Samstag, 29. November 2014

Krumble - My Funny Dead Cat [Damage 007]

Nach seiner überaus erfolgreichen 12" "The Discobreaker" veröffentlicht DJ Krumble nun seine zweite E.P. auf Damage, dem DarkJungle-Offshoot des französischen Breakcore-Mutterlabels Peace Off. Alle drei Tracks basieren auf maximal beschleunigten Amenbreaks, die massivst durch den CutUp-Wolf gedreht und dann nach Belieben mit diversen RaggaJungle-orientierten Sprachsamples garniert werden, die der zerstörerischen Wirkung der Beats noch eine Prise sommerlicher Athmosphäre beifügen und diese so auch nicht DarkJungle-affinen Konsumenten schmackhaft machen. Pflichtkauf für alle Freunde der etwas härteren Breakbeat-Schule.  

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005

Donnerstag, 20. November 2014

Der Tante Renate - 666 Deluxe [Audiolith 012]

Whitelabel, per Hand durchnummeriert - No. 4/10 rotiert gerade auf dem Plattenteller des Rezensenten - , weder Tracktitel angegeben noch mit dem üblichen Waschzettel für Presseheinis versehen, doch dafür mit feinstem handgemachtem Schablonen-Spray-Artwork versehen, macht die Promo der neuen Veröffentlichung "Der Tante Renate" auf dem Hamburger "Irgendwie Alles"-Label Audiolith schon optisch etwas fürs Sammlerherz des Vinylfetischisten her, doch auch musikalisch geht hier einiges, wie mensch in der Hansestadt zu sagen pflegt. Am Anfang steht die Frage "Ist das noch Band oder schon Elektrotanzprojekt?" und wird mit "Auch" beantwortet. Zwar lassen manche Tracks/Songs - aber letztere ohne Text [sic!] - durchaus klassische Strukturen erkennen und erinnern zuweilen an das Jeans Team in seinen besten Anfangstagen (erinnert sich noch jemand an die beiden 7"es auf dem Berliner Label Nadel Eins ???), doch schon bei der nächsten Nummer hat der Alter Ego'sche Rocker und auch die Electroclash-Partysau vom Kaliber eines DJ Hell durchaus Freude am Tanzen. Die meisten Tracks liegen irgendwo dazwischen, tanzen auf jeder Party und laden manchmal auch die Familie der alten Low-Fi-Geräte ein, weil die ja immer so schön quietschige Klänge machen wenn die sich freuen. Das kann mensch dann gut finden oder manchmal auch nervig, wenn einem der Sinn gerade nicht nach extrem quirlig aktiver Musik steht - generell sei der Selbstversuch jedoch empfohlen an dieser Stelle.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 08.03.2005

Samstag, 15. November 2014

The Dance Inc. - Looking Like That [Audiolith 011]

Audiolith - die Elfte. Zur optischen Erscheinung des Promoexemplars bitte in der Review zu "Der Tante Renate" nachlesen und musikalisch eine andere Schublade öffnen mit der Aufschrift: "Elektropop, tanzbar".
Geeignet auf jeden Fall für Konsumenten, deren 80's Bezug sich nicht aus dem Konsum irgendwelcher retrospektiven "Best Of..."-Compilations rekrutiert, sondern die tatsächlich noch mit Synthpop im klassischen Sinne sozialisiert sind. Natürlich mit einem behutsamen Update versehen in Sachen Tanzflächentauglichkeit, aber immer noch mit deutlichem Bezug auf Artists wie z.b. Marc Almond liefern "The Dance Inc." hier insgesamt fünf Tracks auf 12"-Vinyl, die eine Brücke schlagen zwischen alter Schule und neuer Attitude, Heimkonsum und Clubaktivität - sprich: jeder denkbaren Zielgruppe einen Zugang ermöglichen ohne sich anzubiedern. Angenehm


Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005

Samstag, 8. November 2014

Bernhard Schreiner [Reduktive Musiken 005]

File under: Experimentelles Hörvergnügen. Das Hamburger Label Reduktive Musiken - Heimat diverser, der experimentellen, elektronischen / elektroakustischen Musik verpflichteten Acts wie z.b. Totstellen oder Audible Pain - veröffentlicht nun einen kompletten Konzertmitschnitt des Klangforschers Bernhard Schreiner aus der Hamburger Hörbar mit zwei zusätzlichen Bonustracks als Full Length-CD. Die sechs Livetracks, konsequent als # 1 bis # 6 durchnummeriert, stammen alle aus dem August 2003 und bewegen sich konsequent jenseits dessen, was der Normalkonsument als "Musik" definiert. Vielmehr geht es hier um die Modifikation des Klangs, des Geräusches an sich, welches sich quasi in mehreren rhythmischen Schüben über den Einzeltrack verteilt aufbaut und immer weiter durch die Zugabe von hochdigitalen Noises und/oder gemeinhin als Clicks'n'Cuts bekannte Sounds ergänzt wird. Das Resultat dieses Prozesses klingt selbstredend sehr abstrakt und wird vor allem einer Hörerschaft gefallen, die Musiker wie Pan Sonic oder auch Carsten Nikolai/Alva Noto zu ihren Favorites zählen. Ebenfalls abstrakt und doch mehr konzeptorientiert sind die Bonustracks "11'33" und "Low Guitar Code", wobei sich letztgenannter vollends der mikrotonalen Bearbeitung von Gitarrensamples unter Zuhilfenahme verschiedenster Filter widmet und diese derart fragmentiert, das der Rückbezug auf die Gitarre als Source Material nur dank des beiliegenden Waschzettels möglich ist.  Für Theoretiker und Liebhaber der totalen Abstraktion empfohlen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005

Freitag, 31. Oktober 2014

HP.Stonji - Melaina Chole Remix EP [Phantomnoise Records 011]

HP.Stonji - dieser durchaus seltsame Künstlername steht für die Zusammenarbeit der nicht unbekannten Elektronikmusiker Hans Platzgumer und E.Stonji, deren gemeinsames Album "Melaina Chole" im letzten Jahr als Full Length-CD auf dem Schweizer Label Spezialmaterial erschien. Die Remixe zum Album liegen nun in Form einer 6-Track E.P. auf dem von vielen Seiten geschätzten Leipziger Fakecore-Imprint Phantomnoise Records vor und werden von einer illustren Reihe von Künstlern aus dem Umfeld desselben bestritten. The Vaporizer, LXC, Mimaku Spldat, _filbert, Scarcubem und Intricate bewegen sich mit ihren Neuinterprationen im Spektrum zwischen sehr experimentellem Downbeat, netten kleinen Plinkermelodien und Electronica/IDM, liefern allesamt sehr athmosphärische Tunes ab und machen diese E.P. zu einem durchaus empfehlenswerten Tonträger, der sich aus einer Flut eher belangloser Electronica-Veröffentlichungen wohltuend hervorhebt.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Donnerstag, 23. Oktober 2014

incite/ - Procedure / Neop [incite.gradcom.org]

Die Hamburger Experimentalmusiker Andre Aspelmeier und Kera Nagel - solo verantwortlich für die Projekte GradCom und Axiomatic Integration - veröffentlichten jüngst in Eigenregie die erste 7" ihres gemeinsamen Projektes incite/. Limitiert auf dreihundert Exemplare auf grauem bzw. grau-marmoriertem Vinyl spricht die Musik des Duos vor allem Freunde der experimentellen Elektronik an. Rhythmusgeprägt, doch im Regelfall nicht tanzbar, lässt sich die Soundästhetik der beiden Künstler am treffendsten mit dem onomatopetischen Ausdruck "Knorkeln" beschreiben. Verortet in der Grauzone zwischen Pan Sonic, ambient-orientiertem Rhythm Industrial und der Mille Plateaux'schen Variante der Clicks'n'Cuts erschliessen beide Tracks hochdigitale Klangwelten, die sich dem ungeübten Konsumenten nur schwer öffnen, Liebhabern jedoch einen echten Hörgenuss verschaffen. 

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 18. Oktober 2014

Sole - Live From Rome [Anticon. Promo]

Sole, Mitglied des hochgeschätzten Anticon.-Kollektivs, das seit einiger Zeit die Welt der elektronischen Musik mit seiner Interpretation des Leftfield-HipHop aufrollt. Leftfield HipHop? Sprechgesang mit eindeutig von abstrakter Electronica beeinflussten Beats, abstrakten Lyrics und einem nicht immer zu leugnenden Folk- Einfluss. Zitat gefällig?  "Debbie Gibson will make an electronica comeback. Ice Cube will go feminist. Solar Panels will be declared unconstitutional. How many moms can you fit on a picket line with 'blood for oil' signs? This movement is a joke..." (aus: Predictions"). Hier ist Consciousness nicht nur Floskel, sondern bewusst gewählte Eigenschaft, genaues Hinhören erwünscht und gefordert. Bei 17 Tracks in 55 Minuten ein nicht immer einfaches Unterfangen das den Konsumenten fordert, die Anstrengung aber auf jeden Fall lohnt und gerade auch dem Nicht-HipHopHead neue Perspektiven auf den Variationsreichtum des kontemporären Sprechgesang eröffnet. Angemerkt sei zuletzt das "Live From Rome" weder ein Live-Album darstellt, noch in Rom aufgenommen ist. Vielmehr entstand das Album im Pendelverkehr zwischen Oakland, Kalifornien und Sole's neuer Wahlheimat Barcelona, Spanien.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Samstag, 11. Oktober 2014

Audision - Spectral Face E.P. [Playmade Minus 007]

Audision, Kollaborationsprojekt der beiden Wahlhamburger Produzenten Tobias Schmid und Niko Tsoukmanis, veröffentlicht auf dem in Augsburg beheimateten Label Playmade Minus, seines Zeichens wiederum das experimentelle Outlet des Mutterlabels Playmade, nach längerer Wartezeit nun endlich die "Spectral Face E.P.", die sich schon nach den ersten Umdrehungen auf dem Plattenteller als sogenannter Future Classic entpuppt. Verträumt-melancholischer Minimaltechno Dial'scher Prägung - um im Querverweis auf ein weiteres empfehlenswertes Hamburger Label bezug zu nehmen - dessen Beatstrukturen nicht immer zwingend dem Geradeaus-Dikat der 4-2- the-Floor-Bassdrum folgen, sondern auch dem weiten Feld der Electronica Tribut zollende Brüche zulässt oder sich wie bei dem B2-Track "Yellow Sunset" ganz dezent auf Piano-Ambient bezieht, um die von Kompakt geprägte Begriffsbestimmung "Popambient" an dieser Stelle zu vermeiden. Sowohl für den anspruchsvollen Dancefloor zu sehr früher oder wahlweise auch sehr später Stunde geeignet, aber auch als reiner Hörgenuss für audiophile Homelistener zu empfehlen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 4. Oktober 2014

Dälek - Absence [Ipecac Promo]

HipHop jenseits jeglicher Konventionen - lauter, experimenteller, druckvoller und verstörender als alles bisher dagewesene. Alles? Eine Ausnahme gibt es: Techno Animal, aber mit genannten haben Dälek natürlich schon vor Jahren kollaboriert, ebenso mit der legendären Krautrock-/Noise-/Experimental-Formation Faust mit denen unlängst eine gemeinsame 7" auf dem Berliner Label Bomb Mitte veröffentlicht wurde. Was bedeutet das für das Jetzt, die aktuelle Veröffentlichung? Dälek's Produktionen scheren sich noch immer keinen Deut um die cleane Slickness mainstream-orientierter US-Produktionen und die coole Gangstah-Attitude der dazugehörigen Protagonisten.  Vielmehr dominieren bedrohliche, von Störgeräuschen und Industrial geprägte Soundkulissen das Klangbild, in ihrer endzeitlichen Wirkung von tonnenschweren Beatgerüsten verstärkt, die auf beängstigende Weise von eindringlichen Lyrics begleitet werden. "If You Remember HipHop, Nigga - Nuff Respect" findet als Statement zur mittlerweile verwässerten Kultur ebenso Platz wie der Slam Poetry verpflichtete lyrische Abstraktionen, die allein durch die Intensität der Stimme wirken. Gehört in jede Plattensammlung.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Montag, 29. September 2014

DJ Liffe - New.Brand.Flex [Loop Recordings]

Grime - für den viele Insider der heisseste Scheiss around, für den Grossteil der Konsumenten elektronischer Musik noch absolutes Neuland, da sich dieses im weitesten Sinne als UKGarage-Derivat zu bezeichnende Genre leider bisher kaum auf den Plattentellern deutscher DJ's geschweige denn in rauhen Mengen beim Vinyldealer nebenan findet. Doch das ändert sich hoffentlich in Bälde, da sich mit dem Plasticman-Remix - nein, das ist nicht Richie Hawtin - von Alter Ego's "Rocker" nun der erste Grime-Riddim quasi durch die Hintertür ins Bewusstsein der Allgemeinheit schleicht. DJ Liffe zeigt hier anhand zwei Versionen des "New.Brand.Flex."- Tunes auf, warum Grime zur Zeit als das most upfront Genre in Sachen elektronischer Tanzmusik gehandelt werden muss. Reduziert bis auf die nötigsten Elemente entwickelt der Riddim allein anhand einer kurzen modulierten Melodie mit Sägezahnfilter einen quasi-hypnotischen Sog und öffnet auf bedrohliche Weise riesige Räume in denen nichts als die ewige Finsternis lauert. Die Flipside verzichtet dann vollends auf jegliche Art von Beats und entwickelt trotzdem einen unwiderstehlich dunklen Groove der kein Tanzbein unbewegt lässt. Pflichtplatte sowohl für Grime-Addicts als auch für neugierige Einsteiger und lässt sich DJ-wise perfekt mit dem oben genannten Plasticman-Remix von "Rocker" kombinieren.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 27. September 2014

50 Cent - Candy Shop [Shady Records]

Dem im März erscheinenden Album "The Massacre" schickt Eminem-Zögling 50 Cent als Teaser den "Candy Shop" voran, der in gleich vier Versionen auf 12" Vinyl gebannt wird. Allen anderen vorangestellt wird - natürlich - die "Explicit Album Version", die keinen Zweifel daran lässt das mit dem Satz "I let you lick the lollipop" definitiv keine Süssware gemeint ist, sondern die durchaus kreative Beschreibung eines Blowjob. Im gleichen Tenor und in 50 Cent's gewohnt hypnotischen Reimstil geht es weiter über extrem reduzierten Beats, versetzt mit einem kurzen, leicht orientalisch wirkenden Sample, so das der Tune auch als Instrumental eine durchaus gute Figur abgibt.  Für die prüderen HipHop-Headz unter uns finden sich auf der Flipside dann noch die Versionen "Clean Album" und "Super Clean Radio Edit", die sich das Label nach Ansicht des Rezensenten durchaus hätte sparen können, da zensierte HipHop-Tracks eigentlich ähnlich überflüssig sind wie ein Paar Langlaufski in der Wüste.  

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 20. September 2014

Fearing Christmas - Die Morgennacht EP [FCH009]

Nachdem es bis zur Veröffentlichung ihres letzten Mini-Albums "Turm schlägt Pferd. Schachmatt" in 2003 ganze sieben Jahre gedauert hat, legt das Elektropop-Duo Fearing Christmas nun relativ zügig eine EP nach, die insgesamt sechs neue Tracks sowie drei Interpretationen älterer Titel beinhaltet. Wie gewohnt widmen sich Luke und Sascha der sanften, düsteren Seite des Elektro-/Synthpop, gespickt mit mystischen Texten, die auch und vor allem die Gothic-Fraktion ansprechen dürften. Insbesondere die sogenannte Abt-Trilogie mit den Titeln "Letztes Gebet", "Adoleszenz" und "Intermezzo" stechen hier in ihrer zusammenhängeden Thematik heraus und sind - Affinität zu dunklen Themen vorausgesetzt - durchaus einen Hörtest wert. Im Reigen der drei geremixten Titel sind es insbesonderen "Wave (God's Bow Remix)" und "Ebene 5 (Equatronic Remix)", die nicht nur die Gefühlswelt des Konsumenten in Aufruhr versetzen sondern auch auf den schwarzbekittelten Tanzflur zielen und auf diese Weise die eigentlichen Highlights der vorliegenden Veröffentlichung darstellen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Sonntag, 31. August 2014

Studio 1 - Gelb / Lila [Assemble Music 006 Whitelabel Promo]

Mit „Gelb / Lila“ erweckt das in Lissabon beheimatete Label Assemble Music zwei Klassiker und Vorreiter des MinimalTechno zu neuem Leben. Vor ganzen 17 – sic!!! - Jahren auf dem legendären Kölner Studio 1-Label erschienen, haben die beiden Tracks aus der Feder von Wolfgang Voigt bis heute nichts von ihrer Gültigkeit eingebüsst und stehen nach wie vor für die Erkenntnis, das Minimal eben tatsächlich „wenig“ bedeutet und nicht jede sich öffnende Leerstelle mit atonalem Knistern und anderen Variationen von Surface / White Noise gefüllt werden muss. Von dieser Weisheit sollten sich viele der heutigen Produzenten mindestens eine dicke Scheibe abschneiden und sich dieses 12“ Vinyl als mahnend positives Beispiel gut sichtbar in ihr Studio hängen. Wichtig.
10 / 10 Points

Samstag, 23. August 2014

Crime Scene - Jam The Box EP [Crime City Records 004 Promo]

Rohen, kraftvollen Chicago House in seiner dreckigsten und gleichzeitig verführerischten Variante präsentiert uns Crime Scene mit diesen drei Tracks auf seinem Hauslabel Crime City, die – ohne zwanghaft die Retrokarte zu spielen – den geneigten Hörer allein durch ihre vollanaloge Produktion und ungestüme Energie zurück in die guten alten Tage von Warehouse, Power Plant und Music Box teleportieren,deren Ästhetik auch heute noch nichts von ihrer Faszination verloren hat. Jam it!
9 /10 Points

Samstag, 9. August 2014

Stefan Goldmann- Empty Suit [Transit Records Kyoto 002]

In Lizenz von Stefan Goldmann's eigenem Label Macro Records veröffentlicht Transit Records Kyoto den treibend technoiden Banger „Empty Suit“ noch einmal für den japanischen Markt auf Vinyl und sorgt mit dieser knarzigen Primetime-Waffe nicht nur im asiatischen Raum für den totalen Abriss auf dem Dancefloor. Auf der Flipside findet sich dann eine bisher unveröffentlichte „Version“ des Titeltracks, die sich – ganz dem originären Sinne des Wortes gemäss - an eine etwas reduziertere, von trockener Soundästhetik geprägte, aber nicht weniger fordernde Neuinterpretation wagt. in deren Kontext den wenigen organischen Chords ein nahezu erlösendes Moment innewohnt, das dank der konsequenten Steigerung innerhalb des Tunes das Heilsversprechen jedoch schlussendlich bewusst nicht einlöst und den Floor final kurz vor der Klimax in den nächsten Track entlässt.
8 / 10 Points

Montag, 4. August 2014

Nils Noa - The Jaguar [Troll Records 023 Promo]

Auf seinem, zusammen mit Christian Sol geführten, eigenen Label Troll Records veröffentlicht Nils Noa Anfang Februar seinen „The Jaguar“ und liefert damit ein Meisterstück in Sachen tiefenhypnotischem, leicht progressiv rollenden House einer Spielart, die mensch durchaus auch auf den Tanzflächen US-amerikanischer Städte wie New York oder Miami zu schätzen weiss. Mit Druck in den unteren Frequenzen, jazzigen Chords, sparsam eingesetzten Cowbells und einem extrem prägnanten Chorsample schraubt sich der Titeltrack in Original und Dubversion über jeweils 7+ Minuten, fügt sich im Set perfekt zwischen Klassiker der Ibadan-Schule und macht sich auch perfekt als Folgetrack zu Laurent Garnier's Innervision-Überhit „Back To My Roots“, während der Remix aus der Feder des Projektes Mongolian Jet Set ungeahnt verschobene Detroit-Qualitäten freisetzt und auf den letzten Metern zu einer wahren Hymne mutiert. Der Uno Mas-Remix hingegen entpuppt sich als gutlauniger PianoHouse-Exzess für die Primetime und Alex Jangle bedient in seiner Neubearbeitung die TechHouse-Fraktion mit leicht tribal'esquen Anleihen. Nice one. Empfohlen.
9 / 10 Points

Montag, 28. Juli 2014

Chizh - New Day [Plus Seven Records 002 Promo]

Das in Moskau beheimatete Label Plus Seven Records liefert mit seiner zweiten Vinylveröffentlichung aufs extremste heruntergepitchten Beatdown-Sound, der trotz seiner Geschwindigkeit unterhalb der 100bpm Grenze einfach nur schiebt wie Sau. Allen voran das auf A1 platzierte „Buyabike“, das mit seinen trippigen Acidlines und prägnanten Vocalsamples zum Höhepunkt in jedem Armchair Techno-Set der nächsten Monate werden könnte. Der Titeltrack hingegen widmet sich einer 303-lastigen Variation von Beatdown Soul, während sich „Get Down“ - natürlich ebenfalls Acid-affin – in rohem, gedrosselten und hormongetränkten ChicagoFunk ergeht. Final widmet sich auf B2 dann Dr. Cut's als Remixer dem Tune „Ed Friend“ und erinnert mit seiner unbearbeiten, von Claps getragenen Soundästhetik an AcidHouse-Wahnsinn auf Morphium. Nice one.
9/10 Points

Samstag, 19. Juli 2014

Ricardo Baez - Sweat EP [Toy Tonics 013 Promo]

Mit den drei Originaltracks und zwei Remixen auf seiner zum Jahresende erschienenen „Sweat EP“ legt Ricardo Baez nicht nur seine zweite Single auf Toy Tonics und seine zweite Veröffentlichung überhaupt, sondern auch ein fulminantes Lehrstück in Sachen ClubHouse-Adaption der frühen neunziger Jahre vor, die vor allem bei den klassischen Melodieläufen von „We Come Around“ mehr als einmal an legendäre Crossover-Tunes wie Crystal Waters' „Gypsy Woman“ erinnert, während der Remix von Jaymo & Andy George elegische Flächen mit treibenden Future Garage-Versatzstücken kombiniert.“Sweat“ hingegen versprüht verspielt deepen End-80er NYC-Charme mit gniedeligen Funkbässen und albernen, höchst wirkungsvollen Breakdowns, wird jedoch vom „Dancefloor“ auf der ekstatischen HiNRG Hardbag-Spur von links überholt, der im Remix zusätzlich mit glitzerndem Vocaleinsatz glänzt. Gross.
9 / 10  Points

Montag, 14. Juli 2014

Charalambides - Unknown Spin [Kranky Promo]

Der Klang der Wüste ist der Klang der Einsamkeit. Vor allem diese spiegelt sich in den vier Tracks des neuen Charlambides-Albums "Unknown Spin" wieder, die sich zusammen über eine Laufzeit von fast 60 Minuten erstrecken. Verhallte, einzeln angeschlagene Gitarrensounds, stimmlose Vocals und vor allem viel Raum zur Entfaltung des Nichts. Improvisierter Minimalismus, Soundtrack zu endlosen Stills am Strassenrand verdorrender Skelette - einst lebende Wesen, die einem der selten vorbeirauschenden motorisierten Vier- oder Mehrbeiner zum Opfer fielen. Vielleicht Ambient, vielleicht Filmmusik - aber mit ziemlicher Sicherheit etwas von Beidem. Grossartiges, jetzt wiederveröffentlichtes Material des Duos Christina & Tom Carter, das ursprünglich als "Limited to 300"- Issue ihres eigenen Labels Wholly Other erschien und nun erstmals einer grösseren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Recommended.
 
Originalveröffentlichung 13.12.2003 via nitestylez.de v1.0
Mit Dank an archive.org

Mittwoch, 9. Juli 2014

A Band Of Crickets - Ask What It Is! [Behind The Black Curtain Records Promo]

Verortet zwischen den Echos von Dub und Dubstep, den klagend, ätherischen Gesangslinien von Künstlerinnen wie Björk oder Beth Gibbons und den nebelverhangenen Resthängen von TripHop / Downbeat schwebt A Band Of Crickets mit ihrem Debutrelease durch massive posturbane Basswelten, die trotz extrem verhaltenen Tempos den Dancefloor durch blosse PRÄSENZ in schwingende Bewegung versetzen, während der Closing Tune „Hot Slugs On Acid“ einen Ausflug in Richtung jazzinfizierte Funky Breaks wagt. Sehr gut. Sehr frisch.
9 / 10 Points