Montag, 26. Juni 2017

Tanith - Still [Timing Recordings]

File under "Technobreaks" - so zumindest die Empfehlung im E-mail-Info zu Tanith's aktuellem Album "Still". Kann ich ohne weiteres mit d'accord gehen, wobei man diese Schublade nicht wirklich hätte öffnen müssen, reicht doch BigBeat als grobe Kategorisierung völlig  aus. Natürlich weiss jeder, welch alter Hase Tanith ist und dass er sich seine "Been There - Done That"-Haltung dementsprechend auch verdient hat. Am prägendsten aber dürfte auch für ihn die Zeit zwischen 1989 und 1992 gewesen sein, und das hört man seinem Album auch deutlich an.  Die meisten der insgesamt neun Tracks auf "Still" erinnern durch die verwendeten (Break)Beats und Sounds dann auch an eine Zeit, als Breakbeat  noch UK Hardcore hiess. Wer sich noch an Acts wie Cubic22, Time Zone, Altern8, Recall IV oder Tricky Disco erinnert, wird wissen, wovon die Rede ist. Einzig das schon auf der Springbreak-EP veröffentlichte "Jahbot" weicht durch das komplette Fehlen altschuliger Elemente und seiner eher ambientösen Atmosphäre ein wenig von diesem Konzept ab.

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Mittwoch, 21. Juni 2017

Polar - 37 Degrees And Falling [Certificate 18]

Was macht ein durch Rave, Breakbeat und Techno sozialisierter Norweger, wenn er von zu Hause rausfliegt, und es draussen langsam kalt wird? Er beginnt am PC eines Freundes Drum'n'Bass zu produzieren. Im Fall von Polar hiess dieser Freund DJ Teebee, man schrieb das Jahr 1997 und schon bald tauchte der Name Polar unter dem Alias "Jazzassins" auf dem belgischen Label R&S auf. Zwei Jahre später ist der Gute in aller Munde und wird als einer der grössten Hoffnungsträger in 1999 gehandelt.  Nun veröffentlicht  Polar (der als K auch auf Audio Couture veröffentlicht) auf Certificate 18 sein erstes Album, auf dem er unterstreicht, dass man nicht zu Unrecht grosse Stücke auf ihn hält. Immer leicht unterkühlt und metallisch verbindet  sein Sound nicht nur straighte Drum'n'Bass-Tracks mit extrem funkigen Elektro. Die Beats pulsieren flüssig und trotz der mit Norwegen und seinem Künstlernamen assoziierten Temperaturen pumpen die Basslines wohlig warm. Soll heissen: Polar verzichtet weitestgehend auf Distortion. Insgesamt erinnert "37 Degrees And Falling" an den auf abstrakten Rhythmuskonstruktionen basierenden Intelligent Funk eines Photek, wobei er sich ausreichend davon emanzipieren konnte, um unter allen Umständen als eigenständiger Produzent identifiziert werden zu können. Diesen Mann sollte man sich merken!

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Mittwoch, 14. Juni 2017

Various Artists - Formation Records presents The World Of Drum'n'Bass [Formation Records]

Grössenwahn galore. Nachdem die Drum'n'Bass-Welt in den letzten Monaten mit mehrfach Doublevinyl-Albumreleases geradezu überversorgt wurde, schiesst das englische Label Formation mit seiner "World Of Drum'n'Bass"-Compilation den Vogel jetzt endgültig ab. Auf Triple-Audio-CD (limited Edition plus Bonus-CD-Rom) und 8fach-Vinyl versammelt Labelmitgründer DJ SS die Grössen und Hoffnungsträger der hardsteppenden D'n'B-Front, um sie in geballter Form dem Rest der Welt zu präsentieren. Dabei beschränkt er sich glücklicherweise nicht nur auf den englischen Inner Circle sondern widmet sich der globalen Entwicklung dieses Genres. Angenehm auch die vielen kurzen Interludes, die selbst bei den nicht wirklich  gemixten CDs 1 +2 den Eindruck eines durchgehenden Flows erwecken,  während auf CD 3 dann die Mischmeister Grooverider & DJ SS selbst Handanlegen und wahre Skillz offenbaren.

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Donnerstag, 8. Juni 2017

Foul Play Productions - Field Of Action [Partisan Rec.]

Vor Jahren, als Drum'n'Bass gerade auf Kontinentaleuropa überzuschwappen begann, äusserte ein schlauer Mensch - wer genau entzieht sich meiner Erinnerung -, Breakbeat sei die Fortsetzung urbanen Souls mit modernen Mitteln. Das dem auch heute noch so ist, beweisen Foul Play Productions mit ihrem neuen Album. Seit den Zeiten von Omni Trios Meisterwerk "Haunted Science" hat es kein Album mehr geschafft,mit minimalsten Mitteln soviel Wärme zu transportieren. Geprägt durch zurückhaltende, aber durchaus tanzbare Beats, dezenten String-Einsatz und entspannt pulsierende Basslines liefern die elf vorliegenden Tracks den idealen Soundtrack für zweisame Abende oder das Ende einer Clubnacht. Schönheit pur.

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Freitag, 2. Juni 2017

Various Artists - J. Majik presents Night Visions [Infrared Rec.]

Von J. Majik  persönlich zusammengestellte Werkschau aus dem Hause Infrared, die sich überwiegend auf den Floor richtet. Im Gegensatz zu vielen anderen Compilations verzichtet J. auf "Night Vision" darauf, sich Tracks von den Big Names des Business produzieren zu lassen. So wird sich manch einer wundern, dass hinter "Gatekeeper" nicht etwas Ed Rush & Optical stecken, sondern das noch weitgehend unbekannte Projekt System 3.  Auch das isolationistische "Sustain" aus der Futuresound-Schmiede hinterlässt beim ersten Hinhören einen mehr als bleibenden Eindruck. Die qualitativ guten Downbeat-Tracks am Ende des Albums wollen sich allerdings nicht völlig in das Gesamtkonzept einordnen lassen.

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Samstag, 27. Mai 2017

Various Artists - Genetically Unmodified [Hard Leaders]

Diese schwer empfehlenswerte Compilation featured mit Decoder, DJ Surreal, Justice, Neil Trixs und Capone viele gute Bekannte. Vom ersten Track an schwingen sie die Hardstep-Keule und während der Saal tobt zerstören heftigste Bassline-Orgien das Interieur. Musik fürs ausgehende Millenium - hart, schnell und manchmal bösartig. Vor allem The Coalition scheinen es mit "Alien Sanctuary" besonders ernst zu meinen, ebenso wie Capone, auch wenn das Intro zu "Feelings" etwas anderes vorgaukeln will. Nichts für zu Hause, sondern strictly for the Dancefloor. Auch als Triple-Vinyl-Edition zu haben. Check!

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Freitag, 19. Mai 2017

Depth Charge - Lust 1 / Lust 2 [DC Recordings]

The Return of the Mad Funk. Depth Charge, seines Zeichens bekannt für die humorvolle Verwurstung aller erdenklichen Musikstile auf der Basis gebrochener Beats, greift wie gewohnt tief in seine Samplekiste. Geschwindigkeitsmässig eher in den Bereichen Uptempo-Hip / TripHop angesiedelt, finden sich hier dennoch unzweideutige BigBeat-Merkmale, wie z.B. fett knarzende Basslines, um den Tracks den nötigen Drive zu verleihen. Spätestestens nach den erstesn 30 Sekunden eines jeden Stückes beginnt man unweigerlich, mit dem Kopf zu nicken / herumzuhüpfen, wird jedoch oftmals völlig unerwartet von kurzen Sprachsamples abgelenkt, nach denen der Beat  mit ungebrochener Heftigkeit wieder einsetzt. In den ruhigeren Passagen erinnert das Ganze zuweilen auch an HipHop-lastige Dub-Experimente, behält aber immer den gewissen Charmebei, den auch die meisten Nightmares On Wax-Produktionen vorzuweisen haben.

Gastreview für Groove , veröffentlicht in Ausgabe 60 - Okt. / Nov. 1999

Sonntag, 7. Mai 2017

Field - Cocoon [Cylence 010]

Mit der Veröffentlichung des Debutlongplayers der Formation Field, namentlich Uwe Haas und Sven Kacirek, feiert das Hamburger Cylence-Imprint sein erstes kleines Jubiläum - des zehnte Release. Gemäss dem Labelmotto der "Selected Modern E-Music" vereinen sich auf knapp 74 Minuten Laufzeit blubbernde Electronica mit organisch ambienten Groovees, Elementen aus Dub und TripHop mit sphärischen Klängen und bilden eine Melange, die sich perfekt wie ein Möbelstück in jedes erdenkliche urbane Umfeld einfügt - vom schicken Designerbüro bis hin zur chilligen Lounge geht alles, wird mit Wärme gefüllt und verwandelt sich dem Albumtitel gleich in einen "Cocoon", einen schützenden Mutterbauch ohne Stress, Hektik und unliebsame Überraschungen.
5 / 5 Points 

Gastreview für Oxmox , veröffentlicht in 04.2001

Samstag, 29. April 2017

Ars Larson - 1.8 [Shot Toolz 004]

File under: Looptechno oder die Endlosrille als Medium des Minimalismus. Nachdem sich Generationen von Technoproduzenten darum bemüht haben, die musikalische Entwicklung in ihren Tracks auf das Wesentlichste zu reduzieren und damit dem DJ ein Maximum an Gestaltungsmöglichkeiten zu entbieten, greift Lars Böske a.k.a. Ars Larson dieses Prinzip auf und versorgt diesen auf vierseitigem Vinyl mit der Essenz der technoiden Klangkunst. Auf exakt 113 Locked Groooves und kurzen Intros findet der geneigte Plattenreiter neben verschiedensten Techno- und Housebeats zusätzlich rein geräuschafte Soundeffekte, Stimmen und Hi-Hat-Läufe - geeignetes Futter für den täglichen Clubeinsatz, das heimische Mixtape und sonstige Experimente mit Klang. Effizienter und reiner als auf diesem Doppelvinyl lässt sich clubtaugliche Reduktion nicht mehr umsetzen.
5 / 5 Points

Gastreview für Oxmox , veröffentlicht in 04.2001

Samstag, 22. April 2017

Low Entropy - Anarcho-Psychotic E.P. [Praxis 036]

Der Hamburger Breakcore-Aktivist Low Entropy liefert nach seiner Debut-12" auf Blut vor einiger Zeit und diversen Compilation-Beiträgen mit seiner "Anarcho-Psychotic E.P." auf Praxis das bisher reifste und ausgefeilteste Release seines bisherigen Schaffens ab. Statt nur auf Geschwindigkeit und Härte abzuzielen steht hier vor allem eine bedrohliche Atmosphäre im Vordergrund, die durch klare Produktion und scharf geschliffene Beats einen gewaltigen Schub nach vorne erhält. Apropros Beats - diese sind im Feld zwischen Breakcore und absolut freien Strukturen anzusiedeln, wie sie unter anderem auch von Acts wie Somatic Responses verwendet werden, crossovern auf dem ersten Track der B-Seite auch gern einmal in Richtung Marco Passarani und verschwinden auf B2 zu Gunsten von reinem Noise ganz. Nur für gefestigte Gemüter zu empfehlen.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 09.2002

Sonntag, 16. April 2017

Undacova - Metamood Katalyst [Pleemobil 003]

Das Label mit dem verspielten Namen Pleemobil - beheimatet unter dem Dach der belgischen Bliip Company - kommt auf seiner dritten Veröffentlichung mit einer musikalischen Mischung der Extraklasse daher. Auf insgesamt vier Tracks fusioniert Undacova Elemente aus Electronica, Acid, Break- und Hardcore auf eine derart sympathische Weise, das auch bekennende Nicht-Elektroniker sich eines breiten Grinsens und zuckender Tanzbewegungen nicht erwehren können. Ein ganz grosses Stück Musik, das aufgrund des Vertriebsweges nur in ausgewählten Plattenläden zu erstehen sein wird.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 09.2002

Sonntag, 9. April 2017

Various Artists - Bio[me]tricks [Sozialistischer Plattenbau Hamburg]

Der Sozialistische Plattenbau Hamburg steht als hanseatisches Label mit DIY-Intention seit seiner Gründung für experimentelle Tonträger der eher härteren elektronischen Gangart, fernab jeder Kategorisierung in Schubladen. Die nun vorliegende erste Labelcompilation widmet sich programmatisch dem Protest gegen jegliche Art von elektronischer Überwachung durch Kameras, Chipkarten und ähnliche, schon in "1984" prophezeite Mechanismen und vereint unter dieser Prämisse so unterschiedliche Acts wie Eiterherd, Yppasswdd Daemons, Istari Lasterfahrer, Alex Dee auf einer Langspielplatte. Das musikalische Spektrum reicht hierbei von atonalem Ambient über Breakcore / Noizebreaks bis hin zu freiem Umgang mit elektronischer Härte, die auch gern als PostCore mit hiphop-artigem Vocaleinsatz kontrastiert wird.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 09.2002

Montag, 3. April 2017

Gamma Quadrant - Chaotic State [Touchin Bass]

Mit der zweiten Veröffentlichung verlässt Andrea Parkers Label Touchin Bass die auf der 001 eingeschlagenen GhettoBass-Pfade und widmet sich dem klassischen, wenn auch messerscharfen Elektro. Tanzflächenfreundlich in der Geschwindigkeit und oftmals mit leicht detroit-orientierten Anleihen ausgestattet, findet der Elektro-Adept auf der 12" vier Tracks der allerersten Güteklasse, wobei sich A1 und B1 jeweils von der musikalischeren Seite präsentieren, während A2 und B2 eher gewitterartig losprasseln. Als nettes Gimmick findet der spielfreudige Vinylreiter zusätzlich noch insgesamt neun Locked Grooves, deren Einsatz im Club für gesteigerte Spannung sorgt. Nice one.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 09.2002

Montag, 27. März 2017

Various Artists - Opensource.Code [Source Records / EFA]

Die Technobewegung  wird alt. Diese Tatsache lässt sich weniger an fehlender Weiterentwicklung oder Innovationsverlust ablesen, sondern an den sich häufenden runden Labeljubiläen. Nun hat es auch Source Records um David 'Move D.' Moufang und Jonas Grossmann erwischt, die mit ihrem Anspruch 'einfach gute Musik' zu veröffentlichen mittlerweile auf eine zehnjährigen Geschichten zurückblicken können. Der sympathische Ansatz veranlasst die beiden jedoch nicht dazu, sich auf den erreichten Erfolgen auszuruhen und diese mit grossem Brimborium zu feiern. Stattdessen lassen sie die gute Musik für sich sprechen und setzen in Zusammenarbeit mit Ableton die hauseigene Compilation-Reihe "Opensource" fort. Vertreten ist die Creme de la Creme internationaler Clubmusikminimalisten, zu der unter anderem Akufen, Jan Jelinek, Move D., Thomas Brinkmann und Monolake zählen. Diese entwerfen ein Homelistening-taugliches Gesamtbild, dessen Spektrum sich zwischen warmer Ambienz und Clicktechno auffächert und damit zu den Favoriten des Monats gehört.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 09.2002

Mittwoch, 22. März 2017

LXC - Strukturbruch E.P. [Phantomnoise Records]

Nicht nur unser Nachbarland Frankreich hat in Sachen futuristischem Dark Jungle einiges zu bieten, auch aus deutschen Landen erreichen uns mittlerweile Produktionen, die sowohl soundästhetisch wie auch produktionstechnisch in der oberen Liga mithalten können. Bestes Beispiel dafür ist die vorliegende 12" aus dem Umfled des in Leipzig beheimateten Imprint Phantomnoise Records, dessen vierte Veröffentlichung den legendären Strukturbruch-Parties Reminiszenzen erweist, deren musikalischer Schwerpunkt im Grenzbereich von Drum'n'Bass und Breakcore anzusiedeln ist. Mit zwei durchaus clubtauglichen Tracks sowie vier Drum'n'Bass-orientierten Locked Grooves und einem Ausflug in düstere Elektronikgefilde präsentiert sich LXC auf seiner Debutveröffentlichung der interessierten Öffentlichkeit und sorgt damit für eine tanzende Crowd auf advancedten Dancefloors. Nice one.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 07.2002

Donnerstag, 16. März 2017

City Nord feat. Paolo 77 - Alle Rechte Vorbehalten [Chinchilla Recordings / Motor]

Es sommert und das spürt mensch auch in Hamburg City. Sommerlich entspannt kommt die hanseatische HipHop-Formation City Nord daher, geht mit extrem relaxten, aber dennoch clubtauglichen Beats and den Start und liefert mit "Alle Rechte Vorbehalten" einen heissen Kandidaten für die Jeep-Soundsystems der autofahrenden Homies. Doch so harmlos die Beats auch klingen mögen,lassen Felix XL und Paolo 77 mit ihrem Statement zum aktuellen Stand der HipHop-Textkultur nicht wirklich ein gutes Haar an ihren Mitbewerbern auf dem Markt und landen mit wortwitzigen Punchlines wie '... Ihr fresst Buchstabensuppe und kotzt danach nen Text aus...' auf den vorderen Plätzen der HipHop-Favoritenskala, zumal der Hörer hier von egomanischem Zentralismus verschont bleibt. Wie sacht man so schön in Hamburg? Da geht was...

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 07.2002

Freitag, 10. März 2017

Various Artists - Pete Rivera presents: For Adults Only 2 [Lounge Records / PP Sales]

Die Lounge in der Gerhardstrasse zu Hamburg - Heimat von Pete Riveras wöchentlicher "For Adults Only"-Clubnacht sowie Dreh- und Angelpunkt vieler Aktivitäten in Sachen stilvoller Musik mit Schwerpunkt House, NuJazz und Latin. Passend zur Clubnacht und genau ein Jahr Veröffentlichung der ersten Zusammenstellung für Musikliebhaber im Erwachsenenalter legt Pete Rivera nun seine zweite Mixcompilation nach, verschmilzt stilsicher Tracks von renommierten Artists wie Schnute, Nick Holder und seinem eigenen Rivera Rotation-Projekt zu einem warmen, sommerlich angehauchten DJ-Set, das nicht nur eingefleischten Lounge-Gängern die Hüften rotieren lässt. Doch die Lounge wäre nicht die Lounge, wenn sich die musikalische Melange rein auf DJ-orientiertes Material beschränkte - mit Joe Bataans "Special Girl" und "Monkey See, Monkey Do" aus der Feder des New Swing Sextet gibt es auch erstklassiges Songmaterial auf die Ohren. Nice.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 06.2002

Freitag, 3. März 2017

Lawrence - s/t [Ladomat 2000 / Zomba]

Popambient. Eigentlich ein Begriff, der vorwiegend der Kölner Schule vom Schlage eines Wolfgang Voigt oder zuweilen auch Markus Günther zugeschrieben wird. Doch auch das kühle Hamburg  findet mehr und mehr Gefallen an der immer melancholisch wirkenden Form des reduziert-minimalen Clicktechnohousehybriden und dazugehörigen sanften Flächen, die zuweilen mehr das Ohr stimulieren denn die Beine zum Tanzen bewegen. Aber das ist gar nicht schlimm, denn gefeiert wird heutzutage eh nicht mehr so heftig wie früher. So ist es dann auch eher angenehm, dass Lawrence - den ganz alten Hasen auch noch als Drum'n'Bass-Recke Spy oder im 4/4-Takt als Spicy Pete bekannt - das Tempo gern einmal fast auf HipHop-Geschwindigkeit zurückschraubt, die Beats auch einmal ganz vernachlässigt oder mit im Vordergrund stehenden Chord- und Flächenkonstruktionen vom Betanzen seines immer noch clubtauglichen Sounds abhält. Der 'Aha'-Moment der norddeutschen Tanzmusikkultur, weit abseits von dem berüchtigten House- / Trance-Vorurteils, das dieser unserer Hansestadt immer noch gern angehängt wird.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 06.2002

Sonntag, 26. Februar 2017

Deep Dive Corp - Beware Of Fake Gurus [Jubilee Records / Sony]

TripHop, TripPop oder doch einfach intelligente Popmusik mit elektronischen Einflüssen? Definitionen sind bekanntlich immer ein schwieriges Thema und so lassen wir die Frage nach dem Genre im Raum stehen und widmen uns lieber dem Inhalt des mittlerweile dritten Albums der Herren Gerhard & Musebring a.k.a. Deep Dive Corp. Diese präsentieren in Zusammenarbeit mit diversen Gastvokalisten und -instrumentalisten eine Gesamtlaufzeit von knapp siebzig Minuten in Form von insgesamt zehn organisch-weichen Songs, die den Konsumenten in eine andere, friedliche Welt hinwegtragen und ihn jene quasi wie im Traum erkunden lassen. Und wer weiss, vielleicht begegnet mensch auf dieser Reise auch dem legendären Spiegelkugelfisch, der das Duo seit langem auf ihren musikalischen Exkursionen begleitet.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 05.2002

Freitag, 17. Februar 2017

Moonbootica - Get It On [Moonbootique Records / Zomba]

Auf ihrem - im wahrsten Sinne des Wortes - houseeigenem Imprint Moonbootique Records geben sich die hanseatischen Plattenreiter Kowesix und TobiTob of Fünf Sterne Deluxe-fame die Ehre und stellen ihr gemeinsames Moonbootica-Projekt der Öffentlichkeit vor, das musikalisch die Schwerpunkte der gleichnamigen Partyreihe reflektiert. Tanzen und schwitzen ist also angesagt und so treffen hier unverkennbare Houseeinflüsse auf dezente Discolicks, BigBeat ist trotz 4-2-the-floor Bassdrum nicht ganz so weit weg und auch der ein oder andere Electrosound schaut mal eben kurz um die Ecke. Liest sich diese Mischung als Text vielleicht ein wenig durcheinander, hat sich diese Melange auf jedem Moonbootica-Event als äusserst schlagkräftig erwiesen. Auf dem Plattenteller ist  das nicht anders. Geht nach vorne.

Gastreview für FLYER Hamburg , veröffentlicht in 05.2002