Freitag, 16. Januar 2015

Ben Human - The Out Of Towner [Unique]

Ben Addison a.k.a. Ben Human nun also mit seinem zweiten Longplayer auf dem Düsseldorfer Imprint Unique Records. Produziert von Michael Scheibenreiter of Phoneheads-fame und mit Guest-Apperances von Artists wie DJ Rafik (3facher ITF-Weltmeister), DJ Dr. Ben und Scott Adison führt Ben Human den geneigten Konsumenten binnen einer knappen Stunde Spielzeit durch 17 Episoden seiner Welt.
Diese präsentiert sich zum grossen Teil sehr funky, organisch, gebrochen und irgendwo dort angesiedelt wo TripHop aufhört, Downbeat betanzbar wird und neben dem obligatorischen Martini auch ein gepflegter Cocktail immer gern gesehen ist. Falsch jedoch, wer hier den überstrapazierten Begriff "Loungemusic" zu benutzen gedenkt - zu sehr stellt Ben Human mit Tracks wie "Angry Computer" seine Dancefloor-Affinität unter Beweis, flirtet mit dem "Werewolf Break" leicht mit dem Westlondon Sound und lässt selbst einen Groove, der mit Patrick Pulsinger's legendären "City Lights" auf Compost die melancholische Grundstimmung teilt, noch in einem tanzbaren Gewand erscheinen. Insgesamt gelingt Ben Human mit "The Out Of Towner" vielleicht kein grosser Schritt in neue musikalische Welten, aber ein sehr angenehmes Album dessen Qualitäten sich erst über einen Konsumzeitraum von Jahren wirklich herauskristallisieren 


Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 05.04.2005

Freitag, 9. Januar 2015

Jean The Ripper - Ready To Die E.P. [Highball]

Die Grauzone der "Tekkno meets Hardcore"-Zwischenwelt ist um ein neues Producertalent reicher, das mit der "Ready To Die E.P." auf Highball sein Debut feiert. Geheimnisumwittert wie seine schlitzende Fast-Namensverwandtschaft ist über Jean The Ripper bisher nicht viel zu erfahren: blutjung soll er sein und irgendwo in Berlin ansässig. Mehr Informationen gibt es nicht. Passt ja, denn schliesslich ist auch Techno vor Jahren als kompromisslose Musik einmal gegen Personenkult und Popstartum angetreten. Kompromisslos ist auch hier das richtige Stichwort, denn Jean The Ripper wandelt stilsicher auf dem schmalen Grad zwischen noch Tekkno - in diesem Fall bewusst in der alten Schreibweise der early 90's - und fast schon Hardcore, überzeugt dabei vor allem auf dem B2 Track "Across The Stars" mit Einfallsreichtum und Humor und macht auf der Tanzfläche keine Gefangenen. Harte und gerechte Maschinenmusik für schweissnasse Körper...

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005

Donnerstag, 1. Januar 2015

Fantomas - Suspended Animation [Ipecac]

Fantomas, die Experimental-Supergroup unter der Leitung von Mike Patton (Ex-Faith No More), veröffentlicht mit "Suspended Animation" ihr viertes Studioalbum, das in vielen Punkten den wahnwitzigen Gegensatz zu ihrem letzten, eher schwergängig-düsteren Werk "Delirium Corda" darstellt. Mit insgesamt 30 Songs in einer knapp bemessenen Spielzeit von 43 Minuten ist "Suspended Animation" nichts anderes als ein komprimierter, grellfarbiger Geschwindigkeitsrausch zwischen Speedmetal, Freejazz, Jazzcore, Kunst und Comic, ein brüchiger Höllenritt ins Land der "Information Overdose", die die meisten Normalkonsumenten nicht nur fordert, sondern im wahrscheinlichsten Fall auch über-fordert. Zu gedrängt und hektisch stürzen die Einzelereignisse auf den Hörer ein, sind verschwunden bevor sie wahrgenommen werden und Sekunden später schon wieder von weiteren Schichten anderer, ebenfalls hochvergänglicher Informationen überlagert, so rasant, das selbst die Stroboskop-gehetzte MTV-Generation ein hochgradiges Wahrnehmungsproblem entwickelt und sich an ein altes Sprichwort erinnert, in dem es heisst: "Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander". Zu guter Letzt noch ein beigefügter Warnhinweis: "Für Epileptiker ungeeignet".

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005

Donnerstag, 25. Dezember 2014

The Ministers Of Music - The Funk Miracle [Chica Discos 008]

Die Formation "The Ministers Of Music", Kollaborationsprojekt des Techno-Urgesteins Torsten Stenzel mit Ibiza-DJ-Heroe Sin Plomo, steuerte mit "Breathing Fire" schon die Startnummer 001 zum Katalog des ibizenkischen Labels Chica Discos bei und legt mit "The Funk Miracle" nun einen leichten, sehr sommerlichen Housetune mit eindeutigen Discoeinflüssen nach. Während das Original noch recht unauffällig und gelassen im WarmUp seinen Platz findet, hat der flipseitige Remix unseres Lieblingsfinnen JussiPekka Parikka wesentlich mehr Feuer. Nah am Original bleibend addiert er lediglich eine fettere Bassdrum und eine ekstatisch schraubende Acidline, die dem Track zweifelsohne genau den nötigen Schub verleiht, um die Tanzfläche zu später Stunde noch einmal kurz aufkochen zu lassen. Nice.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005

Donnerstag, 18. Dezember 2014

BGB - A Crack In The Glass [Dessous 051]

Die New Yorker Formation BGB liefert nun schon ihre dritte 12" binnen Jahresfrist auf Steve Bug's Deephouse-Imprint Dessous Recordings und wird immer noch nicht müde, die Fusion von deepem Grooves, Funk und Disco aufs neue zu interpretieren. Mit drei Tracks, allesamt ein wenig glatter und geschmeidiger als die Tunes auf den Vorgänger-12"es "Com Forca [This Life]" und "Wha... kiddin", nähern sich BGB einer Variante der Housemusic, die am ehesten mit dem englischen Adjektiv "sparkling" zu umschreiben ist, Fröhlichkeit exerziert und doch versteht, Kitsch und gängige Klischees zu umgehen, auch wenn sich die Produzenten nicht scheuen, sich auf einen kurzen Flirt mit ihnen einzulassen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005

Freitag, 12. Dezember 2014

Various Artists - Poker Flat Volume 4 [Poker Flat Recordings]

Eine neue Werkschau des umtriebigen Minimal-/JackHouse-Imprints Poker Flat Recordings bedeutet immer zweierlei - zum einen einen musikalischen Wegweiser für den nächsten Schritt in der Entwicklung des Labels, zum anderen auch die Einführung neuer Künstler in der Poker Flat-Gemeinde, die im Rahmen einer derartigen Compilation oftmals ihr Labeldebut bestreiten - in diesem Falle Donnacha Costello, Patrick Chardronnet vs. Afrilounge und Argy, die jeweils einen Track zum vorliegenden Doppelvinyl beisteuern. Musikalisch steht natürlich, wie nicht anders zu erwarten, das Konzept Minimalismus nachwievor über allem, jedoch mit anderem Schwerpunkt als in den letzten zwölf Monaten. Nicht mehr Chicago und Jack dienen als zwingende Referenzpunkte dieser 2x12", vielmehr entfaltet sich ein Kosmos des "Happy Minimalism" mit verspielterem Ansatz, der sich vor längerer Zeit schon einmal mit Jeff Samuel's "Blap E.P." und Guido Schneider's "Triple Bolted" einen Weg ins Poker Flat-Universum gebahnt hatte. Wegweisend für die Zukunft? Die Zeit wird es zeigen..

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005

Freitag, 5. Dezember 2014

Krumble - In Memory Of / Sans Soleil [Jungle Therapy 007]

DJ Krumble, seines Zeichens Kopf und Intiator des französischen DarkJungle-Imprints Jungle Therapy, präsentiert sich auf der mittlerweile siebten Veröffentlichung des Labels auf gewohnt hohem Qualitätsniveau. "In Memory Of", die A-Seite der auf 500 Exemplare limitierten Vinylscheibe, kommt als zerchoppter DarkJungle-Tune mit nahezu statischer Bassline daher und führt beim Dancefloor Einsatz unmittelbar zum absoluten BrockOut, während "Sans Soleil" - ebenso düster wie der Titel es vermuten lässt - überraschenderweise mit zerschossenen CutUp-HipHop-Beats experimentiert, diese zerstört, komprimiert und verzerrt, timestretched und zerlegt das es eine wahre Freude ist. Killer!

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005

Samstag, 29. November 2014

Krumble - My Funny Dead Cat [Damage 007]

Nach seiner überaus erfolgreichen 12" "The Discobreaker" veröffentlicht DJ Krumble nun seine zweite E.P. auf Damage, dem DarkJungle-Offshoot des französischen Breakcore-Mutterlabels Peace Off. Alle drei Tracks basieren auf maximal beschleunigten Amenbreaks, die massivst durch den CutUp-Wolf gedreht und dann nach Belieben mit diversen RaggaJungle-orientierten Sprachsamples garniert werden, die der zerstörerischen Wirkung der Beats noch eine Prise sommerlicher Athmosphäre beifügen und diese so auch nicht DarkJungle-affinen Konsumenten schmackhaft machen. Pflichtkauf für alle Freunde der etwas härteren Breakbeat-Schule.  

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005

Donnerstag, 20. November 2014

Der Tante Renate - 666 Deluxe [Audiolith 012]

Whitelabel, per Hand durchnummeriert - No. 4/10 rotiert gerade auf dem Plattenteller des Rezensenten - , weder Tracktitel angegeben noch mit dem üblichen Waschzettel für Presseheinis versehen, doch dafür mit feinstem handgemachtem Schablonen-Spray-Artwork versehen, macht die Promo der neuen Veröffentlichung "Der Tante Renate" auf dem Hamburger "Irgendwie Alles"-Label Audiolith schon optisch etwas fürs Sammlerherz des Vinylfetischisten her, doch auch musikalisch geht hier einiges, wie mensch in der Hansestadt zu sagen pflegt. Am Anfang steht die Frage "Ist das noch Band oder schon Elektrotanzprojekt?" und wird mit "Auch" beantwortet. Zwar lassen manche Tracks/Songs - aber letztere ohne Text [sic!] - durchaus klassische Strukturen erkennen und erinnern zuweilen an das Jeans Team in seinen besten Anfangstagen (erinnert sich noch jemand an die beiden 7"es auf dem Berliner Label Nadel Eins ???), doch schon bei der nächsten Nummer hat der Alter Ego'sche Rocker und auch die Electroclash-Partysau vom Kaliber eines DJ Hell durchaus Freude am Tanzen. Die meisten Tracks liegen irgendwo dazwischen, tanzen auf jeder Party und laden manchmal auch die Familie der alten Low-Fi-Geräte ein, weil die ja immer so schön quietschige Klänge machen wenn die sich freuen. Das kann mensch dann gut finden oder manchmal auch nervig, wenn einem der Sinn gerade nicht nach extrem quirlig aktiver Musik steht - generell sei der Selbstversuch jedoch empfohlen an dieser Stelle.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 08.03.2005

Samstag, 15. November 2014

The Dance Inc. - Looking Like That [Audiolith 011]

Audiolith - die Elfte. Zur optischen Erscheinung des Promoexemplars bitte in der Review zu "Der Tante Renate" nachlesen und musikalisch eine andere Schublade öffnen mit der Aufschrift: "Elektropop, tanzbar".
Geeignet auf jeden Fall für Konsumenten, deren 80's Bezug sich nicht aus dem Konsum irgendwelcher retrospektiven "Best Of..."-Compilations rekrutiert, sondern die tatsächlich noch mit Synthpop im klassischen Sinne sozialisiert sind. Natürlich mit einem behutsamen Update versehen in Sachen Tanzflächentauglichkeit, aber immer noch mit deutlichem Bezug auf Artists wie z.b. Marc Almond liefern "The Dance Inc." hier insgesamt fünf Tracks auf 12"-Vinyl, die eine Brücke schlagen zwischen alter Schule und neuer Attitude, Heimkonsum und Clubaktivität - sprich: jeder denkbaren Zielgruppe einen Zugang ermöglichen ohne sich anzubiedern. Angenehm


Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005

Samstag, 8. November 2014

Bernhard Schreiner [Reduktive Musiken 005]

File under: Experimentelles Hörvergnügen. Das Hamburger Label Reduktive Musiken - Heimat diverser, der experimentellen, elektronischen / elektroakustischen Musik verpflichteten Acts wie z.b. Totstellen oder Audible Pain - veröffentlicht nun einen kompletten Konzertmitschnitt des Klangforschers Bernhard Schreiner aus der Hamburger Hörbar mit zwei zusätzlichen Bonustracks als Full Length-CD. Die sechs Livetracks, konsequent als # 1 bis # 6 durchnummeriert, stammen alle aus dem August 2003 und bewegen sich konsequent jenseits dessen, was der Normalkonsument als "Musik" definiert. Vielmehr geht es hier um die Modifikation des Klangs, des Geräusches an sich, welches sich quasi in mehreren rhythmischen Schüben über den Einzeltrack verteilt aufbaut und immer weiter durch die Zugabe von hochdigitalen Noises und/oder gemeinhin als Clicks'n'Cuts bekannte Sounds ergänzt wird. Das Resultat dieses Prozesses klingt selbstredend sehr abstrakt und wird vor allem einer Hörerschaft gefallen, die Musiker wie Pan Sonic oder auch Carsten Nikolai/Alva Noto zu ihren Favorites zählen. Ebenfalls abstrakt und doch mehr konzeptorientiert sind die Bonustracks "11'33" und "Low Guitar Code", wobei sich letztgenannter vollends der mikrotonalen Bearbeitung von Gitarrensamples unter Zuhilfenahme verschiedenster Filter widmet und diese derart fragmentiert, das der Rückbezug auf die Gitarre als Source Material nur dank des beiliegenden Waschzettels möglich ist.  Für Theoretiker und Liebhaber der totalen Abstraktion empfohlen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005

Freitag, 31. Oktober 2014

HP.Stonji - Melaina Chole Remix EP [Phantomnoise Records 011]

HP.Stonji - dieser durchaus seltsame Künstlername steht für die Zusammenarbeit der nicht unbekannten Elektronikmusiker Hans Platzgumer und E.Stonji, deren gemeinsames Album "Melaina Chole" im letzten Jahr als Full Length-CD auf dem Schweizer Label Spezialmaterial erschien. Die Remixe zum Album liegen nun in Form einer 6-Track E.P. auf dem von vielen Seiten geschätzten Leipziger Fakecore-Imprint Phantomnoise Records vor und werden von einer illustren Reihe von Künstlern aus dem Umfeld desselben bestritten. The Vaporizer, LXC, Mimaku Spldat, _filbert, Scarcubem und Intricate bewegen sich mit ihren Neuinterprationen im Spektrum zwischen sehr experimentellem Downbeat, netten kleinen Plinkermelodien und Electronica/IDM, liefern allesamt sehr athmosphärische Tunes ab und machen diese E.P. zu einem durchaus empfehlenswerten Tonträger, der sich aus einer Flut eher belangloser Electronica-Veröffentlichungen wohltuend hervorhebt.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Donnerstag, 23. Oktober 2014

incite/ - Procedure / Neop [incite.gradcom.org]

Die Hamburger Experimentalmusiker Andre Aspelmeier und Kera Nagel - solo verantwortlich für die Projekte GradCom und Axiomatic Integration - veröffentlichten jüngst in Eigenregie die erste 7" ihres gemeinsamen Projektes incite/. Limitiert auf dreihundert Exemplare auf grauem bzw. grau-marmoriertem Vinyl spricht die Musik des Duos vor allem Freunde der experimentellen Elektronik an. Rhythmusgeprägt, doch im Regelfall nicht tanzbar, lässt sich die Soundästhetik der beiden Künstler am treffendsten mit dem onomatopetischen Ausdruck "Knorkeln" beschreiben. Verortet in der Grauzone zwischen Pan Sonic, ambient-orientiertem Rhythm Industrial und der Mille Plateaux'schen Variante der Clicks'n'Cuts erschliessen beide Tracks hochdigitale Klangwelten, die sich dem ungeübten Konsumenten nur schwer öffnen, Liebhabern jedoch einen echten Hörgenuss verschaffen. 

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 18. Oktober 2014

Sole - Live From Rome [Anticon. Promo]

Sole, Mitglied des hochgeschätzten Anticon.-Kollektivs, das seit einiger Zeit die Welt der elektronischen Musik mit seiner Interpretation des Leftfield-HipHop aufrollt. Leftfield HipHop? Sprechgesang mit eindeutig von abstrakter Electronica beeinflussten Beats, abstrakten Lyrics und einem nicht immer zu leugnenden Folk- Einfluss. Zitat gefällig?  "Debbie Gibson will make an electronica comeback. Ice Cube will go feminist. Solar Panels will be declared unconstitutional. How many moms can you fit on a picket line with 'blood for oil' signs? This movement is a joke..." (aus: Predictions"). Hier ist Consciousness nicht nur Floskel, sondern bewusst gewählte Eigenschaft, genaues Hinhören erwünscht und gefordert. Bei 17 Tracks in 55 Minuten ein nicht immer einfaches Unterfangen das den Konsumenten fordert, die Anstrengung aber auf jeden Fall lohnt und gerade auch dem Nicht-HipHopHead neue Perspektiven auf den Variationsreichtum des kontemporären Sprechgesang eröffnet. Angemerkt sei zuletzt das "Live From Rome" weder ein Live-Album darstellt, noch in Rom aufgenommen ist. Vielmehr entstand das Album im Pendelverkehr zwischen Oakland, Kalifornien und Sole's neuer Wahlheimat Barcelona, Spanien.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Samstag, 11. Oktober 2014

Audision - Spectral Face E.P. [Playmade Minus 007]

Audision, Kollaborationsprojekt der beiden Wahlhamburger Produzenten Tobias Schmid und Niko Tsoukmanis, veröffentlicht auf dem in Augsburg beheimateten Label Playmade Minus, seines Zeichens wiederum das experimentelle Outlet des Mutterlabels Playmade, nach längerer Wartezeit nun endlich die "Spectral Face E.P.", die sich schon nach den ersten Umdrehungen auf dem Plattenteller als sogenannter Future Classic entpuppt. Verträumt-melancholischer Minimaltechno Dial'scher Prägung - um im Querverweis auf ein weiteres empfehlenswertes Hamburger Label bezug zu nehmen - dessen Beatstrukturen nicht immer zwingend dem Geradeaus-Dikat der 4-2- the-Floor-Bassdrum folgen, sondern auch dem weiten Feld der Electronica Tribut zollende Brüche zulässt oder sich wie bei dem B2-Track "Yellow Sunset" ganz dezent auf Piano-Ambient bezieht, um die von Kompakt geprägte Begriffsbestimmung "Popambient" an dieser Stelle zu vermeiden. Sowohl für den anspruchsvollen Dancefloor zu sehr früher oder wahlweise auch sehr später Stunde geeignet, aber auch als reiner Hörgenuss für audiophile Homelistener zu empfehlen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 4. Oktober 2014

Dälek - Absence [Ipecac Promo]

HipHop jenseits jeglicher Konventionen - lauter, experimenteller, druckvoller und verstörender als alles bisher dagewesene. Alles? Eine Ausnahme gibt es: Techno Animal, aber mit genannten haben Dälek natürlich schon vor Jahren kollaboriert, ebenso mit der legendären Krautrock-/Noise-/Experimental-Formation Faust mit denen unlängst eine gemeinsame 7" auf dem Berliner Label Bomb Mitte veröffentlicht wurde. Was bedeutet das für das Jetzt, die aktuelle Veröffentlichung? Dälek's Produktionen scheren sich noch immer keinen Deut um die cleane Slickness mainstream-orientierter US-Produktionen und die coole Gangstah-Attitude der dazugehörigen Protagonisten.  Vielmehr dominieren bedrohliche, von Störgeräuschen und Industrial geprägte Soundkulissen das Klangbild, in ihrer endzeitlichen Wirkung von tonnenschweren Beatgerüsten verstärkt, die auf beängstigende Weise von eindringlichen Lyrics begleitet werden. "If You Remember HipHop, Nigga - Nuff Respect" findet als Statement zur mittlerweile verwässerten Kultur ebenso Platz wie der Slam Poetry verpflichtete lyrische Abstraktionen, die allein durch die Intensität der Stimme wirken. Gehört in jede Plattensammlung.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Montag, 29. September 2014

DJ Liffe - New.Brand.Flex [Loop Recordings]

Grime - für den viele Insider der heisseste Scheiss around, für den Grossteil der Konsumenten elektronischer Musik noch absolutes Neuland, da sich dieses im weitesten Sinne als UKGarage-Derivat zu bezeichnende Genre leider bisher kaum auf den Plattentellern deutscher DJ's geschweige denn in rauhen Mengen beim Vinyldealer nebenan findet. Doch das ändert sich hoffentlich in Bälde, da sich mit dem Plasticman-Remix - nein, das ist nicht Richie Hawtin - von Alter Ego's "Rocker" nun der erste Grime-Riddim quasi durch die Hintertür ins Bewusstsein der Allgemeinheit schleicht. DJ Liffe zeigt hier anhand zwei Versionen des "New.Brand.Flex."- Tunes auf, warum Grime zur Zeit als das most upfront Genre in Sachen elektronischer Tanzmusik gehandelt werden muss. Reduziert bis auf die nötigsten Elemente entwickelt der Riddim allein anhand einer kurzen modulierten Melodie mit Sägezahnfilter einen quasi-hypnotischen Sog und öffnet auf bedrohliche Weise riesige Räume in denen nichts als die ewige Finsternis lauert. Die Flipside verzichtet dann vollends auf jegliche Art von Beats und entwickelt trotzdem einen unwiderstehlich dunklen Groove der kein Tanzbein unbewegt lässt. Pflichtplatte sowohl für Grime-Addicts als auch für neugierige Einsteiger und lässt sich DJ-wise perfekt mit dem oben genannten Plasticman-Remix von "Rocker" kombinieren.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 27. September 2014

50 Cent - Candy Shop [Shady Records]

Dem im März erscheinenden Album "The Massacre" schickt Eminem-Zögling 50 Cent als Teaser den "Candy Shop" voran, der in gleich vier Versionen auf 12" Vinyl gebannt wird. Allen anderen vorangestellt wird - natürlich - die "Explicit Album Version", die keinen Zweifel daran lässt das mit dem Satz "I let you lick the lollipop" definitiv keine Süssware gemeint ist, sondern die durchaus kreative Beschreibung eines Blowjob. Im gleichen Tenor und in 50 Cent's gewohnt hypnotischen Reimstil geht es weiter über extrem reduzierten Beats, versetzt mit einem kurzen, leicht orientalisch wirkenden Sample, so das der Tune auch als Instrumental eine durchaus gute Figur abgibt.  Für die prüderen HipHop-Headz unter uns finden sich auf der Flipside dann noch die Versionen "Clean Album" und "Super Clean Radio Edit", die sich das Label nach Ansicht des Rezensenten durchaus hätte sparen können, da zensierte HipHop-Tracks eigentlich ähnlich überflüssig sind wie ein Paar Langlaufski in der Wüste.  

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005

Samstag, 20. September 2014

Fearing Christmas - Die Morgennacht EP [FCH009]

Nachdem es bis zur Veröffentlichung ihres letzten Mini-Albums "Turm schlägt Pferd. Schachmatt" in 2003 ganze sieben Jahre gedauert hat, legt das Elektropop-Duo Fearing Christmas nun relativ zügig eine EP nach, die insgesamt sechs neue Tracks sowie drei Interpretationen älterer Titel beinhaltet. Wie gewohnt widmen sich Luke und Sascha der sanften, düsteren Seite des Elektro-/Synthpop, gespickt mit mystischen Texten, die auch und vor allem die Gothic-Fraktion ansprechen dürften. Insbesondere die sogenannte Abt-Trilogie mit den Titeln "Letztes Gebet", "Adoleszenz" und "Intermezzo" stechen hier in ihrer zusammenhängeden Thematik heraus und sind - Affinität zu dunklen Themen vorausgesetzt - durchaus einen Hörtest wert. Im Reigen der drei geremixten Titel sind es insbesonderen "Wave (God's Bow Remix)" und "Ebene 5 (Equatronic Remix)", die nicht nur die Gefühlswelt des Konsumenten in Aufruhr versetzen sondern auch auf den schwarzbekittelten Tanzflur zielen und auf diese Weise die eigentlichen Highlights der vorliegenden Veröffentlichung darstellen.

Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005

Sonntag, 31. August 2014

Studio 1 - Gelb / Lila [Assemble Music 006 Whitelabel Promo]

Mit „Gelb / Lila“ erweckt das in Lissabon beheimatete Label Assemble Music zwei Klassiker und Vorreiter des MinimalTechno zu neuem Leben. Vor ganzen 17 – sic!!! - Jahren auf dem legendären Kölner Studio 1-Label erschienen, haben die beiden Tracks aus der Feder von Wolfgang Voigt bis heute nichts von ihrer Gültigkeit eingebüsst und stehen nach wie vor für die Erkenntnis, das Minimal eben tatsächlich „wenig“ bedeutet und nicht jede sich öffnende Leerstelle mit atonalem Knistern und anderen Variationen von Surface / White Noise gefüllt werden muss. Von dieser Weisheit sollten sich viele der heutigen Produzenten mindestens eine dicke Scheibe abschneiden und sich dieses 12“ Vinyl als mahnend positives Beispiel gut sichtbar in ihr Studio hängen. Wichtig.
10 / 10 Points