunklen Seite der Macht liegt. Obwohl in „Quazar“ eigentlich kaum etwas merklich passiert, entwickelt der Tune im Original unglaubliche Spannung, nahezu dreidimensional spürbare Präsenz und enorme Schubkraft und wird so zur Geheimwaffe für jedes Late-Night-Set. Minimalismus im eigentlichen Wortsinn ist hier Konzept und zeigt wieder einmal, das es nicht mehr als eine handvoll Spuren braucht, um einen wirklich funktionalen Track zu bauen. Auch „Cosmic Bells“ auf der Flipside funktioniert nach ähnlichem Prinzip, setzt allerdings auf bearbeitete Glockenschläge während Bruno Sacco’s Remix des Titeltracks weltraumkalte SlowTechno-Gefilde mit abgrundtiefen Bassdrums auslotet und damit hochgradig sterile Beklemmungszustände auszulösen vermag.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012