Sonntag, 18. April 2021

Saint Saviour - Union [Surface Area]

Ja, Pop. Mit auch elektronischen Mitteln, die aber wie in diesem Genre so üblich eher Mittel zum Zweck und nicht Hauptaugenmerk sind. Da hilft es auch nicht viel, dass Becky Jones a.k.a. Saint Saviour für einige Zeit als Quasi-Frontfrau der Band Groove Armada unterwegs war, denn im Vordergrund steht hier ganz klar der starke, zum grossen Teil elegische Gesang der Künstlerin, der die ohnehin oft nur sparsamen Backings weit in den Hintergrund drängt. Und selbst wenn es, wie in der zweiten Hälfte von „Union“, doch im klassischen Sinne nach vorne losrockt steht und fällt doch alles mit den Vocals. Wenn man Pop mag, definitiv nicht das schlechteste Album ever, insgesamt aber doch ein wenig zu episch und zuweilen zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt. 15-jährige Mädchen mit Liebeskummer und Hang zu Vampirträumereien oder Musicals dürften das allerdings lieben. Der geneigte Konsument elektronischer Musik eher nicht. Wohlmeinende

5/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 11. April 2021

Various Artists - Hard Ass Compilation [Enchufada]

Kuduro ist angekommen in der elektronischen Tanzmusik. Nicht zuletzt dank der Wellen, die das Buraka Som Sistema in den Clubs dieser Welt geschlagen hat und schon längst wird der ursprünglich aus Luanda stammende Style in den verschiedensten Varianten der westlichen Clubmusik neu und re-interpretiert, mit Bestehendem verschmolzen oder auch nur partiell adaptiert. Und so ist es mehr als folgerichtig das nun J-WOW als Teil der Buraka-Posse dieses Phänomen in Form einer ungemixten CD-Compilation neu beleuchtet und dabei seine persönlichen Favoriten und Lieblingsproduzenten mit ins Boot holt. Bekannte Namen wie Bok Bok, Poirier oder der immer wieder gern gehörte Seiji sind ebenso dabei wie jene unter dem Radar der allgemeinen Wahrnehmung agierende - Kry Wolf, Oliver Twizt & DJ Rockid oder WILDLIFE! seien hier nur beispielhaft genannt. Das geht mal tierisch nach vorne, nervt auch mal ungeheuer dank quietschender Sirenen und billig wirkender Bleeps, übt aber aufgrund der rhythmischen Struktur und des leicht stolpernden Grooves eine nahezu unwiderstehliche Faszination aus. Als Dauerbeschallung im Club in dieser Form vielleicht etwas zuviel des Guten, als Überblick über die aktuelle Entwicklung jedoch höchst interessant.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 4. April 2021

Grasscut - Unearth [Ninja Tune]

Nach dem Monsterrelease von Amon Tobins Boxset setzt man im Hause Ninja Tune im Juli mit der Veröffentlichung des zweiten Grasscut-Albums auf elektronisches Shoegazing und nebelverschwommenes Songwritertum, teils mit klassischen Instrumenten wie Violinen angereichert, teils mit intimer Campfire-Indie-Orientierung, immer jedoch extrem zart, fast zerbrechlich in den Strukturen und niemals auch nur im Ansatz extrovertiert. Eigentlich ein Album für den Frühherbst, nicht für den Hochsommer. Schön.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 28. März 2021

Taragana Pyjarama - Tipped Bowls [Kompakt]

Dänemark ist das neue Island. Scheinbar. Denn es vergeht kaum ein Tag an dem unser nördlicher Nachbarstaat nicht wieder ein neues musikalisches Talent ausspuckt, das mit mehr oder weniger Recht Beachtung fordert. Nun also Nick Eriksen, der sich zwar mit Taragana Pyjarama ein a) unmerkbares und b) Zungenverknotung provozierendes Pseudonym zugelegt, es damit aber nichtsdestotrotz schnell in den Aufmerksamkeitsfokus von James Holden, Anders Trentemöller und vor allem auch Kompakt-Head Michael Mayer geschafft hat. Auf dem Kölner Label erscheint auch Nick Eriksens Album-Debut „Tipped Bowls“, dessen Wirkung allerdings eigenartigerweise schon vor dem Ohr des Rezensenten völlig verpufft und nur das vage Gefühl hinterlässt, in den letzten 45 Mnuten eine lose, nicht wirklich schlüssige Aneinanderreihung irgendwie verschwebter Elektroniktracks gehört zu haben, von denen nicht einer im Gedächtnis geblieben ist. Gehört und sofort wieder vergessen. Passiert auch selten.

3/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 21. März 2021

Advanced Human / Developer - Counter Pulse Series 4 [Counter Pulse 004]

Techno. Schweden. Und Chris McCormack zeichnet verantwortlich für das Mastering. Alles in allem kann mensch bei dieser Kombination wohl von guten Vorzeichen sprechen und auch wenn der ganz große Wurf nicht stattfindet gibt es doch druckvoll-funktionale Technotools mit angedeuteten Signalen und zuweilen rauschenden Hallfahnen, die durchaus zur Primetime ihren Dienst tun. Musik für Puristen.  

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 12/2012

Montag, 15. März 2021

Theremynt - Space Control [Neopren Records]

„Space Control“ – der Name der zweiten Theremynt-Veröffentlichung auf dem schweizer Label Neopren Records allein deutet die Richtung der musikalischen Reise schon an. ItaloDisco und schwebender SynthesizerPop der retrofuturistischen Sorte synth hier Programm, das Equipment analog und spätestens beim „Mary & Johnny“-Cover ist der Zeitsprung in die 80er vollends vollzogen. Das klingt natürlich alles nicht neu, ist auch schon mehr als einmal dagewesen, macht aber trotzdem immer wieder Spass und verursacht ein warmes, nostalgisches Ziehen in der Brust, selbst wenn mensch auf eine Veröffentlichung wie diese nicht unbedingt gewartet hat. Retro galore und mit „Orbital Journey“ ist sogar ein kleiner potentieller AcidTrance-Hit mit im Gepäck. Nice.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 7. März 2021

Quantec - 1000 Vacuum Tubes [Elux]

Sven Schienhammer a.k.a Quantec, Liebhabern in Sachen DubTechno und artverwandten Spielarten elektronischer Musik unter diesem Pseudonym schon lang kein Unbekannter mehr, nun also in 2012 mit einem neuen Album auf Elux und es ist fast nicht zu glauben, dass sein letzes Werk in diesem Format schon wieder drei Jahre zurückliegen soll; zu präsent klingen die letzten Werke noch in den Ohren des Rezensenten nach – mit positivem Grundtenor. An diesem ändert sich auch nach dem Genuss der „1000 Vacuum Tubes“ nichts, denn auch hier liefert Schienhammer wieder elf DubTechno-Variationen in gewohnt hoher Qualität. Bis auf das gebrochene „Ayahuasca“ weitgehend auf der Basis mal mehr, mal weniger treibender 4-2-The-Floor-Konstrukte aufgebaut, geht es auf diesem viel und immer wieder gern beackerten Gebiet natürlich seit Jahren nur noch um leicht veränderte Nuancen und die Perfektion der technischen Ausführung, aber genau diese minimalen Pointierungen schüttelt Quantec derart leicht und unbeschwert aus dem Handgelenk, dass es immer wieder eine Freude ist, ihm dabei über einen längeren Zeitraum zuzuhören. Gern auch mit der Hand am Repeat-Knopf, denn das hier ist DubTechno in zeitloser Reinkultur.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 28. Februar 2021

Kristian Heikkila - Kombinations [EPM]

Techno. Album. Digitalformat. Schwierige Kombination, da viele Künstler dieser Tage immer wieder beklagen, dass die Digitalisierung des Musikkonsums das Albumformat aufgrund der Fokussierung auf einzelne Tracks als konzeptionell redundant und altbacken erscheinen lässt. Dieser Aussage ist der Wahrheitsgehalt wohl nicht abzusprechen und trotzdem lässt sich der Schwede Kristian Heikkila, zu 50% Teil des auch auf AFU Lab veröffentlichenden Duos Kristian & Christian, mit seinem Debutalbum auf dieses Experiment ein, liefert dabei grundsoliden Techno / TechHouse der treibenden Sorte, bezieht sich auf Deepness und Minimalismus ohne diesen allzu offensichtlich zum Konzept zu erheben, verzichtet auf überflüssige Staffage und gibt den Verfechtern der sogenannten New Wave Of Techno insgesamt 12 Tracks für die späte Primetime an die Hand, die im richtigen Moment eingesetzt wohl mehr als nur ein paar Ärsche auf dem Tanzflur bewegen. Vinyl bitte nachschieben. Oder zumindest eine Auskopplung mit dem Track „Kult“, der wohl das grösste 12“-Potential des Albums hat.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 21. Februar 2021

Opus Leopard - Walküre [Up To The Sky]

Durchgefallen. Unabhängig davon ob das jetzt Konzeptkunst, Novelty oder im allerschlimmsten Fall sogar Ernst gemeint ist, denn das Sprechsingen von Schickeriatexten mit Wiener Schmäh überlassen wir dann doch lieber dem längst verstorbenen Original. Schlechte Falco-Kopien braucht die Welt nicht im Ansatz und Zeilen wie „Du hast zwar schöne Schuhe, doch ein Herz das hast Du keins.“ auch nicht. Gäbe es hier Negativpunkte wäre das mindestens eine -8 auf der nach unten offenen Facepalm-Skala. Voll verdiente

0/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Samstag, 13. Februar 2021

Marie Madeleine - Ural Baikal Amour [Ekleroshock 038]

Coverartwork: Junge Frau mit abgeschnittenem Gesicht auf einem Bootssteg, bekleidet nur mit weissem, fast durchsichtigen Spitzenbody. URL der Band endet mit .xxx . Ein Schelm, wer da nicht Lunte riecht und tatsächlich deutet sogar der Waschzettel eine erotische Reise in der Transsibirischen Eisenbahn als Thema an. Und ein gewisser Sex-Drive ist Marie Madeleine mit ihrem hormonell aufgeheizten ElectroClash- / Wave-Crossover tatsächlich nicht abzusprechen, der auch im Goth- und Indie-Kontext durchaus Freunde finden dürfte. Auf der Remix-Seite machen die The Rapture-Buddies Populette und Rubinskee die Dinge unter sich aus während Les Petits Freres De l’Ocean Indien - bitte französische Tüddelchen an der richtigen Stelle einsetzen, danke – den Song „Winter Skies“ gleich komplett neu einspielen, dabei auf fragile female Vocals und ein ebenso zerbrechliches Skelett aus analogen Synthesizern und leicht electroiden Beats setzen, die dem Song ein komplett neues Gesicht verpassen. Kann mensch so machen.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 7. Februar 2021

Elef - Nuff Said [Carry On 004]

Auch wenn sich die Frage stellt, warum ein Label Promo-CDs in diesen Tagen mit .wav- anstatt mit .aiff –files verschickt, liefert Elef hier streng genommen solide House-Kost für die kleinen intimen Clubs dieser Welt ohne in diesen grosse Aufregung zu verbreiten. „Black Hole“ im Original ist weichgezeichnet für die ganz frühen Morgenstunden, auch wenn die gedoppelte Clap tendenziell ein wenig nervt. Dafür liefert Gerd im Remix dann ein sexy forderndes Brett mit Chicago-Bezug und zitiert in der Machart die Klassiker des Genres, speziell die der späten 80er Jahre, während der Titeltrack ebenfalls housey und durch den ganz speziellen Nebelfilter daherkommt, der Elef-Produktionen dieser Tage ausmacht. Ausserdem als Remixer dabei: die britischen Zoo Look, ebenfalls leicht vernebelt und mit einer Prise Chicago in ihrem DeepHouse-Ansatz. Gute


6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 31. Januar 2021

Various Artists - Muchas FATcias Part 1 & 2 [Freude Am Tanzen]

Mit vollem Elan startet die Freude Am Tanzen-Posse in den Sommer und schickt ihre zweiteilige „Muchas FATcias“-Serie in das Rennen um die beste Bikinifigur. Mitmodeln dürfen unter anderem das Krause Duo, Juno 6, Douglas Creed und Feindrehstar und beackern ein musikalisches Feld zwischen stoischem MinimalTechno im ursprünglich kölschen Wortsinn, croonendem Piano-Zeitlupen-Downbeat mit fast schon übertriebener Sleazyness und vertripptem Jazzfaktor, der auch der legendären „Showroom Recordings Series“ auf Cheap gut zu Gesicht gestanden hätte, liefern aber auch dezent, unaufgeregt pumpenden House, einen überraschenden Ausflug der Monkey Maffia in Richtung UK Funky und den ein oder anderen Filler auf zugegeben hohem Niveau. Nicht zwingend essentiell, aber doch eine gute Ergänzung fürs heimische Plattenregal.
7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012

Sonntag, 24. Januar 2021

Blacks On Blondes - How To Escape From A New Age World [Rotraum Music]


Soso, Blacks On Blondes. Was im ersten Moment nach einem nicht sonderlich kreativen Pornofilmtitel klingt entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als das Pseudonym eines Herrn namens Yannick De Ka Moulage, der hier ein durchaus solides aber leider auch langweiliges 124BPM Housealbum vorlegt. Durchlaufend wie ein DJ-Mix präsentiert hört mensch den sechzehn Tracks ihre Entstehung in einem ibizenkischen Studio durchaus an, stellt aber ebenso schnell fest, dass diese – wie tausende andere Tunes auch – eben auf genau diesen balearischen Markt zugeschnitten sind und als quasi austauschbare Massenware ausserhalb von Beachclubs und Terrassenparties sehr schnell ihre Berechtigung verlieren, weil das so in der Form nach der 100sten Ibiza-Compilation eigentlich schon seit vielen Jahren niemand mehr so richtig braucht. House Muzak, ohne Schreibfehler.


5/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012

Sonntag, 17. Januar 2021

A Thousand Vows - I RMX U [Samplefreunde 018]

A Thousand Vows kommt aus Oldenburg. Auch wenn niemand so recht weiss, wo das eigentlich ist. Von diesem nebulösen Ort aus kontaktiert er Bands und Projekte weltweit, um deren Musik in sein ureigenes Soundgerüst zu betten, das irgendwo zwischen Backpacker-Beatscience a la Anticon., verträumter Indietronica und dem weitgefasst-schwammigen WitchHouse-Universum verortet ist und so trifft es sich auch nicht schlecht, dass sich unter den so neu Bearbeiteten neben eher unbekannten Acts wie Kirrin Island, Monster Rally oder Billion One auch der Anticon.-Rapper Sole befindet. File under: Frühherbstliche Befindlichkeitsmusik für Fans von Burial, Nicolas Jaar oder John Talabot. Oder für Dates mit introvertierten Indiemädchen.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012

Sonntag, 10. Januar 2021

Amon Tobin - Amon Tobin Boxset [Ninja Tune]

15 Jahre Amon Tobin. 15 Jahre elektronische Musik auf höchstem Niveau, Kollaborationen mit Philip Glass und Ryuichi Sakamoto, Arbeiten auf dem Sektor der Film- und Videospielmusik und nun für Ninja Tune Anlass für die wohl ambitionierteste Retrospektive der Labelgeschichte – ein limitiertes, massiv-mechanisches Boxset mit sechs 10“es, sieben CDs und zwei DVDs, vollgepackt mit weitgehend unveröffentlichter Musik aus der Feder von Amon Tobin. Ein wahres Fest für Fans und Sammler, dem die vorliegende Promo-CD mit insgesamt 14 Tracks aus dem Gesamtpaket aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal im Ansatz gerecht werden kann, trotzdem jedoch die ganze Grossartigkeit des Projektes zwischen TripHop und Drill’n’Bass zumindest erahnen lässt. Anspieltips: „Lost And Found (Colin Stetson’s The Thief Redux)“ / Ryuichi Sakamoto „Grief (Amon Tobin Remix)“ / „Bloodstone (Royal Albert Hall Live)“

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012

Freitag, 1. Januar 2021

Still Flyin' - On A Bedroom Wall [Staatsakt]

Pop. 80er. Auf dem Waschzettel Verweise in Richtung New Order, Tears For Fears, Ultravox. Grundsätzlich sind das schon mal die richtigen Stichworte und wenn Haima Marriott of Architecture In Helsinki-Fame als Produzent noch ein wenig Indie der harmloseren Sorte dazurührt heisst das Ergebnis „On A Bedroom Wall“, taugt für einen verliebten Sommer auf der Tanzfläche und unter Umständen auch für einen kleinen Ausflug ins gute Daytime-Radioprogramm („Spirits“), ist aber leider letztendlich doch zu wenig eigenständig für’s Langzeitgedächtnis, auch wenn die gesamte Platte so angenehm vertraut klingt wie die Stimme einer guten alten Freundin. Me likey.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012