Mittwoch, 1. Juli 2020

THERE'S MORE TO LIFE THAN...

...Weihnachtswahnsinn. Oder Weltuntergang. Denn während sich die Menschen auf den Straßen sowohl wegen des einen als auch des anderen Themas die Köpfe zermartern, entsteht diese Kolumne in seeliger Ruhe und nur begleitet von den ganz und gar nicht besinnlichen Tönen der jüngst erschienen „Dead Kore Dead Tube“ EP des Spiral Tribe-, SP23- und 69db-Mitglieds James Hawley, besser bekannt als Jack Acid. Veröffentlicht auf digitalem Wege via Djungle Fever Berlin gibt es hier eine ungezähmte, rohe und nervenzerreissende Variante von Acid auf die Ohren, deren Ursprung zweifelsohne in dreckigen Industriekellern und schwer illegalen Freetekno-Parties zu suchen ist. Sehr gut.

Zu Hause im Club hingegen ist das neueste Release aus dem Hause Metalheadz Platinum, auf dem sich Artificial Intelligence & Command Strike als Kollaborateure die Ehre geben. Sowohl „Mad One“ mit der Unterstützung von Jamakabi am Mikrofon als auch „Broken Grounds“ liefern ein handwerklich perfektes Blueprint für klassisch-rollenden, Subbass-verliebten Drum'n'Bass, der ohne große Schnörkel jeden Tanzflur zum Beben und mit seinen abgrundtiefen Frequenzen Hosenbeine zum Flattern bringt. Absolut zeitlos und daher wichtig.

Kürzlich an dieser Stelle hoch gelobt wurde mit „Mars“ das aktuelle Album von Ahmed Abdullahi Gallab a.k.a. Sinkane, aus dem jetzt in der Phonica Records Special Edition die Single „Runnin'“ ausgekoppelt wurde. Neben dem Originalsong gibt es Remixversionen von Chandeliers und Daphni, die sich auf höchst spannende Weise dem Afrobeat-beeinflussten SynthPop meets Funk-Entwurf des gebürtigen Ägypters nähern. So geht Pop ohne Anbiederung an jegliche Mainstreamgefilde.

Und auch im Hause Audiolith hält das Popverständis dieser Tage Einzug in Form einer Splitsingle aus dem berühmt berüchtigten Audiolith Singles Club. Während sich Fuck Art, Let's Dance! mit ihrem Song „Maze“ in die Herzen verliebter Indiemädchen clubben ziehen Tubbe mit „Mess“ andere Seiten auf und rocken nach Herzenlust die queere Show mit einer ElectroClash-Interpretation, die sich gewaschen hat.

Weniger queer, dafür aber genau so tanzflurtauglich präsentiert sich das in Edinburgh beheimatete HipHop-Triplet Young Fathers, das mit dem „Tape One“ ihr erstes Album auf Anticon. vorlegt, vermittels nur acht Tracks den Glauben an eben jenes Genre wieder zum Leben erweckt und dieses problemlos mit hymnischen Indie-Hooklines, Afrobeat-Einflüssen, Grime-Vibes, Reggae und dräuendem Gangster-Funk kombiniert. Pflichtkauf für alle, die sich noch mit Begeisterung an die 2009er Two Fingers 12“-Veröffentlichung „What You Know“ in Kollaboration mit Sway erinnern, auch wenn knapp 20 Minuten Laufzeit in diesem Fall natürlich viel zu wenig sind. Bitte mehr davon.


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 02/2013

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