Sonntag, 17. Mai 2020

THERE’s MORE TO LIFE THAN...


...Platzmangel. Denn im Sinne der alten HipHop-Weisheit „Too many MCs, not enough mics“ heisst es in diesem Monat „Too many records, not enough space...“ um wirklich jeder Veröffentlichung gerecht zu werden.

Angefangen mit den Peaking Lights, die dieser Tage aufgrund ihres neuen Albums „Lucifer“ in allen Magazinen hoch gehandelt werden, aber auch mit ihrer 2011er Veröffentlichung „936“ immer noch so steil gehen, dass dieses Album mittlerweile mehrfach wiederveröffentlicht wurde und mittlerweile in sieben – sic! – verschiedenen Varianten via Not Not Fun Records und Weird World erhältlich ist. Psychedelisch verschwebt zwischen Campfire Folk, PostRock, Hippietum und Dub, versehen mit einer Portion Grundrauschen und Lo-Fi-Attitude für mich eine der Entdeckungen der letzten Wochen.

Dub-orientiert geht es weiter mit „Release The Hounds“, dem frisch veröffentlichten Album des Produzenten Da Grynch auf Necessary Mayhem, das die Möglichkeiten des digital erzeugten Roots Dub voll auslotet und vor allem mit „Our Dub“, „Can’t Take No More (Phaser Dub)“ und „Ravers“ grossartige Riddims erschafft, die in mir die Sehnsucht nach einem echten Dub-Clash in meiner Heimatstadt wieder aufleben lassen. Dub für die Welt!

Schon ein paar Wochen auf dem Markt, aber immer noch spannend für alle Chicago-, Dance Mania- und Footwork-Liebhaber ist das zweite Release des Labels Blank Mind, das zwei längst verschollen geglaubte Tracks des Produzenten DJ Clent wieder verfügbar macht. Gerade der Track „3rd World“ – 1998 auf der „100% Ghetto E.P.“ erschienen - greift dem Footwork-Movement um mehr als 10 Jahre vor und bietet eine gute Möglichkeit, den besten und wichtigsten Track des auf Discogs für 40+ Euro gehandelten Dance Mania-Originals in die Sammlung zu stellen.

Eine weitere Reisegelegenheit in wunderbar retro-futuristische Gefilde findet sich mit der jüngst auf Viewlexx erschienen „Replicant E.P.“ von Kid Machine, auf der sich insgesamt sechs vorlagentreue Replikationen des originären ItaloDisco-Sounds finden, für den sich der Schreiber dieser Zeilen fast immer begeistern kann. Und ja, es geht um Kitsch der allerersten Güteklasse während sich das ebenfalls dem klassischen Electro verschriebene Label Robotmachine Records mit der „Invasion From Mars“ des Dynamik Bass System vier Varianten reinrassigsten Breakdance- / Electro Bass-Sound auf schneeweissem Vinyl liefert und damit nicht nur den Oldskoolern unter uns eine echte Freude macht. Ganz gross und immer wieder gut.

Ausserdem neu und frisch ist der zweite Teil der Stiff Little Spinners-Serie auf Audiolith, die mit diesem 6-Track-Vinyl entgegen ihres ElectroPunk-Rufes erneut die Tiefen von Deep- und SlowHouse sowie (Neo)Cosmic erkunden und auch vor humorvollem Ska-/Polka-Minimal nicht haltmachen. Unter anderem involviert: Krink, Kalipo, Torsun Teichgräber und andere. Limitiert auf 300 Kopien und am zu beziehen über den labeleigenen Mailorder. Get!


Gastkolumne für Fazemag, Ausgabe 09/2012

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