Mittwoch, 12. August 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...

…Post... -whatever: PostDubstep, PostStep oder deren Derivate Skweee, Wonky und Aquacrunk, die mehr als maßgeblich zur Verwässerung eines Genres beitragen dessen kreativer Zenit in den Augen des Verfassers dieser Zeilen seit mehr als einem halben Jahrzehnt überschritten scheint. Und doch gibt es sie, die vereinzelten Ausnahmen in denen Dubstep als Ausdruck der urbanen Paranoia in seiner reinen, reduzierten Form auch dieser Tage noch seinen Weg via 12“ Vinyl auf die Plattenteller der Clubs findet.

So zelebriert beispielsweise Infra auf seiner im April erschienenen „Inside The Cold Mountain EP“ auf F4TMusic ein beklemmendes, hyperskelettiertes SciFi-Szenario in drei Akten, das in seinen grossen Momenten ein ähnliches Schaudern hervorruft wie zuletzt Distance anno 2007 mit seinem via Planet µ erschienenen Werk „My Demons“. Gerade der Titeltrack mit seiner nahezu statischen Sinusbassline und das futuristische „Propulsion“ bestechen durch ihre Fokussierung auf athmosphärische Dichte ohne sich in unnötiger Effekthascherei zu verlieren. Purismus für die dunklen Stunden der Nacht.

Auf ähnlich geartetem Terrain bewegen sich überraschenderweise auch Ulterior Motive mit ihrem auf Metalheadz veröffentlichten „Elephant Tune“, der als statischer SciFi-Roller den Sound des nie zu vernachlässigenden Labels in Richtung Dubstep öffnet, während das A-seitige „Right Here“ die Drum'n'Bass-Szene vermittels tiefgehend-verführerischer Female Vocals, schwarztunnelnder Basslines am unteren Ende des hörbaren Spektrums und konsequent klapperndem Beatfeuer aufmischt. Funktioniert nur auf wirklich exzellent eingestellten Anlagen und fordert per se einen zweifachen Rewind. Killer.

Selbst der seit geraumer Zeit aus meinem persönlichen Fokus verschwundene Skream sorgt dieser Tage wieder für Überraschungen, hebt doch „Kingpin“ - eine Studiokooperation mit DJ / Producer Friction sowie den Grime-assoziierten MCs P Money, Scrufizzer und Riko Dan – das noch recht frische Drum'n'Grime-Genre auf ein neues Level und liefert allen DJs eine massive Hymne für jeden Rave, gegen die der flipseitige Calyx & Teebee Remix trotz unbestrittener Dancefloor-Funktionalität doch wesentlich abfällt.

Seit jeher in Future Garage-Gefilden verortet ist das von Doc Daneeka betriebene Imprint Ten Thousand Yen, das dieser Tage mit seiner siebten Veröffentlichung aufwartet. Verantwortlich für beide Tracks der 12“ zeichnet Xxxy, der mit „Progression“ einen Synthie-beladenen Crossover zwischen TechHouse und eben genanntem Future Garage liefert, während „Thinking 'Bout“ mit elektroidem Swing dem neuzeitlichen Garage-Sound alle Ehre macht, durch perfekt bearbeitete Vocal-Snippets betört und natürlich auch im unteren Bassbereich ordentlich drückt. File under: 23rd Century Swing.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 06/2013

Sonntag, 26. Juli 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...


…“Exai“. Denn während die halbe Electronicawelt das neue Album der unter dem Namen Autechre firmierenden Glitch- und Abstraktionsfrickler Rob Brown und Sean Booth heiß diskutiert, schickt sich der in Bukarest beheimatete Produzent Octavian Justinian Uta a.k.a. Yvat an, den beiden britischen Herren mit seiner neuen Veröffentlichung auf Minor Label klammheimlich den Rang als Electronica-König abzulaufen. War sein letztes Release „Collider“ noch geprägt von industrieller Härte geht es auf der auf 200 Exemplare limitierten „Feldspar EP“ in vier Variationen um die Verknüpfung abstrakter, teils verfrickelter Beats mit warmen Bassläufen und zarten, träumerischen Melodien sowie – siehe auch „Feldspar 1.2“ - einer weltraumkalten sci-fi Attitüde, die auch den Autechre-Releases der mittneunziger Jahre innewohnte. Es ist doch immer wieder erstaunlich wieviel verborgenes Talent sich noch in den Staaten des ehemaligen Ostblocks weitgehend unter dem Radar der westlichen Wahrnehmung bewegt und dann von entdeckungsfreudigen Klein- und Kleinstlabels an die Oberfläche gefördert werden – watch out for Yvat, ich prophezeihe dem Mann noch Großes.

Groß im Sinne von episch über zwei CDs verteilt ist auch das „Live / Remix“-Album des Londoner Portico Quartet auf Real World Records, das mit seiner Musik zwischen Ambient, Electroakustik, TripHop / Downbeat sowie immer wieder auch frei fliessenden Jazz-Elementen und ein wenig cineastischem Kitsch pendelt. Während sich die „Live“-CD aus Tourmitschnitten des Jahres 2012 zusammensetzt und so die Arbeit der Musiker auf der Bühne im Zusammenspiel mit dem Publikum perfekt einfängt, treffen sich im „Remix-Teil unter anderem so illustre Namen wie SBTRKT, Luke Abbott, DVA und Konx Om Pax, verleihen dem Portica Quartet einen neuen Anstrich und transferieren die Tiefe der Originale in Richtung Future Garage, lange verschollenen geglaubte Sublow-Areale – DVA! -, Dillon'esque unschuldigen Experimentalpop, bassgetriebene TechGarage-Hybriden oder liebliche Ambientsphären zu einem rundum gelungenen Gesamtpaket, das jede CD-Sammlung bereichert. Gut.

Im Gegensatz zu vorgenannter, doch recht dezent daherkommender Veröffentlichung präsentiert sich das dieser Tage schwer gehypte Imprint Long Island Electrical Systems, kurz: L.I.E.S., mit seiner aktuellen Veröffentlichung nahezu unversöhnlich brachial, geht es bei den drei auf Verekers „Rosite EP“ enthaltenen Tracks doch um Musik für fortgeschrittene Bunkerbeschallung. Dumpfer, roher und brutalstmöglich analoger Acid und Techno, der sich mit seiner Live-Anmutung und vermittels langer Tracklaufzeiten wunderbar durch die äußersten Schalen des zerfeierten Raverhirns frisst und dort bösartig blubbernde Säurespuren hinterlässt, auch wenn die 303 nur auf dem titelstiftenden A-Seiten-Tune offensiv zwirbelt. Musik für das Leben im Untergrund.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 05/2013

Donnerstag, 16. Juli 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...


…being short of time. Denn für manche Veröffentlichungen braucht es Ruhe und Zeit, sie müssen reifen wie ein guter Whisky und vor allem auch wie dieser möglichst in einem Moment ungetrübter Aufmerksamkeit konsumiert werden.

Jene Aufmerksamkeit verlangt zum Beispiel das aktuelle und vor allem auf nur 25 mittlerweile wahrscheinlich vergriffene Exemplare limitierte Opus Magnum des nimmermüden Sascha Müller unter dem Titel „Sun Moon Stars“. Erschienen schon am 21.12.2012 – in Zeiten der kurzen Aufmerksamkeitsspannen rekapitulieren wir: Weltuntergang... nee, doch nicht. - geriet dieses schon auf Grund seiner blossen Gesamtlänge von 180 Minuten verteilt auf 3CDrs mit jeweils einem einzigen einstündigen Track ein wenig in Rezensionsverzug. Doch die Rückstellung hat sich gelohnt, finden sich hier doch spannende Variationen in LoopAmbient – zum einen hypnotisch pulsierend wie in „Sun“, unangenehm, strahlenkalt und mit psychoakustischen Effekten spielend (“Moon“) oder schlussendlich urtümlich rituell und getragen von den eindringlichen Didgeridoo-Schleifen der „Stars“. Wo nimmt der Mann nur die Vielzahl der Ideen und vor allem die Zeit für ihre Umsetzung her? Ohne direkte Vergleiche ziehen zu wollen nimmt diese Umtriebigkeit und Konzeptbezogenheit schon fast Namlook'sche Züge an.

Ebenfalls konzeptionell, wenn gleich auch musikalisch vollends anders orientiert ist das Album „Maskenball der Nackten“, das der ehemalige Goethes Erben-Frontmann Oswald Henke mit seiner kurz HENKE betitelten Band im März auf dem neuen Label Dryland Records veröffentlichte. Natürlich immer noch für alle Fans der schwarzen Szene unverkennbar er selbst - vor allem dank seines zuweilen sperrigen, immer jedoch leidenden Sprechgesangs - präsentiert sich das neue Projekt zwischen epischer, fast überladener Romantik („Grauer Strand“), abstrakter Nachdenklichkeit („Zeitmemory“) oder mal mehr, mal weniger offensichtlicher Ausrichtung auf die Zwei-Schritt-Vor-Und-Zwei-Zurück-Tanzfläche („Vergessen“ / „Epilog“). So verortet erschließt sich „Maskenball Der Nackten“ gerade dem Nichtvertrauten nicht zwingend beim ersten Durchlauf, fügen sich die Songs erst mit der Zeit zu einem düster nagenden Gesamtbild, auch wenn das treibende „Fernweh Ist“ szeneintern schnell zum Hit mutieren dürfte.

Im direkten Vergleich dazu veröffentlicht der Hamburger Künstler Incite Hu mit seiner kürzlich auf Hafenschlamm Records erschienen „Gift EP“ das Blueprint für verstörende Unmusik im Sinne der sogenannten Genialen Dilletanten und liefert mit den beiliegenden Digitalis-Samen zusätzlich echtes und nicht nur akustisches Gift für die geschundenen Seelen dieser Welt: verrauscht industrielles LoFi-Knorkeln trifft hallende Tapeschleifen mit verfremdeten Stimmfetzen, scheinbar gegenläufige Strukuturen und beklemmend paranoide Sounds. Während die A-Seite ohne Unterbrechung eine Liveperformance des Projektes im Golden Pudel Club dokumentiert liefert die Flipside der auf 147 Exemplare limitierten 12“ zwei Variationen des RhythmIndustrial AntiHits „Arsch Brennt“ und damit den idealen Soundtrack für den nächsten Spank-Exzess der Wahl.

Tl;dr: Unit Moebius trifft auf Vatican Shadow zur gemeinsam überdosierten Opium-/Crack-Party. Krank.


 Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 04/2013

Mittwoch, 8. Juli 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...


…silence. Denn auch wenn kontemplative Stille durchaus etwas Beruhigendes und Angenehmes haben kann, ist die Verunreinigung eben jener durch das Phänomen Geräusch die elementare Grundlage des Business, in dem wir uns bewegen.

Ähnlich meditativ wie in der Stille an sich geht es auf der neuesten Veröffentlichung des Labels Voluntary Whores zu, das allen Drone- und Ambientliebhabern mit der Katalognummer 003 ein C105-Tape – ja, liebe Kinder: 105 Minuten Musik auf einer Audiocassette – des neuen, bislang noch etwas rätselhaften Projektes Nogociella serviert und damit nicht nur extrem tiefenentspannte Musik, sondern zum wiederholten Male auch ein begehrtes Sammlerobjekt liefert. Limitiert auf nur 40 Exemplare weltweit – wie gewohnt in 7“-Plastiktasche mit zwei Photos und einer partiell grenzwertigen Beigabe auf deren Widerlichkeitsfaktor an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll. Aber nicht umsonst lautet der Titel „Quando Comincai A Vomitare“ - und ja, es geht ums Kotzen und um andere recht unglaubliche Dinge wie nichtexistente Kirchen und verschwindende Menschen. Auch wenn die Musik für sich allein gestellt das nicht vermuten lässt.

Das genaue Gegenteil zur vorgenannten musikalischen Meditation liefert das österreichische Spezialimprint für hyperkaputte Musik jeglicher Art mit seiner jüngsten Veröffentlichung. Die Rede ist von Micky Napalms “Toxic Elements“, die seit Anfang des Jahres via Hirntrust Grind Media ihre Runden in den eingeweihten Zirkeln dieser Welt dreht. Fies verzerrter IndustrialNoiseHop in toxisch grünem 7“-Vinyl mit gewohnt grenzwertigem Coverartwork, das – ebenso wie die Musik – weder für nervenschwache noch für minderjährige Menschen wirklich geeignet ist. Wer allerdings mit einer gesunden Vorliebe für zerfetzte Nervenzellen gesegnet ist, darf an dieser Stelle beherzt zugreifen, denn das „Grind“ im Labelnamen liesse sich auch problemlos durch „Gore“ ersetzen und die Krankheit hat System.

Partiell laut und ungewohnt tanzflächentauglich geht es auf dem ersten Release des neuen Label Raketenbasis Haberlandstrasse zu, auf dem Betreiber und Littlebrutalravebastard Sascha Schierloh in halber LP-Länge unter den Tarnnamen Bidol Cath und Rgyeue DF seiner Leidenschaft für verquasten Techno härterer Grade frönt und seinen legendären Track „Guck Mal Ihre Beinchen An Wie Ein Schwein“ sogar von Industrial-Legende Xotox remixen lässt. Auf der Flipside findet sich dann ein von Michael Nowicki a.k.a. Panzerboy666 a.k.a. Cosmo Woslowski produziertes Electronica-Medley mit wahnwitzigen 19+ Minuten Spielzeit. Raketenbasis Go! Go! Go!

Eine große Überraschung ist auch das schon im Dezember auf R&S Records veröffentlichte MPIA3-Album „Your Orders“, das nach dem meines Erachtens eher schwachen Neustart des Labels zum ersten Mal wieder eine Form gesunder roher Härte und die damit eng verbundene Ekstase zurück in den Katalog der legendären Plattenfirma bringt. Die sechs Tracks auf Doppelvinyl strotzen mit ihren hochkomprimierten Bassdrums nur so vor Kraft und dekliniert das Thema Acid zwischen reduziert und clubbig-verspult mit Chicago-Einfluß bis hin zum zerstörerischen Bunkerbrecher und bretthartem IndustrialElektro mit kreischenden 303-Linien einmal komplett durch. Völlig unerwartet wartet R&S hier mit dem Mut und der Klasse längst vergangener Tage auf und katapultiert sich mit nur einem Release zurück auf meine persönliche Watchlist. Massivst.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 03/2013

Mittwoch, 1. Juli 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...

...Weihnachtswahnsinn. Oder Weltuntergang. Denn während sich die Menschen auf den Straßen sowohl wegen des einen als auch des anderen Themas die Köpfe zermartern, entsteht diese Kolumne in seeliger Ruhe und nur begleitet von den ganz und gar nicht besinnlichen Tönen der jüngst erschienen „Dead Kore Dead Tube“ EP des Spiral Tribe-, SP23- und 69db-Mitglieds James Hawley, besser bekannt als Jack Acid. Veröffentlicht auf digitalem Wege via Djungle Fever Berlin gibt es hier eine ungezähmte, rohe und nervenzerreissende Variante von Acid auf die Ohren, deren Ursprung zweifelsohne in dreckigen Industriekellern und schwer illegalen Freetekno-Parties zu suchen ist. Sehr gut.

Zu Hause im Club hingegen ist das neueste Release aus dem Hause Metalheadz Platinum, auf dem sich Artificial Intelligence & Command Strike als Kollaborateure die Ehre geben. Sowohl „Mad One“ mit der Unterstützung von Jamakabi am Mikrofon als auch „Broken Grounds“ liefern ein handwerklich perfektes Blueprint für klassisch-rollenden, Subbass-verliebten Drum'n'Bass, der ohne große Schnörkel jeden Tanzflur zum Beben und mit seinen abgrundtiefen Frequenzen Hosenbeine zum Flattern bringt. Absolut zeitlos und daher wichtig.

Kürzlich an dieser Stelle hoch gelobt wurde mit „Mars“ das aktuelle Album von Ahmed Abdullahi Gallab a.k.a. Sinkane, aus dem jetzt in der Phonica Records Special Edition die Single „Runnin'“ ausgekoppelt wurde. Neben dem Originalsong gibt es Remixversionen von Chandeliers und Daphni, die sich auf höchst spannende Weise dem Afrobeat-beeinflussten SynthPop meets Funk-Entwurf des gebürtigen Ägypters nähern. So geht Pop ohne Anbiederung an jegliche Mainstreamgefilde.

Und auch im Hause Audiolith hält das Popverständis dieser Tage Einzug in Form einer Splitsingle aus dem berühmt berüchtigten Audiolith Singles Club. Während sich Fuck Art, Let's Dance! mit ihrem Song „Maze“ in die Herzen verliebter Indiemädchen clubben ziehen Tubbe mit „Mess“ andere Seiten auf und rocken nach Herzenlust die queere Show mit einer ElectroClash-Interpretation, die sich gewaschen hat.

Weniger queer, dafür aber genau so tanzflurtauglich präsentiert sich das in Edinburgh beheimatete HipHop-Triplet Young Fathers, das mit dem „Tape One“ ihr erstes Album auf Anticon. vorlegt, vermittels nur acht Tracks den Glauben an eben jenes Genre wieder zum Leben erweckt und dieses problemlos mit hymnischen Indie-Hooklines, Afrobeat-Einflüssen, Grime-Vibes, Reggae und dräuendem Gangster-Funk kombiniert. Pflichtkauf für alle, die sich noch mit Begeisterung an die 2009er Two Fingers 12“-Veröffentlichung „What You Know“ in Kollaboration mit Sway erinnern, auch wenn knapp 20 Minuten Laufzeit in diesem Fall natürlich viel zu wenig sind. Bitte mehr davon.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 02/2013

Dienstag, 23. Juni 2020

THERE’S MORE TO LIFE THAN...

... 12“-Business – Teil 2. Denn dieser Tage erscheinen zu viele zu gute Alben in kurzer Abfolge und das Zeichensoll der Dezemberkolumne war zu schnell erfüllt, um sich wirklich komplett mit allen wichtigen Veröffentlichungen auseinanderzusetzen.

Sträflich vernachlässigt wurde in der letzten Ausgabe unter anderem die erste Vinylveröffentlichung der Illbient-Spezialistin Giulia Loli a.k.a. Mutamassik seit 2004, die sich jetzt mit ihrem auf 250 Exemplare limitierten Allbum „Rekkez“ auf dem belgischen Label ini.tu endgültig zurückmeldet, nachdem es abgesehen von zwei digitalen Veröffentlichungen auf RunRiot Records und Sa’aidi Hardcore Productions in 2009 und 2010 lange Zeit recht still um sie geworden war. Musikalisch geht es natürlich noch immer um Illbient und düster-experimentellen InstrumentalHop mit oft orientalischen Einschlägen, eingehüllt in musikalische Opiumwolken und fiebrige Stimmungen, die ihre visuelle Entsprechung im beigelegten Poster finden. Gut, das.

Ebenfalls aus Belgien kommt das Label Sub Rosa, dessen jüngster Streich das Re-Release des ursprünglich in typischer Industrialmanier auf C20-Cassette in Eigenregie veröffentlichten Etat Brut-Albums „Mutations Et Protheses“ aus dem Jahre 1981 ist. Zum ersten Mal überhaupt auf Vinyl erhältlich spiegelt das Material die frühe Phase der von 1979 – 1984 aktiven Industrial- / Noise-Pioniere wieder, die hier eindrucksvoll Echos und Verzerrer mit teils prägnantem, fast funky zu nennenden Bassspiel kombinieren und so die These von Industrial als totaler Antimusik konterkarieren; auch wenn der Lärm- / Abstraktionsfaktor hier natürlich enorm bleibt.

Um Längen zugänglicher, wenn nicht im direkten Vergleich sogar niedlich, kommt dagegen das Global Goon-Album „Plastic Orchestra“ auf dem Label 030303 daher. Elf auf Doppelvinyl verteilte Tracks interpretieren den Genrebegriff Electronica hier auf äußerst freundliche Weise und scheinen zumindest einen Teil ihrer Soundquellen tatsächlich aus Plastik- und/oder Kinderinstrumenten zu beziehen, während der andere Teil von alten Analogsynthies genährt scheint. Ein Album, bei dem mensch schnell das Gefühl bekommt, von der Musik geradezu umarmt zu werden. Sehr seltenes Phänomen dieser Tage und am liebsten würde ich jetzt sofort in einem Stück wie „Morphon Diezepad“ versinken, das gerade angenehm weich und anschmiegsam durch meine Boxen wabert. Toll.

Schlussendlich wird es an dieser Stelle sogar ausnahmsweise richtig tanzbar, verdient doch die Tatsache unbedingte Erwähnung, das Parris Mitchell’s 1994er Dance Mania-Album „Life In The Underground“ jüngst als Katalognummmer 001 des noch frischen Ghetto House Classics-Labels wiederveröffentlicht wurde - angeblich offiziell authorisiert durch Mr. Mitchell persönlich und neu gemastert vom Original-DAT. Furztrockener Chicago-Shit, natürlich mit den bei Dance Mania üblichen Ecken und Kanten, die für die jüngere Generation oft nicht mehr nachzuvollziehen sind, aber von roher Energie und Aufbruchstimmung zeugen. Gibt’s so heute nicht mehr. Schade auch. Ist nämlich geil. Und Tracks wie „Work It (Re-Mix)“ oder „Ghetto Booty“ sind der Juke von vor verdammten 18 Jahren. Schon deshalb: kaufen.

Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 01/2013

Dienstag, 9. Juni 2020

THERE’S MORE TO LIFE THAN...


... 12“-Business. Je länger meine Entscheidung nun zurückliegt, mich weitgehend anderen Dingen als dem Nacht- und DJ-Leben zu widmen und - wenn überhaupt - nur noch auf wirklich reizvollen Veranstaltungen, in von Freunden geführten Locations, zu besonderen Anlässen oder – im Sinne des Kapitalismus - ganz pragmatisch für Summen aufzulegen, die den ganzen Aufriss einer durchgemachten Nacht auch lohnen und es ansonsten einfach bleiben zu lassen, desto wichtiger wird mir persönlich das Albumformat, auch wenn dessen bevorstehender Tod und die Fokussierung auf einzelne Songs im digitalen Zeitalter immer wieder von Künstlern und Labels beklagt wird. Und doch, ein komplett in sich stimmiges Album, am Stück gehört mit Freunden oder allein und ggf. begleitet von einem Glas hochwertigen Alkohol - dieser Tage bevorzugt Bourbon oder sofern verfügbar auch Rye – ist in der Lage Geschichten zu erzählen und den geneigten Hörer auf eine Reise mitzunehmen, die weit über das hinaus geht was die gewöhnliche Maxisingle zu leisten vermag.

Auf das Erzählen einer selbigen angelegt ist die erste Veröffentlichung des noch jungen Tapelabels Voluntary Whores, das mit dem auf 40 Kopien limitierten Release „I Was A Good Hunter Until That Day...“ des Projektes Bears. – mit Punkt! – zwischen Dark Ambient, Jazz-Drumming und Noize eine mysteriöse Begebenheit aus dem Kanada der 1930er Jahre nachzeichnet und damit durchaus gruselige Momente erzeugt. Krankes Zeug und auch ohne echte Sprecher ein ziemlicher Trip. Hörspiel (Not Hörspiel) dürfte wohl der passende Claim dafür sein.

Weniger gruselig, aber überaus begrüßenswert ist die Tatsache, das das großartige Rangleklods-Debutalbum „Beekeeper“ dieser Tage via Schoenwetter Schallplatten endlich auch auf Vinyl erhältlich ist. Luxuriös als Doppel-LP im Gatefold-Cover gibt es hier nicht nur die 10 Tracks des Albums sondern zusätzlich als D-Seite noch die „Home EP“ der Indie- / SynthPop-Formation, die jüngst als Vorband von WhoMadeWho tourte und mit ihren nebulös melancholiegetragenen Songs viele Herzen im Sturm eroberte. Ganz großes Songwriting, ein Gespür für überraschende Wendungen und tolle Videos. Ich prophezeie eine güldene Zukunft und lege die Band hiermit ALLEN unseren Lesern und besonders auch den Depeche Mode-Fans unter ihnen ans Herz – Songs wie „On Top“, „Riverbed“ oder „Clouds“ erklären das Warum von selbst, auch wenn Rangleklods weit weniger catchy daherkommen als viele klassische SynthPop-Bands, den Griff zur halbakustischen Gitarre nicht scheuen und dann auch Alternative Country können. Ein Album für die Ewigkeit und ich bin der kürzlich hier im Heft vorgestellten Nachteule Lilly Rumler für den Hinweis „So geil, musst Du unbedingt anhören“ zu ewigem Dank verpflichtet.

Eine weitere faszinierende Geschichte, diesmal aus der Vergangenheit, erzählt auch das englische Label Mordant Music, das mit der Wiederveröffentlichung des ursprünglich im Jahre 1979 erschienenen Albums „Recorded Music For Film, Radio & Television: Electronic Vol. 1“ aus der Feder des Musique Concrete-Komponisten Tod Dockstader einen spannenden Einblick in die elektronische Musik der Prä-Techno-Ära ermöglicht und insgesamt 13 kurze Synthesizer- / Cosmic- / Ambient-Experimente wieder zugänglich macht. Meines Erachtens nach schon aus historischen Gründen eine der wichtigsten Veröffentlichungen der letzten Wochen und zweifelsohne musikalisch immer noch hochaktuell. Get.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 12/2012

Samstag, 30. Mai 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


... EDM. Auch wenn ich diesen Begriff zugegebenermaßen in den Früh- und Mitt-2000ern in Anlehnung an das weit verbreitete Akronym IDM („Intelligent Dance Music“; kleine historische Auslassung für die spätgeborenen Leser unter uns: die IDM-Mailinglist existiert seit 1993 im Internet und wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um die Veröffentlichungen des Rephlex-Labels online zu diskutieren.) oft benutzt habe, um den musikalischen Ansatz meines eigenen Labels Intrauterin Recordings zu skizzieren: das Veröffentlichen tanzbarer, elektronischer Musik unabhängig von Genregrenzen und stilistischen Einschränkungen. Dabei hatte ich jedoch anderes im Sinn als die Deadmau5s und Guettas dieser Welt – Vielfalt. Kreativität. Unabhängkeit.

Mit diesen Stichworten ist auch der Output des legendären, in Manchester beheimateten Labels Factory Records grob und passend beschrieben, der dieser Tage via Strut Records zu neuem Leben erwacht. „FAC.DANCE 02“ versammelt 24 längst verschollene Perlen aus dem Backkatalog der Jahre 1980-1987 auf Doppel-CD , unter anderem die großartigen Quando Quando, A Certain Ration mit „Lucinda“, Sir Horatio’s nebelgrauen „Sommadub“ und natürlich Fadela’s „N’sel Fik“, dessen Introsequenz die gesampelte Grundlage von Lennie De Ice’s 1991er Breakbeat-Klassiker „We Are i.e.“ darstellt. Mehr Geschichtsstunde auf einmal geht kaum und schon deswegen sei „FAC.DANCE 02“ an dieser Stelle schwer empfohlen.

In ähnlicher Tradition steht auch die Debutveröffentlichung der obskuren Band Die Else Girls, jüngst erschienen als 7“ in einer Auflage von 300 Exemplaren via iRRland. Während die A-Seite mit der Originalversion zwischen Artschool, Dada, NDW und (No)Wave mäandert liefert Flavio Diners auf der Flipside filternden DiscoDeepHouse jenseits des derzeit üblichen Tempolimits und liefert dabei Anknüpfungspunkte zu Labels wie dem längst vergangenen Ladomat 2000, aber auch zum Ware-typischen Pop-Aspekt der Schaffhäuser’schen Prägung. Spannend und meines Wissens nach nicht über die regulären Vertriebskanäle zu beziehen.

Weiter geht es mit den Trentemöller & Visionquest Remixen für den David Lynch Song „Pinky’s Dream“, im Original zu finden auf dem Album „Crazy Clown Time“ und einer der zugänglichsten Songs auf dem Langspieler. Während Trentemöller mit seiner Neubearbeitung den Weg des dunklen ElectroWave wählt und der sehnsüchtigen Stimme von Karen O ein düster-treibendes Korsett schnürt, beschreiten Visionquest dunkle KrautDisco-Pfade im Sinne der letzten DC Recordings-Veröffentlichungen und schicken die Tanzfläche zu später Stunde auf einen spacig-kosmischen Trip. Sehr schöne 12“, aber trotz CutOut-Cover und gefühltem 180Gramm-Vinyl mit einem Ladenpreis von fast 14 Euro eigentlich zu teuer.

Gleiches gilt im Übrigen für die „Permissions Of Love“ 3-Track EP der wunderbaren Tropic Of Cancer, die im Laden mit ungefähr 18 Euro zu Buche schlägt. Dabei ist diese Platte mit einer Auflage von 500 Exemplaren plus zusätzlicher Nachpressung von 300 Stück in weißem Vinyl nicht einmal sonderlich limitiert und legt so den Verdacht nahe, das hier tatsächlich die Profitgier langsam durchschlägt. Auch wenn der stoisch dronige Wave-Ansatz mit Shoegaze-Attitude für Fans des Genres eine echte Offenbarung ist, lässt sich ein Preis wie dieser nur noch schwerlich rechtfertigen.

Nach einem durchaus fälligen Anstieg der Vinylpreise in den letzten 24 Monaten ist jetzt langsam ein Punkt gekommen an dem das Ende der Fahnenstange erreicht scheint und die Branche Gefahr läuft, dem noch von Vielen geschätzten Medium durch Drehen an der Preisspirale den Garaus zu machen. Das gilt es zu verhindern, oder?


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Samstag, 23. Mai 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...

...Standardformate - gerade weil es in unserer elektronischen Welt immer sehr geordnet zwischen 12“ und in Ausnahmefällen 7“ zugeht und selbst dem von mir geliebten 10“ Format noch fast etwas Exotisches anhaftet. Doch es geht auch anders.

Nachdem Sascha Müller den Formatfaschismus in diesem Jahr schon mit dem Revival von DIY-Tapeauflagen und – wir erinnern uns – in Hardcases verschraubten DVDrs aufs heftigste bekämpft hat, geht er mit seiner neuen „Booty Flop“-Serie noch einen Schritt weiter und holt mit 3.5“-Disketten ein weiteres Medium aus dem Keller, dessen Tod schon in den Neunzigern als vollends besiegelt galt und darüber hinaus nie als Medium zur Veröffentlichung von Musik geeignet war. Enthalten ist pro Veröffentlichung ein Track im 48 oder 64 kpbs aufgelösten mp3-Format, limitiert auf 10 Kopien pro Laufnummer. Erwähnenswert hier vor allem die Folge 1 der Serie mit einem obskuren MashUp von Michael Jacksons „Billie Jean“, das klingt als wäre es durch einen Telefonhörer an einer analogen Kupferleitung aufgenommen. Völliger Irrsinn in Hyper-LoFi.

Dagegen ist die ebenfalls aus der Müller’schen Feder stammende zweite Veröffentlichung auf dem Label Psychocandies schon fast gewöhnlich, steckt hier doch eine auf 100 Stück limitierte 7“ mit hypnotischem AnalogAcid statt in einem normalen Cover in einer semi-antiken 8“ Diskettenhülle. Sieht nicht nur gut aus, klingt auch so.

Viel weiter und über den Rand des verpackungstechnischen Wahnsinns hinaus geht in diesem Monat nur Turgut Kocer mit seinem Materiau-Label und der Veröffentlichung des fünfteiligen Gesamtwerkes „Eminenzen Gold“, das limitiert auf insgesamt nur 3 Downloads und 7 Doppel-CDrs erscheint. Letztere verpackt in einer verklebten 12“ Plastikhülle mit einem zusätzlich verpackten, mehrseitigen Manifest mit einem teilverbrannten Photo, Rollsplit, Kohlestückchen, Knäckebrotkrümeln und einer als Samplequelle dienenden alten Schellackplatte als zusätzliche Dreingabe. Ein großes FUCK YOU erstmal als Dank für die widerlich schwarz eingestaubten Finger beim Öffnen des Paketes und kein weiterer Kommentar zur Musik, da mein Laufwerk sich konsequent weigert mehr als ein paar Sekunden der CDrs abzuspielen, bevor verdächtige Brumm- und Knarzgeräusche aus seinem Inneren mich zum panikartigen Abschalten des Gerätes zwingen, um einen Totalschaden zu vermeiden. Die Vermutung liegt nahe, das die aufgebrachten Sticker eine Rotationsunwucht verursachen, deren Folgen zumindest für mein Laufwerk fatal sein könnten. Das ist nicht witzig.

Eine Verschiebung und Verzerrung des Zeit- und Realitätsformates hingegen betreibt Arthur Boto Conley’s Music Workshop mit der Veröffentlichung von drei großartigen Stücken des ominösen Musikers Clifford Trunk auf dem Label Travel By Goods, dessen vierte und vorliegende Veröffentlichung auf 333 Exemplare schneeweißer 12“es limitiert ist. Laut beiliegender Geschichtsverortung sind alle drei Titel einem unveröffentlichten Demotape ebenjenes in Deutschland geborenen Amerikaners entnommen, übergeben an Mr. Conley nach einer zufälligen Unterhaltung im Ratinger Hof der späten 80er. Mythenbildung? Oder gar doch ein futuristisches Genie? Der Techno- / House-Ansatz jener Stücke ist zumindest erstaunlich smooth, wunderschön arrangiert und im Falle des „551 (Dub)“ sehr nahe an SpeedGarage ohne cheesy Samples, während „418“ (Neo)Trance und „940“ säurehaltigen und extrem zurückgenommen ArmchairTechno Warp’scher Prägung in Reinkultur vorwegnehmen. Groß.

Eine weitere Verschiebung, diesmal der Hörgewohnheiten, steht den Fans des InFine-Labels mit dem Signing des Bassmusik-Duos Downliners Sekt bevor, die mit ihrer Single „Trim / Tab“ nicht nur ihr für 2013 geplantes Album ankündigen sondern dem Label Tür und Tor ins sogenannte „’ardcore continuum“ öffnen, beackern sie hier doch das Feld zwischen melancholischem Future Garage und verrauschtem, auf dem Prinzip des Antigroove aufgebautem Digital R’n’B, wobei natürlich auch der PostRave-Ansatz früher Burial-Werke nicht zu kurz kommt. Deep shit.

Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Sonntag, 17. Mai 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


...Platzmangel. Denn im Sinne der alten HipHop-Weisheit „Too many MCs, not enough mics“ heisst es in diesem Monat „Too many records, not enough space...“ um wirklich jeder Veröffentlichung gerecht zu werden.

Angefangen mit den Peaking Lights, die dieser Tage aufgrund ihres neuen Albums „Lucifer“ in allen Magazinen hoch gehandelt werden, aber auch mit ihrer 2011er Veröffentlichung „936“ immer noch so steil gehen, dass dieses Album mittlerweile mehrfach wiederveröffentlicht wurde und mittlerweile in sieben – sic! – verschiedenen Varianten via Not Not Fun Records und Weird World erhältlich ist. Psychedelisch verschwebt zwischen Campfire Folk, PostRock, Hippietum und Dub, versehen mit einer Portion Grundrauschen und Lo-Fi-Attitude für mich eine der Entdeckungen der letzten Wochen.

Dub-orientiert geht es weiter mit „Release The Hounds“, dem frisch veröffentlichten Album des Produzenten Da Grynch auf Necessary Mayhem, das die Möglichkeiten des digital erzeugten Roots Dub voll auslotet und vor allem mit „Our Dub“, „Can’t Take No More (Phaser Dub)“ und „Ravers“ grossartige Riddims erschafft, die in mir die Sehnsucht nach einem echten Dub-Clash in meiner Heimatstadt wieder aufleben lassen. Dub für die Welt!

Schon ein paar Wochen auf dem Markt, aber immer noch spannend für alle Chicago-, Dance Mania- und Footwork-Liebhaber ist das zweite Release des Labels Blank Mind, das zwei längst verschollen geglaubte Tracks des Produzenten DJ Clent wieder verfügbar macht. Gerade der Track „3rd World“ – 1998 auf der „100% Ghetto E.P.“ erschienen - greift dem Footwork-Movement um mehr als 10 Jahre vor und bietet eine gute Möglichkeit, den besten und wichtigsten Track des auf Discogs für 40+ Euro gehandelten Dance Mania-Originals in die Sammlung zu stellen.

Eine weitere Reisegelegenheit in wunderbar retro-futuristische Gefilde findet sich mit der jüngst auf Viewlexx erschienen „Replicant E.P.“ von Kid Machine, auf der sich insgesamt sechs vorlagentreue Replikationen des originären ItaloDisco-Sounds finden, für den sich der Schreiber dieser Zeilen fast immer begeistern kann. Und ja, es geht um Kitsch der allerersten Güteklasse während sich das ebenfalls dem klassischen Electro verschriebene Label Robotmachine Records mit der „Invasion From Mars“ des Dynamik Bass System vier Varianten reinrassigsten Breakdance- / Electro Bass-Sound auf schneeweissem Vinyl liefert und damit nicht nur den Oldskoolern unter uns eine echte Freude macht. Ganz gross und immer wieder gut.

Ausserdem neu und frisch ist der zweite Teil der Stiff Little Spinners-Serie auf Audiolith, die mit diesem 6-Track-Vinyl entgegen ihres ElectroPunk-Rufes erneut die Tiefen von Deep- und SlowHouse sowie (Neo)Cosmic erkunden und auch vor humorvollem Ska-/Polka-Minimal nicht haltmachen. Unter anderem involviert: Krink, Kalipo, Torsun Teichgräber und andere. Limitiert auf 300 Kopien und am zu beziehen über den labeleigenen Mailorder. Get!


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 09/2012

Freitag, 8. Mai 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


...colour. Sagt zumindest der Blick in den trist trüben Hamburger Himmel und aus diesem Grunde beginnt der musikalische Rundblick in diesem Monat mit dem auf Dirty / Pschent veröffentlichenden Trio Tristesse Contemporaine, die auf ihrer ebenso betitelten Debut-LP nicht nur die Tristesse im Namen führen sondern mit Titeln wie „Empty Hearts“ oder „Hell Is Other People“ auch ganz schnell klarstellen wo der dunkelgraue PostPunk-/ (No)Wave-Hammer hängt. Geht in Ansätzen auch auf dem Indie-Dancefloor und erinnert in seinem musikalischen Variantenreichtum zuweilen an das bereits 2004 auf Dekathlon erschienene Nam:Live!-Konzeptalbum „The Testament: Sex, Scriptures And Rock & Roll“. Sehr empfehlenswert,

Grautöne vor allem im Sinne der inselartigen Zustände des ummauerten Berlin der Früh80er-Jahre sind auch das musikalische Thema der – ganz No Future-gerecht – Verbrannte Erde benannten Band, die mit „IV“ ihr eben viertes Album der Bandgeschichte vorlegt. Erschienen auf Major Label verbreitet die Truppe düstergraue Musik irgendwo zwischen Fehlfarben und charmant schrammelndem DeutschPunk, ohne jedoch in die Klischeefalle der „Schlachtrufe BRD“-Serie zu tappen. Hier gibt es Inhalt, durchdachte Texte und natürlich eine gehörige Portion Systemkritik, die jedoch subtiler daherkommt als mensch es vielleicht in diesem Zusammenhang gewohnt ist.

Eine andere Form von Farbverzicht übt das zur Zeit schwer angesagte Rawax-Label, interessiert sich einen Dreck für Covergestaltung und liefert statt dessen farbiges Vinyl in weissen Papierhüllen, stilecht als Whitelabel mit – farblich zum Vinyl passender – Stempelästhetik. So suggeriert mensch die Verbundenheit zum Untergrund, generiert im besten Falle einen kleinen Hype (gelungen!) und liefert mit der Katalognummer 10.2 von Unbroken Dub nach vergleichsweise schwachem Start auch endlich einmal entsprechendes Material ab. Zwei Tracks gibt’s auf der „Kosmos EP“ - einmal eher `troity verträumten Armchair Techno, mit dem sich im Idealfall auch die vertripptesten Raver glücklich nach Hause schicken lassen, während es auf der Flipside leicht angedubbed, mit kühlem Sci-Fi-Approach und vor allem mehr Druck zur Sache geht. Wer sich schon vor dem Hype die Sandwell District 010 ins Regal gestellt hat findet hier die ideale Anschlussplatte.

Trotz exzellent gestaltetem schwarz-weiss Grafikcover überhaupt nicht monochrom präsentiert sich hingegen die „Origo“ EP der schwedischen Produzenten Lisa & Kroffe auf dem eben dort beheimateten Label Monoscope und servieren nahezu kosmisch anmutende Synthesizermusik vom allerfeinsten. Weitgehend beatlos, angenehm kitschig und Ambient und die grossen Vorbilder wie Jean-Michel Jarre, Vangelis oder auch Tangerine Dream schauen hier und da auch gern einmal um die Ecke. Trotzdem: Lisa & Kroffe kopieren nicht sondern liefern gelungenes 2012er Update analoger Klangkunst und zeichnen akustische Landschaften im epischen Breitwandformat. Me likey.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 08/2012

Mittwoch, 29. April 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...

...money - „...nicht, weil Geld glücklich macht sondern alles einfach, an jedem neuen Scheißtag an dem Du keins hast...“ um an dieser Stelle noch einmal Ferris MC’s Klassiker „Im Zeichen Des Freaks“ zu zitieren, sondern weil es dieser Tage immer mehr Platten gibt, bei denen sich die Labels und Produzenten um einen gewissen Mehrwert bemühen. Sei es in Form eines exquisiten Artworks oder spezieller Beilagen, besonderer Veröffentlichungsformen oder ähnlichem – vom Sammler geschätzt aber manchmal auch vom Normalkonsumenten verflucht, weil sich dieses Extra-Bit auch immer wieder im Verkaufspreis niederschlägt. Aber Geld muss im Umlauf bleiben, auch in Zeiten der Krise und deshalb: immer raus damit.

Zum Beispiel für die neue Veröffentlichung des hier schon vor Monaten erwähnten Labels Shhhh Records, die mit der „Odenwald EP“ von Ghosts In Disguise alle Freunde des tendenziell nett-verträumten MinimalHouse pleasen, dabei niemandem wehtun und auf der beigelegten 6-Track Bonus-CD noch einmal drei Non-Vinyl-Mixes on top servieren. Mit im Remix-Boot unter anderem Robert Edwin a.k.a. Robert Feuchtl a.k.a. Bob Humid, Matthias Schaffhäuser und Labelhead Turgut Kocer a.k.a. Bluff.

An dieser Stelle kürzlich schon einmal erwähnt schlägt auch das aktuelle – und darüber hinaus grossartige – Album „Clay Class“ der PostPunk/Indie-Formation Prinzhorn Dance School in die Kerbe der als durchaus „pricey“ einzuordnenden Veröffentlichungen dieser Tage und bei allem Support und gutem Willen stellt sich hier die Frage, wie denn ein Ladenverkaufspreis von 30+ € für eine einfache LP mit elf Tracks zu rechtfertigen ist? Liebe Menschen von DFA / Cooperative Music das ist eine grobe Frechheit und da hilft auch die mittlerweile Standard gewordene CD-Beilage nicht viel, denn wenn der HAB (Händlerabgabepreis) schon fast den Ladenpreis eines normalen Albums erreicht, ist es klar, das die Verkaufs- und vor allem Preorderzahlen in den Keller rutschen, keiner das Werk wahrnimmt und entsprechend, wie in Hamburg gesehen, auch die Konzerttour nicht läuft. So verbrennt mensch Potential und das haben Prinzhorn Dance School wahrlich nicht verdient.

Neues gibt es auch aus dem Hamburger Hause HFN Music zu vermelden, denn auch wenn sich das angekündigte Album der verrückt gewordenen Reptile Youth in Richtung Frühherbst verschiebt gibt es jetzt erstmal die neue Single „Black Swan Born White“ in zwei Varianten. Die Indie-Fraktion wird auf 7“ mit dem ohrwurmzüchtenden Original und einem leicht treibenderen Remix der Londoner No Wave-Band S.C.U.M. bedient, während sich die elektronisch-affinenen Tänzer auf 12“ Clubversionen von Terranova und Mark E freuen dürfen. Doch Remixe hin oder her – das Original ist ungeschlagen und daher von meiner Seite aus nicht nur des Formates wegen der Erwerb der 7“-Single schwerstens empfohlen.

Ebenfalls spannend und gleich in mehreren Teilen besorgt es unser aller Lieblingsisländerin Björk Gudmundsdottir der vinylkaufenden Zunft mit der jüngst veröffentlichten 12“ Remix-Serie zu ihrem aktuellen Album „Biophilia“, aus der vor allem Teil 1 mit brutalstmöglich komprimierten Drum- / Dubstep-Remixen von „Crystalline“ und „Solstice“ hervorsticht. Beide hochverdichtet und auf technische Effizienz getrimmt vom Berliner Produzenten Current Value, dessen extrem präzise Soundästhetik schon seit dem Beginn seiner Karriere ihresgleichen sucht. Heftig.

Freunde gepflegt-mystischer Bassmusik hingegen erfreuen sich dieser Tage am neuen und in vielfachen Varianten erhältlichen Werk des MythStep-Gottvaters Sam Shackleton – „Music For The Quiet Hours / The Drawbar Organ EPs“ auf seinem Label Woe To The Septic Heart! Erschien jüngst als limitierte 3x12“ + CD Box, wahlweise auch als Doppel-CD Box oder jeweils separiert in 3 einzelne Maxis und CD-Album. Viel Auswahl für den passionierten Sammler und auch musikalisch natürlich wieder ganz weit vorne, spielt Shackleton mit seinen tribalistischen, schwer rituellen Soundentwürfen schon seit Anbeginn seiner Produzentenkarriere in einer ganz eigenen unerreichten Liga. Must have.

Jene Bassmusik haben scheinbar auch meine Freunde aus der Frittenbude zumindest im Ansatz ordentlich inhaliert, denn auf deren aktuellem Album „Delfinarium“ finden sich neben den üblichen Partybangern und Ausflügen in die komplexe Intimität der Melancholie auch Einflüsse von Drum’n’Bass und Dubstep. Die Vinylausgabe gibt’s im schicken Gatefold-Cover als Doppel-LP und mit 50/50-Chance auf eine farbige Pressung. Das erwachsenste Album der Band bisher und der Einstieg auf Platz 14 der Albumcharts wohl verdient. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle noch einmal – sowohl an die Band als auch an die Partystrategen aus dem Audiolith-Büro.

Ebenfalls in die Kategorie „must have“ einzuordnen, wenngleich auch wesentlich schwieriger zu erwerben und daher „a record to hunt down“ für die Fraktion der Jäger und Sammler unter uns ist das selbstveröffentlichte Doppelalbum „Pieces Of Conversation“ des kryptisch benannten Projektes [aniYo kore] mit der Matrizennummer BOBHARRIS001 und der klaren Mission melancholisch vokal-orientierten TripHop unter Zuhilfenahme von reduzierten Beatstrukturen, leicht verstimmten PostRock-Gitarren, diversen Sample- / FieldRecording-Spielereien und dem Echo von Illbient zu retten. Ziel erreicht, auf Platte zumindest, die der versierte Sammler am ehesten wohl auf einer der diversen [aniYo kore] Live-Shows in die hoffentlich fettfreien Finger bekommt. Gut, das.

Eine weitere liebevoll aufgemachte Entdeckung, die ich den regelmässigen Besuchen der Hamburger Lokalität Meine Kleinraumdisko verdanke, ist die schon in 2011 auf Light In The Attic Records erschienene Gatefold-Doppel-LP „Beautiful Rivers And Mountains: The Psychedelic Rock Sound Of South Korea’s Shin Joong Hyun 1958 – 1974“, die nicht nur mit ausführlichen Linernotes und beigelegtem Interview die Geschichte eines aussergewöhnlichen Komponisten, Musikers und Produzenten nachzeichnet sondern zudem das Ohr neu für eben Psychedelic Rock, hippie’esk verschwebte Blues-Variationen und zuweilen auch nach Easy Listening oder Novelty klingende Songs neu öffnet, zumal diese mit koreanischen Texten eine ganz eigene ungewöhnliche und exotische Spannung entwickeln. Zwar komplett unelektronisch, hat aber einen Platz in jeder gutsortierten Plattensammlung verdient.

Die jedoch aufwendigste Albumverpackung des Monats und den abgeschossenen Vogel für Hyperlimitierung liefert – wen wundert das jetzt ? – natürlich wieder Sascha Müller, der sein Album „Error 404“ als 3“ DVDr mit 14 .wav-files veröffentlicht und statt in ein Minicover zu stecken lieber gleich in einem ausgemusterten Laufwerk stossfest verschraubt. Echte Handarbeit, Vollmetall und in einer DIY-Auflage von 9 Exemplaren weltweit erschienen. Sammlerstück für Freunde von Clicks’n’Cuts, Experimental Ambient und elektronischer Deep Listening Music jeglicher Couleur – die Suche danach lohnt. Sehr.

Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Samstag, 18. April 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


...love. Das dem nicht so ist erfährt der Autor dieser Zeilen an jedem Tag wieder schmerzlich im Kampf um die Liebe, die Frau seines Lebens und aus genau diesem Grunde geht es in diesem Monate um eben jene – um die Liebe. Um Songs und Bands, die die Seele streicheln, die Verzweiflung kompensieren oder auch... whatever.

Angefangen mit dem in Deutschland immer noch unterschätzten DFA-signing Prinzhorn Dance School, deren Show im März in Hamburg leider grandios unterbesucht war, was aber glücklicherweise weder der Grossartigkeit noch dem Energielevel ihres ultraminimalen PostPunk-Entwurfes Abbruch tat. Die Songs aus dem aktuellen Album „Clay Class“ liessen Grosses vermuten und es bleibt zu hoffen, dass die deutsche Fangemeinde endlich einmal aufwacht. Musikalisch dunkel, aber zumindest mit der Hoffnung spendenden Zeile „When nothing matters... all is well“ versehen ist der jüngst erschienene Longplayer „Sisyphus“ der Wave-/Goth-Legenden No More. Legenden? Kennt keiner? Zumindest die ältere Generation der FAZE-Leser hat sich in den Spätneunzigern zur Hell’schen Interpretation von „Suicide Commando“ die Füsse wund getanzt, auch wenn schon damals das Wissen um die 1981-er Originalversion aus der Feder von – genau! – No More der breiten Masse von Ravern nicht eigen war. Also: anhören.

Ebenfalls gezeichnet von Verlangen und Verzweiflung ist die neue 7“ des Herrn Trentemöller auf seinem eigenen Label In My Room – wieder in Zusammenarbeit mit der Vokalistin Marie Fisker serviert der wohl bekannteste Däne der Welt eine Neubearbeitung des 1984-er PostPunk-Underground-Hits „My Dreams“ von The Gun Club: auf der A-Seite dunkel dräuend und hypnotisch, während die Akustikversion auf der B-Seite schon fast ein Gefühl von Lagerfeuer verbreitet ohne dabei wirklich harmlos zu sein. Als – leider nur – Digitalbonus obendrauf gibt’s eine Neubearbeitung von Chris Isaak’s Überhit „Blue Hotel“, der Sehnsüchte weckt... nicht nur nach einer Vinylversion!

Und noch eine weitere Neubearbeitung eines Klassikers gibt es zu vermelden, denn die in Wiesbaden beheimatete Formation Naon wagt sich gleich mit dem Opener ihrer aktuellen 5-Track EP „Working Title“ and den Eurhythmics-Evergreen „Sweet Dreams (Are Made Of This)“, verleiht ihm einen neuen Anstrich zwischen Synthie- und FuturePop und verbrät dabei alle Effekte, die vor allem letzteres Genre hergibt. Könnte ebenso wie die anderen Tracks dieser EP durchaus in die Heavy Rotation-Listen lokaler Grossraum-Gothic-Parties wandern, ist allerdings für echtes Airplay stellenweise doch ein wenig zu dick aufgetragen. Trotzdem einen Check wert.

Ebenso gilt dies auch für das schönste Liebeslied des vergangenen Monats mit dem bezeichnenden Titel „In Love“, gesungen und geschrieben von der unglaublich bezaubernden Ira Atari und zu finden auf „Audiolith – Doin’ Our Thing #2“, dem exklusiven Vinylbeitrag des Hamburger Labels zum Record Store Day 2012, der mit Bratze’s „Strafplanet“ und dem legendären „Tote Tiere“ von Supershirt & Captain Capa noch mindestens 2 dicke Hits zusätzlich enthält.

Eine andere und durchaus besondere Liebesgeschichte versteckt sich hinter dem Song „Giver“, zu finden auf dem grossartigen Debutalbum „Not Now“ der Hamburger Band Clara Bow. Ursprünglich von ihrem schwedischen Ex-Partner Johan Eckerström im Rahmen der Trennungsbewältigung von Frontfrau Katrin Hesse geschrieben, coverte sie diesen mit Clara Bow, zunächst jedoch ohne das Wissen darum das sie selbst Thema des Selben ist. Nichtsdestotrotz findet sich „Giver“ nun auf dem Album und füllt, ebenso wie die nur beispielhaft genannten Songs „Paul Rulz“, „Restart“ oder „You Got It“ alle Tanzflächen zwischen Indie und GaragenPunk-beinflusstem Rock’n’Roll – selten so viele Ohrwürmer innerhalb von knapp 35 Minuten Laufzeit gehört und schon deshalb Pflichtkauf für alle, die ein offenes Ohr für Gitarrenmusik mit dem Herz am rechten Fleck haben. Besser sind Clara Bow nur noch live und laut Gerüchteküche (...oder besser: den Informationen bei gemeinsamen Spätstück in der u.a. von Hannes Langner betriebenen Bar-/Cafe-Location „Die Gesellschaft“ zufolge) steht im Frühherbst eine Tour zum Album an. Watch out! Watch out gilt auch für den dort servierten Apple Pie und extrem leckere Ciabatta-Sandwiches in diversen Variationen. Beim nächsten Hamburg-Besuch austesten und dann direkt im Anschluss das Clara Bow-Album im weniger als 5 Gehminuten entfernten Plattenladen Otaku Records käuflich erwerben.

Für frisch und unschuldig Verliebte servieren I Heart Sharks ihre Single „Summer“ mit dem fast noch faszinierenderen Bonustrack „Aerobics“ - mein persönlicher Favorit dieser Veröffentlichung. Kennengelernt haben sich I Heart Sharks der Legende nach übrigens im Berghain und liessen ihren Happy-Go-Lucky-IndiePop standesgemäss zusätzlich von Brazed, Etnik und den Audiolith-Wonderboys Captain Capa durch den Wolf drehen. Meine liebste Neuentdeckung der letzten Wochen jedoch ist die 7“-Single „I Heard You Say“ der Vivian Girls, veröffentlicht zwar schon zum Recordstore Day 2011, aber mit ihrem leicht verquer-hippieskem, leicht vernebelt-unschuldigem Mädchengesang immer noch Balsam fürs gebeutelte Herz. Entdeckt habe ich die Band übrigens in der Bar Meine Kleinraumdisko, einer meiner Hamburger Lieblings-HangOuts für unter der Woche, und genau diesem Ort verdanke ich auch meine entfachte Liebe zum Dillon-Album „This Silence Kills“ auf BPitch Control – irgendwo zwischen Elektronik, Björk und süsser Unschuld. IndiePop 2012 und vor allem „Tip Tapping“ ist ein grosser Hit. Wichtige Platte. Kaufen!


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 06/2012

Donnerstag, 9. April 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...

...bass. Diese Aussage schimmerte blitzte kürzlich in einem Interview auf, welches der hochgeschätzte Rhythmus- und Klangforscher Bernd Friedmann in einem ebenfalls der elektronischen Musik verschriebenen Magazin gab. Eine Aussage, die per se natürlich für seine eigenen, oft von aussereuropäischen Musiken beeinflussten Soundreisen durchaus Gültigkeit hat, ganz bestimmt aber nicht für inselbritisch geprägte Clubmusik, um die es in diesem Monat in dieser Kolumne vorwiegend gehen soll.

Allen voran schreitet hier in der letzten Zeit vor allem Paul „Seiji“ Dolby, der den älteren Breakbeat-Adepten unter uns noch mit seinen Releases auf Labels wie Reinforced, 2000 Black oder Bitasweet in süsser Erinnerung ist, in den letzten Monaten mit insgesamt drei hochklassigen 12“es auf seinem eigenen Impringt SEIJI in Erscheinung trat und ausserdem einen Remix zu Joe Goddard's „Gabriel“ auf dem Hot Chip-Label Greco-Roman beisteuerte, wie gewohnt zwischen Future Garage, UK Funky und SpeedGarage balancierend. Ebenfalls mit einem synkopisch-swingenden Future Garage Remix für Joe Goddard am Start: Ossie, dessen Bearbeitung eigentlich zu Unrecht auf dem undankbaren B2-Platz der Vinylmaxi gelandet ist. Mehr Swing kommt dieser Tage auch von Till Von Sein, der mit seinem „4,5 Minutes In Essex 1992 Jam“ für Kasper Björke's „Lose Yourself To Jenny“ die Breakbeat-Raver ins HFN Music Boot holt, und von Mike Delinquent Project, der mit einem Remix von Yasmins „Finish Line“ nicht nur die Sonne rein-, sondern vor allem dem klassischen 2Step-/UK Garage-Sound wieder rauslässt. Letztere erschienen via Ministry Of Sound und sehr schön.

Das Melancholie und Bass gut zusammengeht beweist SBTRKT mit einem Whitelabel und der Matrizennummer YT075 ohne weitere Infos, auch hier ist SpeedGarage das Stichwort, während auf Cluekids hauseigenem Label Bullfrog Beats mit der Katalognummer 006 die Hypnosewirkung von dunkel-dräuendem Halftime Dubstep („Swampman“) und das Hochenergiepotential von klassischem Oldskool Jungle („Ninety Three“) ausgelotet werden. Gerade für letzteres gibt’s mindestens mehr als einen Bonuspunkt. R-E-W-I-N-D !!!

Zu guter Letzt entwickelt sich das Eintreffen hochlimitierter Sascha Müller-Veröffentlichungen kurz nach Abgabeschluss mittlerweile zum Running Gag und so erreichte mich wieder verspätet die zweite Ausgabe der „Recycled Tapes“-Serie. C90-Cassette, limitiert auf 15 Stück weltweit und diesmal im Split mit Pasquale Maassen auf der Suche nach dem Spirit der französischen DarkJungle-Szene der Endneunziger. Inhalt: insgesamt 16 Tracks roher, ungeschliffener Drum’n’Bass, DarkJungle und experimenteller Breakbeat fernab der hochzüchteten UK-Klangästhetik, Sammlerstück. Ausserdem neu, krank und limitiert aus der Müller’schen Soundschmiede: „Shit Music“ - eine CDr-Orgie in experimentellem Noize ganz im Sinne früher V/Vm-Veröffentlichungen mit einer Auflage von 20 Exemplaren und präsentiert in für nicht ganz hartgesottene Gemüter schwer verdaulichem Artwork, auch wenn es sich um Erdnussbutter und nicht das namentlich nahe liegende Enddarmprodukt handelt. Ist das jetzt Industrial oder Punk... rein von der Attitude her?


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 05/2012

Samstag, 28. März 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


...the dancefloor. Zumindest scheint das der herrschende Konsens unter den alten Hasen der elektronischen Feierkultur zu sein, zumindest wenn mensch sich die in den einschlägigen Foren immer wieder auftauchenden Threads zum Thema Ambient- & ChillOut-Floors ansieht. Aber wo sind sie denn nun hin? Warum sind sie verschwunden und mit ihnen auch eine Form von elektronischer Musik, die sich wunderbar zum Zu- und Nebenbeihören eignet, ohne gleich den Tanzbefehl zu implizieren? Fragen ohne echte Antwort und doch scheint Ambient dieser Tage eine kleine Renaissance zu erleben, angefangen bei dem schon Ende 2011 veröffentlichten Album des Italieners Manuel Fogliata a.k.a. Nuel auf Further Records, das zwar mit „Trance Mutation“ einen fürchterlichen Titel trägt, aber verpackt in ein hochwertiges Siebdruckcover mit ägyptischen Motiven auf feine Weise balearische Gitarrenklänge, Post-PostRock und eben ChillOut vermischt, bis hin zur nur als US-Import erhältliche Doppel-CD „Their Moments Of Perfect Happiness“ des amerikanischen Duos Cyberchump. Unter diesem Pseudonym nähern sich Mark GE und Jim Skeel aus dem Bandkontext kommend der elektronischen Zuhörmusik und kombinieren diesmal ganz klassischen Ambient mit leichten Dub- und Downbeat-Einflüssen ohne dabei kitschig oder gar retro zu wirken - eine Platte, die DJ-Legende Mixmaster Morris in den 90ern wahrscheinlich geliebt hätte. Ebenfalls gross und jüngst veröffentlicht sind die mit „And Never Ending Nights“ betitelten und auf 500 Exemplare limitierten, wabernd-krautigen Synthie-Spielereien des The Field-Kopfes Axel Willner unter dem Pseudonym Loops Of Your Heart auf dem Kölner Label Magazine, die sich ebenso in diese Reihe einfügen wie der nur digital via Cognito Percepti erhältliche Wardrobe Memories-Longplayer „Swamp Of Sorrows“, der Hörgenuss mit anspruchsvoller Electronica vermengt und dabei immer wieder einen Anflug von weirdem Maschinenfunk durchschimmern lässt.
Zum Thema Tanzfläche – kaum hatte ich Sascha Müller an dieser Stelle für seine Produktivität und seinen Output gelobt, flatterte mir doch exakt einen Tag nach Abgabeschluss eine weitere Veröffentlichung des umtriebigen Uelseners im Briefkasten herum: die Katalognummer 001 seines neuen Labels Psychocandies, limitiert auf 200 hübsch marmorierte 7“es. Der an Labels wie DJungle Fever u.ä. orientierte, schmutzige Acid-Sound der ersten VÖ kommt, natürlich, von Herrn Müller himself, der sich die kleine runde Scheibe mit dem 303-süchtigen Produzenten Acidfloor teilt. „Higher State Of Consciousness“ als referenzielles Stichwort mag an dieser Stelle genügen, der Vinyldealer eures Vertrauens kann mit etwas Glück und Ausdauer eine Kopie besorgen.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 04/2012

Donnerstag, 19. März 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...

...künstliche Verknappung. So dachte sich zumindest das Management des Trance-Labels Tetsuo und veröffentlichte dieser Tage mit „World Class Trance“ und „Addicted To Trance“ auf digitalem Wege in vierzehntägigem Abstand gleich zwei Compilations mit jeweils 30 Tracks. Der Haken? Nicht nur laut Waschzettel stimmen die Tracklists zu mehr als 50% überein und übertreffen damit sogar die geschickte Mehrfachverwertungsstrategie früherer Good Looking-/Looking Good-Sampler um ein Vielfaches. File under: schlechter Marketingmove, denn diese Art der Geldschneiderei dürfte selbst dem eingefleischtesten Addict zu viel des Guten sein. Mit mehr Understatement geht da das in Mettmann – nicht: Miami, auch wenn das Label es auf seiner Website so behauptet – beheimatete Label Shhhh Records zu Werke, presst Auflagen um die 200 Stück und vertreibt diese vorwiegend über die eigene Website und über einen einzigen Plattenladen in Deutschland, für den es zuweilen sogar noch vor dem offiziellen VÖ-Datum 10er Editionen mit handgefertigtem Artwork gibt. Katalognummer 005 erscheint im März – „Sommernachtsträume“ von Sascha Müller, der hier ketaminschwangeren Zigeunertechno und verträumten Electro im eigentlichen Sinne zusammenbringt. Auf schneeweissem Vinyl! Und überhaupt Sascha Müller: der Mann hat einen unglaublichem Output auf seinen digitalen Labels und gehört doch zu den most underrated Producern der Republik, was vielleicht auch an seiner Vorliebe für Hyperlimitierung und krude physische Formate liegen mag. Relativ aktuell sind noch sein auf 15 (!!!) Kopien limitiertes Split-C60-Tape mit eVADE mit dem Titel „Recycled Tapes Volume 1“ und die auf 20 Stück limitierte 8“-Lathe-Cut-Single „Pounder“ im rezyklierten, gestencilten Volksmusikcover. Natürlich prall gefüllt mit astrein produzierter elektronischer Tanzmusik, die eigentlich für ein grösseres Publikum gedacht sein sollte. Ausserdem heiss und limitiert – Ostgut Ton 050. 500 7“ Singles gibt es davon und Popeye, äh, Rummelsnuff macht den EBM-Tanz unter dem Motto „Ich der Jäger, du der Bär“ während die von Steffi’s „Sadness“ inspirierten Shambhu And The Love Hearts alles zwischen Shoegazer, Indie-Kid und Johnny Cash-Fan zum Träumen bringen. Ebenfalls Band und sehr zu beachten sind die von Trentemøller produzierten Darkness Falls mit ihrer neuen Single „Timeline“ auf HFN Music, vor allem der kongeniale Com Truise Remix erschliesst den Kopenhagener Mädels trotz Vocaleinsatz sicherlich noch einmal eine neue Fangemeinde. Ähnliches gilt übrigens auch für das Hamburger Electro-/RavePunk-Label Audiolith, das – während das kommende Frittenbude-Album schon seine Schatten vorauswirft und für ausverkaufte Konzerte mit Zusatzterminen in Hamburg, München und sonstwo sorgt – vorher noch schnell mit Veröffentlichungen von Johnny Mauser und Brazed in artfremden Gefilden wie DeutschHipHop und Stadium Drum’n’Bass wildert. Diversifizierung über alles, oder wie ist der Plan jetzt?


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 03/2012

Freitag, 13. März 2020

Curve #146 - Curve EP [Autist]

Techno als reine Maschinenmusik, gnadenlos ratternd und stampfend und ohne den geringsten Hauch von Gefühl. Unzählige Male ist dieser Vergleich wohl schon herbeizitiert worden, doch leider halten nur nur die wenigsten Veröffentlichungen dieses Versprechen auch wirklich ein. Das kleine Autist-Imprint jedoch macht dieser Beschreibung auch mit diesem Release alle Ehre und entseelt mit vier neuen Tracks die Körper seiner Jünger, die sich gern zwischen Tekno, Industrial und experimentellem Hardcore einordnen lassen. Für das Mastering zeichnet im Übrigen Drum'n'Bass-Exzentriker Current Value verantwortlich, ein Garant für glasklare, klirrend kalte Sounds.

5/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Freitag, 6. März 2020

Pete Faraway - Promised Land [Kriminal Records]

Vorsicht Hymne. Pete Faraway liefert mit seinem Track "Promised Land" ein nahezu perfektes Werk zeitgenössisch-elektronischer Musik ab, dem ich schon jetzt ohne Umschweife den selben Kultstatus zuschreibe, wie ihn im letzten Jahr Puretone's "Addicted To Bass" erreichte. MIt dezent-dubbigen und zurückgenommenen Breakbeats ausgestattet lebt "Promised Land" einzig und allein von seinen tiefgründigen Female-Vocals, deren Gänsehauteffekt nicht allein im Klang begründet liegt. Auch die Inhalte leben und der Refrain sorgt für jubelnde Massen. Mit  "Skyrats" auf B1 kommen dann die Freunde der leicht bigbeatigen Breaks zum Zuge und der Housemix des Titeltracks auf B2 befriedigt auch die Liebhaber von DubHouse und SpeedGarage. Eigentlich mehr  als nur

6/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Samstag, 29. Februar 2020

The Dragon - The Streets Remix / Blue Dragon [Poison 007]

Nun kommt also "The Streets" - der Track mit dem kongenialen Inner City-Sample von der Vorgängermaxi Poison 06 - noch einmal im Remix auf die Plattenteller, auf blaugefärbtem Vinyl und ohne Punkt und Komma direkt nach vorne los. Zwar passiert innerhalb des Tracks nicht allzuviel, als Tool jedoch macht er eine gute Figur und der Floor bleibt aufgrund des verspulten Vocaleinsatzes immer schön auf Trab. "The Blue Dragon" auf der Flip drückt mit einer fetten Bassline über hektisch-steppenden Beats nach vorn und gibt vor allem in grossen Locations richtig gut  auf die Nuss. Rave-Alarm!

5/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Sonntag, 23. Februar 2020

Bioforge - Centron / Nightwatch [Acetate 007]

Schon das nächste Schmankerl aus der Soundschmiede des niederländischen Actetate-Imprints, auf dem Bioforge diesmal im Alleingang agiert. "Centron" auf der A-Side erinnert vor allem im Bassbereich ein wenig an ältere Ed Rush & Optical-Tracks auf Virus und ruft damit durchaus positive Assoziationen wach. "Nightwatch"  hingegen präsentiert sich ein wenig Jungle-orientierter und funktioniert als deep-klöppelndes Tool am Besten zu fortgeschrittener Stunde.

4/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Samstag, 15. Februar 2020

Misantrop - Eis / Liar [Armour Plated 002]

Unverständlicherweise konnten sich die Kollegen der englischen Presse mit diesem Release gar nicht anfreunden - Zeit für eine Richtigstellung also von unserer Seite. "Eis" auf der A-Side überzeugt vollends durch eine bisher selten gehörte Kombination von technoid-ravigen Elementen, Amenbreaks, überraschenden Breaks und einer ungeahnten Deepness, an die zur Zeit nur wenig heranreicht. Doch auch "Liar" muss sich nicht verstecken und lässt es auf ähnlicher Basis ordentlich krachen, arbeitet jedoch häufiger mit Beatwechseln und spontanen Minibreaks. Fett.

6/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Sonntag, 9. Februar 2020

Mampi Swift - Depth Charge EP [Charge]

Mampi Swift und seine ureigene Definition von ultracleanem, vertracktem HighTech-Drum'n'Bass spalten die Meinungen der Drum'n'Bass-Fraktion nachwievor in zwei Lager. Entweder mensch liebt  ihn oder hasst ihn - dazwischen gibt es nicht wirklich viele Möglichkeiten. Der Rezensent entscheidet sich für die erste Variante, lobt die durchaus anspruchsvoll gesetzten Beats und die konsequente Monotonie innerhalb der Tracks, deren Wirkung sich erst als Tool im Rahmen eines DJ-Sets komplett entfalten kann. Vor allem der Titeltrack "Depth Charge" und "Clockwork" können sich durchaus als Waffe erweisen.

4/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Montag, 3. Februar 2020

Polarity [Phunction 001 White]

Grundsolider Start für das neue Phunction-Imprint, dessen erstes Release zwar den Drum'n'Bass nicht grundlegend revolutioniert, dem funktional orientierten Plattenreiter jedoch zwei brauchbare Tools ins Case stellt. Sind beide Tracks vom Ansatz her als deep zu beschreiben, basiert die A-Side des unbeschrifteten Whitelabels auf einem minimalen Twostep-Gerüst während die Flip mit steppigen Beats und zurückgenommenen Amenrolls arbeitet und darüberhinaus die Massive mit ravigen Signals zum Tanzen animiert. Solide

4/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Dienstag, 28. Januar 2020

Weslay Jay & Shimano - Prototype Remixes [RJ Productions 004]

War schon die erste Scheibe des Imprints RJ Productions vor geraumer Zeit mit empfehlenswerten Breakbeat Garage-Remixen des Prototype-Tracks ausgestattet, legen Wesley Jay & Shimano dieser Tage mit neuen Speedgarage-Interpretationen noch einmal kräftig Holz ins Feuer und tragen damit dem langsamen Comeback dieses Styles Rechnung. Macht mächtig Druck auf der Tanzfläche und angesichts der markanten Bassline darf auch mit einer schreienden Crowd gerechnet werden.

6/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Mittwoch, 22. Januar 2020

Kemal / Bulletproof [Industry 010]

Absolutes must have für Liebhaber technoid-vertrackter Drum'n'Bass-Sounds. Kemal beackert mit seinem Track "Let It Move You" leicht ravig - wahlweise auch trancig - angehauchtes Terrain und liefert einen Primetime-Mover der Güteklasse A, welcher in den nächsten Monaten nicht aus meinem Case wegzudenken sein wird. Bulletproof aus Neuseeland mag es auf der Flipside mit "Trapdoor" gern mit hektischer Bassline und sorgt im Club für stolpernde Raverfüsse, da die Beats dieses Tracks irgendwie gegen den Strich gebürstet rüberkommen. Nice.

6/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Donnerstag, 16. Januar 2020

Polarity - Future / High Funk [Phunction 002]

Auch mit seinem zweiten Release auf Phunction kann Polarity durchaus überzeugen und hält mit den beiden Tracks "Future" und "High Funk" den gesetzten Standard der eigenen Messlatte. Während sich erstgenannter Track wie auch Phunction 001 als gut funktionierendes, deepes Tool erweist, kommt "High Funk" dank des einprägsamen Vocalsamples und treibender Bassline richtig gut in die Gänge und macht auch zur Primetime eine gute Figur.

4/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Freitag, 10. Januar 2020

Future Prophecies - Rock Steady / Fire [Outbreak Limited]

Wenn es an dieser Stelle nicht um Tonträger sondern um militärische Waffensysteme ginge, wäre die vorliegender 12" mindestens in der Kategorie Schwerer Schützenpanzer einzuordnen. "Rock Steady" geht düster und zweifelsohne gnadenlos nach vorn, bedient sich tonnenschwerer Bassdrums, einer fast doom-mässigen Bassline und den prägnanten Vocalsamples aus Thunderballs alter Gabba-Hymne (sic!) "Bonzai Channel One". Auch "Fire" schlägt in eine ähnliche Kerbe, kommt jedoch mit Sägezahn-Bass ein wenig treibender daher.

4/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002

Donnerstag, 2. Januar 2020

My Inspiration Remix [INS 001 White]

Speedgarage als musikalische Genrebezeichnung ist definitiv zurück, daran lässt auch vorliegende 12" keinen Zweifel mehr. Die A-Side dieses Whitelabels kommt 4-2-the-floor getaktet, mit dicken Bässen und extrem soulorientierten Male-Vocals, die zusammen mit den verwendeten Sounds sehr stark and die 1994er-Ausprägung von deeper Housemusic erinnern, wie sie einst unter anderem Boris Dlugosch vertrat. Die B-Side hingegen arbeitet auf der Basis eines 2Step-Beats mit zugehöriger gerader HiHat und bittet mit dezent gesetzten Piano-Klängen zum Tanze.

5/6 Points

Gastreview für Raveline, Ausgabe 11/2002