Mit seinem Track „Detox“ wandelt
Tony Montana stilsicher und pumpend auf ClubTechno-Pfaden und
schraubt sich mit verhallten Stabs, vereinzelten Sirenen und
zurückgenommenen Snarerolls tief in Hirn und Körper der Crowd, die
es ihm glücklich tanzend dankt. Remixes kommen von Monocraft, der
funktionalen Techno und räumlich drückende Bassdrums serviert,
sowie den auf der selben Welle reitenden A-Brothers, während Mark
Morris auf B2 schließlich dem Diktat der geraden Bassdrum zumindest
partiell entflieht und mit seiner Remixvariation nahezu
apokalyptische Stürme heraufbeschwört.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 29. Januar 2022
Samstag, 22. Januar 2022
Unbalance - Unbalance #5 [Unbalance 05 Promo]
Track eins, A-Seite: Techno. Kalt,
schabend, nervenzehrend. Ergänzt um metallische Tribal-Drums mit
extrem hypnotischer Wirkung. Track eins, B-Seite: Industriell
angehauchter BrokenTechno, schabend, trocken, der Klang der
Maschinen. Oder Monolake mit extrem schlechter Laune. Track zwei,
B-Seite: BrokenTechno mit Schnittmenge zu deeper Electronica und
Unterwasser-Dubstep. Besonderes Merkmal: durch den Stereoraum
wandernde MicroVox-Snippets, die dem Tune eine ganze besondere Art
von psychotischem Phonk verleihen und die gefühlte Nähe zu UK Bass
Music noch potenzieren obwohl Alexander Matlahov a.k.a. Unbalance
aus Russland kommt. Topwertung für B2, für den Rest gibt es
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 15. Januar 2022
Yan Cook - Remixed [Brood Audio 003 Testpress]
Eine weitere Veröffentlichung, die
sich der immer massiver aufschaukelnde Welle von dunkel dräuendem
MonoTechno verschreibt und mit Xhin als Remixer für den Track
„Pressor“ direkt als Opener der A-Seite einen Meister ebenjenes
Faches ins Boot holt. Mit dabei sind ausserdem Measure Divide,
Subjected und Tom Laws, der mit seinem rollend phonky BrokenTechno
das Schema der geraden 4/4-Bassdrum aufbricht und damit den besten
Remix dieser 12“, aber final auch keine ganz neuen Erkenntnisse
liefert. Grundsolider Stoff, auch wenn musikalisch nicht ganz
eindeutig klar wird, dass wirklich vier verschiedene Tracks einer
Remixkur unterzogen wurden, denn dazu sind die Ergebnisse zu ähnlich.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 8. Januar 2022
Monoloc - First Drift EP [CLR 061 Promo]
Auch wenn die Matrix-Nummer etwas
anderes behauptet und noch ein wenig weiter in die Zukunft greift
handelt es sich bei dieser Veröffentlichung doch um die
Katalognummer 061 des CLR-Labels, das mit diesem Whitelabel wie
erwartet liefert. Dunkler, monotoner Techno der langsameren Gangart,
der sich unaufgeregt und doch kontinuierlich über die bewusst
gestreckte Laufzeit auch in die allerletzten Hirnwindungen fräst und
auf der B-Seite sogar leichte ElectroClash-/Wave-Bezüge in den
Vocals erkennen lässt und mit einer melodischen gewobenen
Bassstruktur punktet. Solide.
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 1. Januar 2022
Sebastian Cohen & Pablo Denegri - Unamed Yet1 / Lake Lake [Varianz Records]
Auf schickem roten Vinyl schrauben
sich Sebastian Cohen & Pablo Denegri mit dem A-seitigen „Unamed
Yet1“ in leicht acidifizierte Technohöhen und ergänzen diese mit
Deepness und Raum suggerierenden verhallten Chords, die auf eine
lange Schulung in klassischen Technogewässern schließen lassen und
deren Funktionalität bis zur Ekstase an dieser Stelle nicht in
Abrede gestellt werden soll, während Sebastian Cohen’s
Soloexkursion in flächige Tribal meets Trance meets
TechHouse-Gefilde von Allem zu viel auf einmal sein möchte und trotz
guter Ansätze leider zu schnell in Richtung Kitschgrenze entgleitet.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 25. Dezember 2021
[Fathers & Sons Productions 002]
Drei tendenziell mysteriöse Tracks
unbekannter Herkunft versammeln sich auf dieser 12“ und gehen mir
als Liebhaber reduzierter, aber doch zwingend pumpender House Music
der klassischen Schule unmittelbar in Herz und Beine, auch wenn hier
natürlich weder House noch das Rad neu erfunden wird. Trotzdem –
ein bisschen Nostalgie und Retroflair ist immer fein. Back to the 90s
und limitiert auf 300 Stück.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 18. Dezember 2021
Dominik Musiolik - Mellow [Audiothentica 002 Testpress]
TechHouse. Subbass. Open Air-Gefühl.
Dazu ein unbestimmtes Wabern durch die Zeit, die Andeutung von Wärme,
Melodie und die tanzende Masse ist glücklich. Auf A2 dann ein wenig
mehr Druck und verspulte Techno-Affinität, die vor allem in zur
Peaktime die Körper bewegt, aber warum das Whitelabel nun auf A- und
B-Seite die gleichen Tracks enthält muss ich an dieser Stelle auch
nicht zwingend verstehen.
5/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
5/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Freitag, 10. Dezember 2021
Various Artists - V.A. 2 [Subotnik 008]
Vier-Track-EP mit Werken der mir
bisher, weil vorwiegend nur digital in Erscheinung getretenen, völlig
unbekannten Künstler Paride Saraceni, Tamer Akul, Yuuki Hori und
Secrets Art, die hier allerdings qualitativ hochwertig liefern und
wieder einmal den Beweis antreten, das Namen zuweilen doch nur Schall
und Rauch sind. Klassischer House, schwebend-melodischer TechHouse,
ein wenig Jack, ein wenig Minimal und schon wird das ganze zu einem
stimmigen Gesamtpaket mit
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Freitag, 3. Dezember 2021
Blacks On Blondes - Black Ratio EP [Rotraum Music]
Nachdem die Blacks On Blondes erst
kürzlich ihren zweiten Longplayer veröffentlicht haben, legen sie
nun mit einer 12“ nach und überraschen mit dieser nicht
sonderlich. Auch hier geht es – verteilt auf drei Tracks – mit
Vorliebe um House mit sommerlicher und de facto auch balearischer
Prägung, der sich solide präsentiert, sich aber letztendlich für
meinen Geschmack zu sehr in bemüht guter Laune, Daddeligkeit und vor
allem Austauschbarkeit verliert. Für schicke Clubs mit schicken
Menschen – oder jenen, die sich dafür halten.
4/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
4/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012
Samstag, 27. November 2021
Kid606 - Lost In The Game [Tigerbeat6]
„Lost In The Game“ – der
allererste Gedanke bei diesem Titel gilt natürlich Tali’s
VocalDubstep-Überhymne gleichen Namens, die jedoch auf diesem Album
selbstredend nicht zu finden ist. Trotzdem gibt es zumindest eine
Gemeinsamkeit zwischen ihrem Hit und Miguel De Pedros mittlerweile
sechzehntem Longplayer laut Discogs-Zählung: die Melodie, gern auch
in der Mehrzahl. In seinen bisherigen Veröffentlichungen oft nur
fragmenthaft vertreten, um kurz darauf in gern gewalttätigem Exzess
wieder aufs brutalstmögliche digital fragmentiert zu werden, steht
das melodische, fast intim shoegazende Moment hier im Vordergrund,
verwaschene Synthieflächen treffen auf zurückgenommene und
Experimental HipHop-affine Beats, wie sie sonst nur im Umfeld von
Labels wie Anticon zu finden sind und strahlen eine ungewöhnliche
Zärtlichkeit aus, die im Regelfall nicht zu Kid606’s dominanten
Eigenschaften gehörte. Bis jetzt. Für DieHard-Fans ein krasser
Bruch, für alle anderen eine Überraschung. Nicht die schlechteste,
wie ich finde und wenn das so weitergeht, dürften auch Labels wie
Morr Music zukünftig die Fühler nach Herrn De Pedro ausstrecken.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 20. November 2021
AB Syndrom - Alles Deins [Herr Direktor]
Unhörbar. Deutscher HipHop über
zerhackt schlaumeiernden Electronica- und Pseudo-NuJazz-Beats, nicht
vorhandene Flows, die wie bei ersten Freestyle-Versuchen holpern,
mitten im Satz und / oder unvermittelt abreissen und überhaupt in
dieser Form gar nicht zu ertragen sind. Wertung gilt ehrlicherweise
für die ersten zweieinhalb Songs, danach habe ich abgeschaltet.
Üben!
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 13. November 2021
The Orb featuring Lee Scratch Perry - The Orbserver In The Star House [Cooking Vinyl]
Ein Treffen der Titanen. The Orb mit
Alex Paterson und Thomas Fehlmann in den Hauptrollen schon in den
frühen 90ern mit „Little Fluffy Clouds“ verantwortlich für
einen der ganz großen Hits der aufkeimenden Technoszene, während
der mittlerweile 76-jährige Lee Scratch Perry schon 1959 seine erste
Platte aufnahm und maßgeblich an der Entwicklung von Reggae und Dub
beteiligt war, der natürlich auch bei diesem Album die Hauptrolle
spielt. Doch während sich die ersten beiden Titel noch sehr an
RootsReggae orientieren nimmt „The Orbserver...“ merklich an
Fahrt auf und spätesten mit dem psychedelisch-ambienten „Golden
Clouds“ wird der elektronische Einfluss mehr als deutlich und zu
Offbeats und Vocals gesellen sich immer wieder klar strukturierte
Loops und gerade Beats, die sich auch in der hellen Festivalsonne im
Rahmen tageslichtfreundlicher DJ-Sets zweifelsfrei be- und zertanzen
lassen. Und doch: es bleibt ein Reggae-Album, auch wenn es sich hier
um Variante 2.0 oder 3.0 handelt. Sehr gelungen.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 6. November 2021
Young Smoke - Space Zone [Planet Mu]
Neben vielem anderen ist Mike
Paradinas’ Planet Mu zur Zeit wohl auch das wichtigste und
vielleicht einzige Footwork-/Juke-Label in Europa und legt nun mit
einem weiteren Album nach. Diesmal ist es der 18-jährige Young
Smoke, der den freshesten Sound seiner Heimatstadt Chicago in voller
Länge repräsentieren darf und schon nach wenigen Tracks wird klar,
dass seine Footwork-Variante einen neuen Ansatz verfolgt. Statt sehr
frei und abstrakt assozierter Beats und Soundschichtungen spielt hier
die Halftime-Snare eine tragende Rolle. Ruhe statt Hektik, dazu
Science Fiction-orientierte Synthesizer-Pads, aus Computerspielen
entlehnte Bleeps und futuristische Sounds, die auch im
Unterwasserkosmos des Drexciya’schen Detroit Electro von
entscheidender Bedeutung waren. Young Smoke jetzt schon auf eine
Stufe mit diesem legendären Projekt zu stellen, wäre wahrlich
verfrüht, aber mit seinem konzeptuellen Ansatz und der stringenten
Soundästhetik auf „Space Zone“ hat er das Zeug dazu, im
hermetisch geschlossenen Footwork-Kosmos in Zukunft eine ähnliche
Sonderrolle einzunehmen, die einen Ausflug in John B.-artige
Electro’n’Bass-Gefilde wie bei „Korrupted Star“ ebenso
rechtfertigt wie die schmierigen Schmusefunk Vocals in „Believe In
Me“.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 30. Oktober 2021
DFRNT - Fading [Echodub]
Alex Cowles a.k.a. DFRNT nun also mit
seinem dritten Album, das gleichzeitig das erste auf seinem eigenen
Echodub-Label ist. Von vielen als im Dubstep-Dunstkreis agierender
Produzent wahrgenommen geht er jedoch mit „Fading“ weit über
diese Zuordnung hinaus, verbindet fließenden AmbientDub mit
DubTechno und stellt durch seine weiche Grundästhetik und den
wiederholten Einsatz von zum Teil auch poppigen Vocalsamples auch
Bezüge zu Balearic House her, dem typischen Sound ibizenkischer
Terrassen und vieler Beachclubs weltweit, während der Dubstep- /
Bassmusik-Underground mit all seinen Facetten in diesem Rahmen nur
noch als weit entfernte Referenz eine Rolle spielt, was der gebotenen
Qualität allerdings keinen Abbruch tut.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 23. Oktober 2021
Java Guidi - Stop Dying [World On Wire]
„Stop Dying“ – allein der Titel.
Kann ja was werden, spätnachts und vielleicht acht Stunden vom
Abgabeschluss entfernt. „Stop Dying“ - was ist denn mit der los?
Draussen ist Krieg, der Euro geht den Bach runter und in London
mehren sich in dieser Nacht die Gerüchte über die Stürmung der
ecuadorianischen Botschaft, in der Julien Assange Asyl gewährt wird.
Und dann? Kommt Java Guidi und schlägt mir mit ihrem arschrockend
reduzierten Electroclash- / SynthPop- und auch Indie-Crossover erst
einmal direkt in die Fresse. Huch? Danach erobert sie mit dem zweiten
Track ihres Debutalbums – „Recipe“ – mein musikalisches Herz
im Sturm, auch weil in ihrer Musik Sexappeal der richtig dreckigen
Sorte mitschwingt. Trüge ich nicht aus gutem Grund das Geburtsdatum
der Frau meines Lebens auf dem Handgelenk würde ich Java Guidi
allein aufgrund ihres Albums zumindest daten wollen. Heißer als Kap
Bambino und doch in musikalisch ähnlichen Gefilden unterwegs, was
besonders in der quasi-industriellen Hymne „Sick & Tired Of
Love“ deutlich wird, während die soften Momente wie „Chains“
fast Dillon’esque Züge tragen. RAWR!
10/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
10/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 16. Oktober 2021
Deadbeat - Eight [BLKRTZ 005]
DubTechno? Dubstep? Electronica? Oder
doch irgendwo verortet in der Schnittmenge aus allen Dreien? Mit
seinem achten Studioalbum, dem zweiten auf seinem eigenen
BLKRTZ-Label, sitzt Scott Monteith a.k.a. Deadbeat wie gewohnt
zwischen allen Stühlen und feilt geflissentlich an seiner
persönlichen Verortung von Bass und Echo. Natürlich sitzt der
Nachhall von Basic Channel hier mit im Boot, doch anstatt sich in
bloßer Reproduktion vorhandener Strukturen zu ergehen, bricht
Deadbeat diese auf, ebenso wie die Beats, holt in melancholischen
Momenten – „Lazy Jane“ – sogar Sehnsucht, Pop und Vocals
hervor und integriert sie auf wunderbare Weise in sein
Klanguniversum das einem James Blake schwindelig werden könnte.
Aber der Focus bleibt Dub und die Fortschreibung der
skelettiert-digitalen Dancehall - hochelektronisch, fokussiert,
allgemeingültig zeitlos und sogar mit ein paar heimlichen Clubhits
im Gepäck. Gut, das.
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 9. Oktober 2021
Conrad Schnitzler - Zug: Reshaped And Remodeled [m = minimal]
Conrad Schnitzler’s
Minimal-Schlüsselwerk „Zug“ im Remixwolf von Ricardo Villalobos
und Max Loderbauer, die beide zu den zahlreichen erklärten
Schnitzler-Fans dieser Welt gehören. Während der fast 20-minütige
„Aktion Mix“ direkt auf die 4/4-getragenenen Dancefloors zielt
und mit nur minimalsten Verschiebungen eine Spannung über die volle
Laufzeit aufrecht erhält, die die Zeitwahrnehmung der Hörers
komplett verzerrt und komprimiert – „Was, das läuft schon 16
Minuten ?“ -, erzielt ihr „Sorgenkind Mix“ unter Verzicht auf
gerade Bassdrums einen ähnlichen Effekt und setzt statt dessen auf
trockene Abstraktion und im Stereobild verteilte Sounds, die
den aufmerksamen Hörer binnen Minuten in ihren Bann ziehen.
Zusätzliche Remixe kommen von Borngräber & Strüver, die sich
dem Thema ebenfalls von der Electronica-Seite aus nähern, und Pole,
dem mit seiner dräuend-stampfenden 4-2-The-Floor-Variation ein
echter Überraschungscoup gelingt.
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Samstag, 2. Oktober 2021
o F F Love - My Love For You... Probably Love [M = Maximal]
Im Jahre 2012 noch immer mit Begriffen
wie WitchHouse und ChillWave für jegliche Art verschwommen und
klagend klingender, partiell elektronisch erzeugte Musik zu
hantieren, sich un-googlebare Schreibweisen für Projektnamen
auszudenken, ebensolche Projekte wie oOoOO (wie spricht mensch DIE
eigentlich aus ???) zu remixen und zusätzlich noch eine nahezu
unsägliche musikalische Wasch- und Jammerlappigkeit gepaart mit
falsch verstandenem Autotune-Gebrauch an den Tag zu legen, dass es dem
Rezensenten binnen Minuten die Fußnägel hochklappt, zeugt von
tragischer Konsequenz oder ziemlichem Irrsinn. Da helfen leider auch
die eigentlich schönen Trance-Arpeggios im oOoOO-Remix von „Close
To U“, das Bemühen von Future-R’n’B als urbane Verortung und
das absurd pseudoterroristische Coverartwork nicht viel, denn im
Grunde genommen klingt diese Platte so wie sich ein Cocktail aus
Opium, Krokodil und höllisch viel Zuckerwatte am Tag danach anfühlen
muss. Extra Minuspunkte gibt es übrigens für die furchtbaren
Panflöten in Track sieben und langsam frage ich mich, ob sich ein
Drogencocktail-Selbstversuch mit anschließender Nahtoderfahrung zum
besseren Verständnis dieses Albums hilfreich erweisen könnte. Ich
will das nicht.
1/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
1/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Freitag, 24. September 2021
Nicholas Desamory - Like You [m = minimal]
Ein scheinbares Konzeptalbum zum Thema
kontemporäre House Music, das mit sprödem DeepHouse viel
versprechend anfängt, im weiteren Verlauf allerdings am Einsatz
immer gleicher, getragener Streicher sowie einer jammenden
Verspieltheit scheitert, die im Live-Kontext Spannung erzeugt, auf
Tonträger jedoch einfach zu daddelig wirkt und auf Dauer
schlussendlich sogar nervt. Schade drum.
4/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
4/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
Sonntag, 19. September 2021
The Von Duesz - Garant [M = Maximal]
Tanzkraut also. Aha. Ein neuer
Genrebegriff, der hier via Waschzettel die Runde macht, um den
Jamsession-artigen Ansatz von Krautrock auf elektronische Tanzmusik
zu übertragen. Tatsächlich klingen die Stücke auf „Garant“
oftmals roh und unbearbeitet, mäandern sich in jazzigem Freispiel
durch die Zeit, ohne den Dancefloor aus den Augen zu verlieren oder
schweben getragen von episch-analogen Synthieflächen im La
Düsseldorf’schen Sinne über live eingespielte Drums, deren
menschliches Moment zwar deutlich hörbar ist, aber dadurch den
Bewegungsapparat nicht weniger zwingend ansprechen, der leichte
Unsauberkeiten im Timing charmant und mühelos auszugleichen weiß.
Ein weiteres Projekt in der weit gefassten Schnittmenge zwischen
Henrik Schwarz, Wareika, dem Moritz Von Oswald Trio und Francesco
Tristano, immer wandelnd auf dem schmalen Grat zwischen Club und
sogenannter Hochkultur und doch stets im Stande, beide Lager
problemlos für sich einzunehmen. Lohnt.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 09/2012
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