Donnerstag, 11. April 2024

Ivano Tetelepta & Roger Gerressen - Floating EP [Fasten Musique 002]

„Floating“ ist wohl das falsche Verb für „For What Is Worth“, die A-Seite dieser 12“, aber für „knorkeln“ fehlt mir gerade eine gute englische Übersetzung. Dumpf und staubtrocken wird hier in den Originaltracks an einer Variation von MinimalHouse gefeilt, die ihre Wirkung erst zu ganz später Nachtstunde entfaltet und vorher auf der Tanzfläche eher eine bremsende Funktion hätte, während die Remixarbeit von Ion Ludwig zu genanntem Track ein wenig Schwung in den Club bringt und durch im direkten Vergleich etwas angezogene Geschwindigkeit und straighteres Arrangement mehr überzeugt.

5/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 4. April 2024

Hinode / Marieu - Punch In the Face [Enlightened Wax 003 Whitelabel]

Nachdem die letzten Jahre von Deep- und SnoreHouse geprägt waren scheint sich dieser Tage eine leichte Trendwende abzuzeichnen und die BPM-Zahl auf dem Housesektor wieder ein wenig Fahrt aufzunehmen. So auch bei diesem Viertrack-Splitrelease, auf dem sowohl Hinode als auch Marieu mit analog rumpelnden Drums und einer gehörigen Loopinfusion dem Genre wieder den nötigen Schub verleihen. Tracks in dieser Form wären sicher auch schon in DJ Sneak-Sets aus den Mittneunzigern denkbar und konsequent zwingend gewesen, was aber tendenziell eher für als gegen die Zeitlosigkeit gewisser Sounds und Strukturen spricht. Dance, motherfucker!

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 28. März 2024

Jose Wated & Encebolladoman - Satisfy My Soul EP [Dilek Records 012]

„Satisfy My Soul“ - schon der Name impliziert Deepness und entsprechend dieser Ansage können die Produzenten Jose Wated und Encebolladoman auch tatsächlich abliefern. Auf knallpinkem Vinyl vermischen sich im Original DeepHouse und dubbige Einflüsse mit minimalem Melodiespiel, während Brett Johnson sich in seinem Remix auf tief schiebende Basslines, verspielte Arrangements und allgemeine Frühlingshaftigkeit verlegt. Nadja Lind hingegen verlegt sich auf gepflegte Reduktion im MinimalHouse-Gewand, auch wenn die in allen Versionen auftauchenden leicht mit Autotune oder ähnlichem bearbeiteten Vocals sicherlich nicht jedermanns Sache sind. Ebenfalls auf der Vinylversion zu finden ist „Otro Gato“ - im Original eine MinimalHouse-Variation mit verführerischen Melodien, die aber dank ihrer seltsam eiernden nonverbalen Vocalschleifen nur in speziellen Momenten wirklich einzusetzen ist. Besser eignet sich hierzu der Arquette Remix, der mit dem englischen Adjektiv „lively“ umschrieben ein wenig Glitzerstaub in die trockene Housewelt trägt.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 21. März 2024

Grieche & Vokal - Frisch Gebacken / Kleiner Leuchtturm [Vogelfrei 003]

Welch grandiose Ressourcenverschwendung schon allein die Titel dieser EP wieder voraussagen und auch Remixes von Acts wie Warme Semmel und Klangkünstler lassen Schlimmes erahnen. Und als Krönung obendrauf: „Vogelfrei Is A Division Of Ton Liebt Klang“. Wer denkt sich so eine Scheiße eigentlich den ganzen Tag aus und warum landet das ausgerechnet in meinem Promopäckchen? Fragen über Fragen auf die die auf dieser 12“ gelieferte Musik leider auch keine Antwort gibt. Soundtrack für druffes Kuscheln und synthetisiertes Hippietum, das sich nur für diejenigen revolutionär anfühlt, die die echte musikalische Revolution nicht mehr erlebt haben. Ihr nennt es „Feiern“. Ich gähne müde. Einzig durch Ron Flatters lobenswert deepen Mix verdient diese Platte überhaupt

4/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 14. März 2024

Felix Bernhardt & Grieche - Mr Ouzo [Plattenbau Music 022]

„Mr Ouzo... witzig, ne? Und der Produzent heisst 'Grieche'...“ - eigentlich müsste mensch aus diesem Gedanken einen äusserst flachen Bringmann & Kopetzki-Comic ohne Happy End stricken. Erinnert sich noch jemand an „Frickelbeat Records“ ? Notiz an die Herren Zeichner: Bitte machen. Überraschenderweise vergreift sich das Produzentenduo sich – zum Glück! - nicht an Sirtaki-Samples sondern liefert zumindest solide reduzierten TechHouse der minimaleren Sorte, der allen verspulten und vom Keta zerfeierten Seelen zum intellektuell vollbefreiten Mitschunkeln gereicht und diese auch nach einigen vielen der genannten griechischen Nationalalkoholika nicht körperlich überfordert. DJ-Futter nennt sich so etwas wohl, im richtigen Moment wirkungsvoll was besonders für den A2-Track „Hau Den Lukas“ gilt , aber schlussendlich doch nach wenigen Wochen durch eine andere, ähnlich geartete EP ersetzt.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 7. März 2024

Elia Perrone - Bagatelas [Unclear Records 006]

Katalognummer 006 des italienischen Labels Unclear Records, das neben dem im Sinne und in der Tradition von Bobby Konders deep-verjazzten House des „Bagatelas“-Originals mit Remixen von den Italoboyz, Dandy Jack und Dani Casarano aufwartet, von denen vor allem Letzterer durch seine smarte und durchaus sexy zu nennende BreakbeatHouse-Variante mehr Aufmerksamkeit und damit auch die höchste Wertung aller Bearbeiter auf sich zieht. Nice one.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 29. Februar 2024

Easy Changes - Discrete Intervals [Grow Vinyl]

Erinnert sich noch jemand an das Projekt mit dem tollen Namen Liebe Ist Cool und seinen verliebt verträumten Pop-Entwurf auf wunderbar zurückgenommen vor sich hin knorkelnden MicroHouse-Varianten? Subtrahiert mensch an dieser Stelle den Pop-Aspekt ist das Resultat durchaus mit der Musik des russischen Projektes Easy Changes vergleichbar, das nicht ohne Grund schon vor Jahren sein Vinyldebut auf Foundsound / Unfoundsound feierte. Zweifelsohne gut, wenn auch im Clubkontext nur sehr schwer einsetzbar.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 22. Februar 2024

East End Dubs - She Loves It EP [Act Natural Records 011]

Tief pumpender, auf das wesentlichste reduzierter House in vierfacher Ausführung, der sich sowohl in deeperen Sets als auch zu vorgerückter Stunde als recht funktional erweist, im Endeffekt aber über den Status als reines DJ-Futter leider nicht hinauskommt. Zu blass und gesichtlos bleiben die Tracks letztendlich, auch wenn an der handwerklichen Qualität nichts auszusetzen ist. Tool.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 15. Februar 2024

Cspok - Journey [Black Wall 002 Whitelabel]

Weitgehend informationsloses Whitelabel mit vier extrem deepen, analogen Housetracks, die den Vibe der späten 80er und frühen 90er Jahre in Chicago atmen und diesen auf die ganz späten Nachtstunden der Jetztzeit übertragen – vor allem auf jene, die der geneigte House-Afficionado in kleinen, vor dem Partymainstream versteckten Liebhaberclubs verbringt und die in der Zusammenkunft mit ein paar Dutzend Gleichgesinnten oft eine magischere Wirkung entfalten als die Ekstase der vorangegangen Primetime-Momente. Hier zählt nur der Sog der Bassline und die rohe Melancholie der nahezu unbearbeitet klingenden Strings, die in dieser Kombination die Clubgänger glücklich in die Realität eines neuen Morgens entlassen.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Donnerstag, 8. Februar 2024

Various Artists - Von 5 bis 12 Uhr [RORA 004]

Das in der Schweiz beheimatete RORA-Imprint präsentiert mit dieser sechs Tracks umfassenden 2x12“ EP / Mini-LP seine erste Labelwerkschau und setzt dabei ausschließlich auf Eigengewächse wie Sepp, Cally, Stab9 und Dave, deren Produktionen sich vorwiegend auf unaufgeregtem Terrain zwischen Minimal- und deepem TechHouse bewegen. Dabei stellen die einzelnen Tunes keinesfalls Primetime-Ansprüche sondern zielen vielmehr auf die letzten Stunden der Nacht, in denen das Tempo wieder heruntergefahren wird und es nur noch um einen nichtendenwollenden Groove geht.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Donnerstag, 1. Februar 2024

The Deadstock 33s - The Pilgrim's Ghost [Gomma]

Justin Robertson ist zurück und debütiert mit seinem Projekt The Deadstock 33s auf Gomma im Albumformat. Schon die Rückkehr des englischen Grossmeisters allein ist eine kleine Sensation für sich, die durch den Sound des Albums zu einer grösseren wird, bewegt sich „The Pilgrim's Ghost“ doch zwischen dem klassischen Sound, der Robertson unzählige Remixaufträge von Künstlern wie Björk, den Inspiral Carpets, The Shamen und unzähligen anderen bescherte, und einer melodischen, TechHouse-beinflussten Weiterentwicklung von KrautDisco und (Neo)Cosmic mit einer gehörigen Portion Hitappeal, ohne sich jedoch an gängigen Hitschemata zu orientieren. Vielmehr entwickelt er wie schon zu seiner ersten Hochphase in den frühen Neunzigern eine eigene Vision und Handschrift, die in ihrer schnörkellosen Klar- und Einfachheit besticht, ohne sich in tiefgehenden Soundspielereien zu verlieren. Besonders gilt das für die hymnische ElektroCosmic-Variation „Baron Richelieu's Trapeze“ mit ihren melodischen Anleihen bei grossen Synth-Acts wie Vangelis oder Jean Michel Jarre oder auch dem Acid-verseuchten „Monty Dance“, der mit seinem rohen Oldskoolvibe maximal punktet.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Donnerstag, 25. Januar 2024

Illbilly Hitec - Reggaetronics [Echo Beach]

Nachdem ich das Label Echo Beach schon vor Jahren weitgehend aus den Augen verloren hatte, ist das Debutalbum des Hamburger Projektes Illbilly Hitec eine überraschende und vor allem extrem positive Rückmeldung in meinem Wahrnehmungskosmos, liefert es doch ein längst fälliges Update in Sachen Reggae-fizierte Dope-, Break- und BigBeats in variierenden Tempi für die Clubs dieser Welt, überwiegend begleitet von Longfingah am Mikrofon, der den Tunes im Gegensatz zu vielen MCs eine weitere Ebene hinzufügt und sogar noch im Drum'n'Bass-Rahmen eine gute Figur macht. Wer einstmals die Kollaborationen der Freestylers mit MC Navigator geliebt hat, wird „Reggaetronics“ mit großer Wahrscheinlichkeit zu seinem Sommeralbum 2013 erklären.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Donnerstag, 18. Januar 2024

Witt & Halm - Merciless Trashing [ReWashed LDT]

Mit seinem aktuellen Release macht ReWashed LDT im Vergleich zur letzten von mir besprochenen Laufnummer einen gewaltigen Qualitätssprung, verzichtet glücklicherweise auf witzige Samples und verfolgt mit dem Originalmix von „Merciless Trashing“ einen Technostil, den mensch trotz des relativ zurückgenommenen Tempos und sparsamen, aber funktionalen Arrangements durchaus als DarkRave bezeichnen könnte. Sehr dunkel, sehr spooky und nichts für Menschen mit paranoiden Zügen. Auch die Remixer Darpa, Wave Form sowie AnGy KoRe & Tako reihen sich mit ihren Interpretationen in diese Deutungsvariante ein und erzeugen eine beklemmende Sogwirkung wie der Ereignishorizont eines Schwarzen Loches. Zweifelsohne zwingend.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Donnerstag, 11. Januar 2024

Various Artists - Endzeit Balladen [Leveltrauma Limited 01]

„Bass Muss F*icken“ heisst gleich der erste Track dieser EP und erinnert in seiner überzogenen Attitüde auf amüsante Weise an alte Frankfurter Smash-Knaller wie „Nächste Station Konstablerwache“ und auch mit Track Nummer zwei lassen Minupren & Stormtrooper die Situation gehörig „Eskalieren“, da auch dieser sich auf der Grenze zwischen HardTechno und StampfGabba mit komischen Vocals und albernen Samples bewegt. Druffcore vom Feinsten - amüsant, hart drüber und konsequent durchexerziert. Die Flipside teilen sich Urgesteine Michael Forshaw, Killer und Martin W mit jeweils einem Track, wobei gerade Erstgenannter in seinem unversöhnlich maschinellen, nervenzerwringenden Stil eine gute Figur macht und Killer mit seinen ungezügelten Sägezahnsequenzen die Anarchie der wilden Frühneunziger wieder auf die Tanzfläche holt. Durchgeknallt bis obenhin.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Donnerstag, 4. Januar 2024

Mørbeck - Teens On Fire [Code Is Law 001]

Es schabt und dräut und grindet in Technoland während sich die Geschwindigkeit auf der Tanzfläche immer mehr einem absoluten Minimum nähert. Mørbeck gelingt auf hypnotische Weise die Direktübersetzung von Gravitationsprinzipien in Audiosignale und führt die tanzende Meute gefährlich nah an den Ereignishorizont der psychischen Selbstauflösung. Das hier ist Hardcore, der auf sämtliche klassischen Eigenschaften des Genres verzichtet und den Konsumenten statt dessen auf einen Vernichtungskreuzzug gegen den inneren Feind schickt. Potentielle Waffe für die ganz späten Stunden der Nacht.

10/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 03/2013