Donnerstag, 11. August 2022

P.O.S. - We Don’t Even Live Here [Rhymesayers Entertainment]

HipHopElectroRock. Genau in dieser Schreibweise steht es auf dem Waschzettel. „Wir wollen alles auf einmal sein“ wäre wohl eine treffendere Formulierung gewesen und so klingt P.O.S. wie eine unausgegorene Mischung aus BigBeat in den letzten Zügen, Eminem-Klonen, ein bischen Hoffnung auf Radioeinsatz und Anerkennung in der Popwelt und der Resterampe der kurzfristig erfolgreichen Crossover-Szene. Wer das jetzt wie oder warum braucht, lasse ich mal für alle diejenigen dahingestellt, die gut von gut gemeint unterscheiden können. Nach ein paar Drinks besoffen zu „They Can’t Come“ auf einem Konzert rumhüpfen erscheint mir allerdings eine halbwegs sinnvolle Beschäftigung. Deshalb dann doch noch

4/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 4. August 2022

DJ Scientist - For Better For Worse [Equinox Records]

Ein überaus deepes und vor allem erstaunliches Debutalbum, das DJ Scientist hier auf Equinox vorlegt, entstanden doch die meisten Tracks in ihren Erstfassungen in den Jahren 2001 bis 2006 und wurden dann aus diversen Gründen erst mit 6 Jahren Abstand erneut überarbeitet. Musikalisch jedoch greift DJ Scientist noch viel weiter und bis in die 90er zurück und liefert mit „For Better For Worse“ ein vorwiegend Sample-basiertes TripHop / Instrumental HipHop-Album, das sich selbst vor absoluten Klassikern wie DJ Shadow’s „Entroducing“ nicht zwingend verstecken muss. Beat- und Samplezauberei in Reinkultur und mit dem Track „Autumn Leaves“ huldigt er dem Blues im TripHop ebenso ergreifend wie einst DJ Signify mit „Winters Going“ auf Lex Records. Nice one.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 28. Juli 2022

Two Fingers - Stunt Rhythms [Big Dada]

Nachdem ich persönlich die Two Fingers a.k.a. Amon Tobin und Joe Chapman nach ihrer 2009er Debutsingle „What You Know feat. Sway“ eigentlich ursprünglich als neue Grime-Hoffnung verbucht hatte, entwickelte sich das musikalische Schaffen der beiden Produzenten in andere Richtungen und ist jetzt mit dem dritten Album irgendwo zwischen hochkompromierten HipHop-Instrumentals, CutUp-EDM und einem brüllend lauten Echo von dem angelangt, was sich einst vor langer Zeit mal NuRave nannte. Sägezahnbässe, Glitches und stotternde Rhythmen en masse, dazu natürlich die ungezügelte Teilnahme am so genannten Loudness War und mit dem „Defender Rhythm“ lässt sich sogar noch eine weit entfernte Grime-Verortung ausmachen, auch wenn die Full On-Attitude mit einem Dauerfeuer von „sonic events per split second“ auf Dauer anstrengend werden kann. Love it or leave it, dazwischen geht bei diesem Album wohl wenig.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Freitag, 22. Juli 2022

Lucas Santtana - The God Who Devastates Also Cures [Mais Um Discos]

Melancholic Listening – gibt es das schon? Wenn nicht, ist der Begriff hiermit geclaimed und Lucas Santtana’s Album das Blueprint für dieses Genre. Organische HipHop- und BrokenBeats aller Art treffen auf klassische brasilianische Musik und die ihr innewohnende Melancholie und Sehnsucht, verschmelzen dabei vollends miteinander und bilden ein natürlich wirkendes, zuweilen Jazz-durchwirktes Konglomerat, anstatt zu einem artifiziellen Skelett zu erstarren und mit aufgesetztem Exotica-Bonus zu kokettieren. Dabei hilft natürlich Lucas Santtana’s brasilianische Herkunft und seine langjährige Erfahrung mit sogenannter Fusion-Musik, interpretierte er doch schon auf seinem 2000er Debut originäre Strassenmusik seines Landes neu und mischte diese mit europäischem ElectroPop. Und auch hier geht die Rechnung auf, denn „The God Who Devastates Also Cures“ ist nicht weniger als ein fast perfektes Album für spätherbstliche Regentage, selbst wenn mensch im Regelfall mit lateinamerikanischer Musik wenig anfangen kann.

9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Freitag, 15. Juli 2022

Anders Ilar - Elva [Shitkatapult Strike 139]

Mit seinem elften Künstleralbum und einem an diese Zahl angelehnten Produktionskonzept schliesst sich für Anders Ilar nach neun – nicht: elf - Jahren mit „Elva“ ein Kreis, veröffentlichte er doch schon sein Ambient-geprägtes Debut „Everdom“ seinerzeit auf Shitkatapult. Vom ambienten Ansatz jedoch ist hier nicht mehr übrig geblieben, selbst wenn das Album mit seinen elf Tracks und 1:11:11 Stunden Laufzeit durchaus im heimischen Ohrensessel funktioniert. Statt dessen bewegt sich der schwedische Produzent hier auf den Pfaden von klassischem Electro mit dunklen Einflüssen und Atmosphären, ganz im Sinne von Acts wie z.b. Dopplereffekt, Heinrich Mueller oder auch The Exaltics. Wer bei diesen Namen die Ohren spitzt ist mit diesem Album durchaus konsequent gut beraten, ebenso wie alle Anhänger Space Night’scher Electronica-Konstrukte, denen sich Anders Ilar im zweiten Teil des Albums verstärkt widmet.

6/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Freitag, 8. Juli 2022

Naytronix - Dirty Glow [Plug Research 130]

Mit einem seltsam verschwebten und melancholieschwangeren Titeltrack öffnet sich die Welt der Naytronix unter der Leitung von Nate Brenner, der mit diesem Projekt auf Plug Research irgendwo zwischen Shoegaze / Indie, mehrstimmigem Harmoniegesang, Filmmusik und verquerer Exotica mäandert und sich dabei nie so recht zwischen Track und Song entscheiden kann. Musik aus einer Zwischenwelt sozusagen, die es trotz vorwiegend angenehmer Klänge weder dem Konsum- noch dem Rezensenten wirklich leicht macht. Letzterer verbleibt mit fragendem Blick und vergibt leicht verwirrte

5/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 30. Juni 2022

Spleen United - School Of Euphoria [Tyler Nation]

Schon wieder Dänemark könnte mensch an dieser Stelle fast sagen. In ihrem Heimatland bereits im Januar diesen Jahres veröffentlicht, sind die Titel des Album „School Of Euphoria“ seit dem in Dauerrotation im dortigen Radio – kein Wunder, definieren Spleen United mit ihrem Album doch modernen Synth- / ElectroPop für die Jetztzeit und verneigen sich mit ihren üppigen Streicherarrangements vor den ganz großen Helden des Genres, lassen auf der anderen Seite jedoch auch Stile wie Acid, Chemical Beats oder zuweilen ElectroHouse in kleinen Dosen mit einfließen und dürften damit auch in Deutschland einen schnellen Zuwachs ihrer Fangemeinde verbuchen.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 23. Juni 2022

LCMDF - Mental Health [FAN Records]

Wenn eine Band neben Selbsthilfeliteratur auch TLC, Weezer und die Chemical Brothers als Inspirationsquellen angibt, klingt das in erster Linie erst einmal reichlich merkwürdig. Wenn dann als zusätzlicher Einfluss noch die späten 90er und frühen 00er Jahre dazukommen wird es zumindest aus musikalischer Sicht reichlich obszön. Trotzdem erschafft das finnisch-schwedische Duo LCMDF aus dieser kruden Mischung eine angenehm angerauhte Variante aktueller Popmusik, die trotz Radiotauglichkeit Kante zeigt und sich dadurch klar vom Casting- und EDMquatsch in den Charts abhebt. Wenn die beiden Damen mit einem Track ihrer aktuellen EP einen Hit landen, sei es ihnen vom Herzen gegönnt. Erfrischend.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 16. Juni 2022

Knobs / Splatter - Ritual EP [Kaputt Ltd 001]

Und auch hier gibt es Techno der dunkel reduzierten Spielart, wie sie dieser Tage unter anderem von Labels wie Sandwell District, Traversable Wormhole und natürlich ihrer zahlreichen Klone propagiert wird. Es herrscht reduzierte Spannung, Hall und Reverb werden großgeschrieben ohne wirklich DubTechno zu sein und die Remixe von Coe Ter One und Luis Flores liefern Variationen im Detail während D. Carbone sich einem Grenzgang zwischen HardTechno und heruntergepitchtem Hardcore widmet und damit dem Labelnamen durchaus gerecht wird. Veröffentlicht wird das Ganze übrigens auf weißem Vinyl, aber das nur als Randnotiz nebenbei.

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 9. Juni 2022

Secluded - Blinded [Enemy Records Ltd 008]

Amtliches Brett. Dieser Ausdruck scheint durchaus passend für die dunkel-monotone, technoide Ausrichtung dieser 12“, die neben den Originalen der Tracks „Blinded“ und „Impression“ mit Remixen von Sigha und Ray Kajioka aufwartet. Musikalisch geht es natürlich um Techno, der mit raumgreifenden Bassdrums seinen Einsatz in großen Lagerhallen fordert und dort zur späten Stunde den Kitt aus längst mürbe gewordenen Fensterfronten hämmert. Musik für industrielle Brachlandschaften.

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 2. Juni 2022

Aubrey - Dot 1 [Dot 001]

Während Allen Saei a.k.a Aubrey im mittlerweile einundzwanzigsten Jahr seiner Produzentenkarriere mit dieser Veröffentlichung weit in der Geschichte zurückgreift, sich in Reduktion übt und allein mit einer ständig modulierten, leicht verhallten und bestätig dem DetroitTechno als auch dem Gedanken von Acid verpflichteten Synthlinie die Spannung über die gesamte Laufzeit des Originaltracks aufrecht erhält, geht Paul Mac mit seinem Remix weniger subtil an die Sache heran und übt ordentlich Druck auf die ohnehin schon hart ravende Tanzfläche aus bis wirklich niemand mehr stillsteht. Der zweite Remix hingegen kommt von Miles Sagnia und fällt im direkten Vergleich aufgrund von unausgewogenen Soundverhältnissen, einem sehr seltsamen Mixdown und einer fast unangenehmen Nähe zu Psytrance und Goa aus dem Raster. Für Original und Paul Mac gibt’s

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 26. Mai 2022

Peja - No Feelings EP [Hidden Recordings 019]

Das in New York beheimatete Label Hidden Recordings feuert dieser Tage aus allen Rohren und beglückt auch mit dieser 12“ alle Liebhaber des druckvoll bollernden Technosunds, die großen ranzigen Industriehallen den definitiven Vorzug gegenüber kleinen hochgezüchteten Stylerclubs geben. Durchaus zu Recht, denn die Tracks auf dieser EP brauchen Räume - Platz, um sich vollends zu entfalten und der Bassgewalt der zuweilen bösartig brummenden Ravesignale Tribut zu zollen. Das kann man in dieser Form durchaus gut finden und vielen anderen Releases dieser Tage vorziehen. Sollte man vielleicht auch, selbst wenn es hier mehr um profane Funktionalität denn um wahre Innovation geht. Gute

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 19. Mai 2022

Zee & Eli - Release Yourself EP [ZiiZii Records]

Mit ihrer neuen 5-Track EP begeben sich Zee & Eli auf die Suche nach DeepHouse mit Glitz und Glamour und bemühen dabei zuweilen sogar schwer nach den frühen 90er Jahren klingende Diva-Vocals, Cowbells, Handclaps und weitere gängige Klischees, die mich persönlich schwer an Acos CoolKAs' 2006er Debüt „Intergalactic“ auf dem längst vergangenen Force Tracks-Label erinnern und – gäbe es das Label noch – dort auch heutzutage gut aufgehoben wären. Auf sehr sympathische Weise retroid und perfekt für kleine, rotplüschige, ausschliesslich von fähigen Residents beschallte Clubs, von denen es dieser Tage viel zu wenige gibt.  

7/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Freitag, 13. Mai 2022

Carlo Sanchez - Stability EP [Unike Muzik 003]

Discogs weist als Herkunftsland des Labels Unike Muzik Mexico aus, gepresst ist diese 12“ allerdings in Deutschland und wenn mensch dem Waschzettel glauben schenkt, kommt Carlos Sanchez aus Spanien und ist dort ein aufsteigender Stern am Produzentenhimmel. So weit erst einmal der grobe multinationale Kontext und auch musikalisch geht es mit internationalem Flair weiter, flirtet die reduzierte, aber stetig pumpende House Music auf dieser EP doch stetig mit den stilistischen Ergüssen von Produzenten wie DJ Fex oder David Duriez, behält aber auch frühe DiscoHouse-Variationen im Sinne eines DJ Sneak ebenso im Blickfeld wie die längst vergangene, unaufgeregte Coolness des Big Apple. Zeitloser Stoff für alle, die tiefgehenden House in seiner klassischen Ausprägung zu schätzen wissen.  

8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 5. Mai 2022

Johnny Fiasko - 100% Acid EP [Artistika 004]

Vielversprechender Titel, aber leider schwach umgesetzt. Obwohl ich im Normalfall zu den Leuten zähle, die auf Grund ihrer frühen Sozialisation mit AcidHouse eine quasi genetisch bedingte Schwäche für alles was fiepst und zwirbelt haben, fehlt mir hier doch ein wenig die Authentizität und vor allem die nötige Roughness um in wirkliche Begeisterung auszubrechen. Sowohl die blubbernden Acidlines als auch der Rest der Produktion wirken plastikhaft geklont und dann wie vorsätzlich in Zügel gelegt, wodurch natürlich der Charme des Ganzen etwas verloren geht. Schade auch, dass sowohl Rio Padice als auch Chris Carrier mit ihren Remixen auf der Flip weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben und ebenfalls nur Durchschnittsware liefern, obwohl vor allem letztgenannter bekanntlich auch anders kann.

4/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 28. April 2022

Arts And Lohr - Das Buffet Ist Eröffnet [Ostfunk Records 026]

Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich mich an ähnlicher Stelle über NDW (= Neue Deutsche Witzigkeit) im sogenannten TechHouse-Business ausgelassen habe und diese EP trifft mit hochoriginellen Titeln wie „Weniger Ist Meer“, „Orientalfahrt“ und „Ein Indianer Kennt Kein Bart“ – wenn schon, dann „keinen...“!!! – genau den von mir angesprochenen Punkt. Originalitätsbemühen um jeden Preis und wenn’s peinlich klingt, dann war man halt bei der Namensfindung im Studio besoffen. Sorry, aber mir vergeht da schon jetzt der Appetit auf’s Buffet und leider werde ich musikalisch diesmal nicht positiv überrascht. Der Hörtest liefert extrem durchschnittlichen TechHouse- / Minimalbrei mit pumpenden OpenAir-Qualitäten und allerlei mehr oder minder witzigen Sampeleien (u.a. Indianer- und Klezmerkram) – das taugt zwar für die illegale Feierei im Grünen rund um die Mecklenburger Seenplatte, weil da ohnehin die meisten bis obenhin druff und neben der Spur sind, fällt bei mir aber genau deswegen durch. Braucht irgendwie niemand, aber für die technisch anständige Produktion gibt’s trotzdem

2/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Freitag, 22. April 2022

Velve - Novelettes Of Love: The Remixes [Velve Music]

Auch wenn Velve mit ihrer laut Waschzettel samtigen Stimme wohl in diversen Navigationsgeräten auftaucht, hätte sie es vielleicht bei ihrer Sprechrolle belassen sollen. Nicht, weil sie nicht singen könnte, aber weil diese Art sehnsuchtsvoller Schmachtmusik mit Plastikattitüde auf elektronischer Basis eigentlich schon im letzten Drittel der 90er irgendwann mal durch war. Das gilt vor allem für den Alex B Smoove Remix von „Comin By“, der nun wirklich jedes abgehalfterte TripHop-/ Balearic-/ Lounge-Klischee bis zum Erbrechen bedient und auch die technisch ausgereiften Clubmixe von Ziggy Kinder und Matthias Schaffhäuser kommen gegen das melancholische Leiden in Velve’s Stimme nicht wirklich an. Ernsthaft überflüssig.


0/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 14. April 2022

The Deadstock 33s - Ritual EP [Solitary Cyclist]

Justin Robertson und sein The Deadstock 33s-Projekt auf einem vollkommen zu bejahenden Trip in Richtung KrautDisco und (Neo)Cosmic im Sinne von Projekten wie Padded Cell oder Emperor Machine. Roh, ungeschliffen und im allerbesten Sinne vollanalog wird hier den psychedelischen Sounds alter Echomaschinen ebenso gefrönt wie der unbändigen Rohheit und dem Wahn früher Acidtracks. Aber auch unser altvertrauter Freund Jack darf sich auf der „Ritual EP“ ungehemmt austoben und kriegt mich als altgedienten Veteranen natürlich direkt an den Eiern. Ganz grosses Release, das es hoffentlich auch als 12“ gibt. In diesem Falle verdienen sich The Deadstock 33s volle

10/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 11/2012

Donnerstag, 7. April 2022

Kreayshawn - Something Bout Kreay [Columbia]

Natassia Gail Zolot a.k.a. Kreayshawn gehört definitiv zu den Künstlern dieser Welt, die ohne soziale Netzwerke noch immer im heimischen Kämmerlein an Beats und Rhymes feilen würden, anstatt mit Plattenvertrag in der Tasche um den Globus zu jetten. Der jungen Amerikanerin widerfährt dieses Glück allerdings vollkommen zu Recht, rockt sie doch in der musikalischen Schnittmenge zwischen Shystie, Lady Sovereign - wo ist die eigentlich geblieben nach dem Intermezzo bei DefJam ? - , Mathangi Arulpragasam a.k.a. M.I.A. und der Partytauglichkeit früher Beastie Boys-Alben mit ihrem durchaus homogenen Debut jede Party zwischen HipHop, Grime, Freestyle und Booty Bass. Das funktioniert sehr überraschend auch über die lange Distanz, während andere ähnlich auf Party und Krawall gebürsteten Acts im Vergleich dazu oftmals spätestens nach der Hälfte ihrer Longplayer die Ideen ausgehen oder nerven. Kreayshawn nicht und das ist sehr gut so.



9/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012

Donnerstag, 31. März 2022

Satellite Stories - Phrases To Break The Ice [XYZ Berlin]

In Skandinavien muss irgendwas sein – Wasser, Elfen, Trollkraut, whatever... . Anders ist es nicht mehr zu erklären, dass aus diesem weitgehend dünn besiedelten Zipfel Europas alle Nase lang neue Bands aus dem Boden schießen wie hier Pilze im Wald nach einem kräftigen Sommerregen. Zwar ist mir persönlich der Sound der finnischen Indieband Satellite Stories auf ihrem Debutalbum tendenziell ein wenig zu glatt und trotz unmittelbarem Tanzbefehl zu handzahm, wird aber genau so vom Indienachwuchs geliebt und füllt die Dancefloors der einschlägigen Veranstaltungen in diesem Genre mit ziemlicher Sicherheit nach den ersten Akkorden. Von Konzerten ganz zu Schweigen, denn „Phrases To Break The Ice“ riecht geradezu nach einer ekstatisch schwitzenden Crowd in kleinen, dampfend-heißen Venues mit maximaler 300er Kapazität.


8/10 Points

Gastreview für Fazemag, Ausgabe 10/2012