Nach längerer Wartzeit erscheint auf dem in Bristol [sic!] angesiedelten Breakcore-Imprint Death$ucker Records endlich die schon seit einiger Zeit angekündigte Mix-CD der US-amerikanischen DJane Ripley,
die sich hier mit sage und schreibe 38 Tracks durch das gesamte
Spektrum von DarkJungle bis Breakcore mixt. Aufgenommen in Brooklyn/NYC
von wo aus sie mittlerweile ins beschaulichere Oakland übersiedelte,
spiegelt "Ich Bin Defekt" - inspiriert wurde der Titel nebenbei von
einem ausser Betrieb genommenen Kinderspielzeug vor einem Geschäft in
Rostock bei einem Deutschlandgastspiel Ripley's im letzten Jahr - die
musikalische Bandbreite der hyperaktiven DJane wieder,deren Vielfalt
immer wieder überrascht. Doch nicht nur die Selection überzeugt, sondern auch der Ansatz hinter ebendieser - neben ihren persönlichen Favorites wie z.b. Buccaneer f. Bounty Killer & TDK's "Real Badman", Current Value's "These Engines" oder Istari Lasterfahrer's
"Brainwashed" finden sich in grosser Zahl Releases aus dem näheren oder
weiteren weltweiten Umfeld der Amerikanerin, die auf diese Weise einer
grösseren, nicht an Vinyl gebundenen Hörerschaft zugänglich gemacht
werden.Vertreten sind unter anderem Tracks von Labels wie Mashit Records, Junk, Death$ucker, Broklyn Beats oder dem rätselhaften Pro.Atomkrieg-Imprint, sowie Artists wie Kid 606, Donna Summer, EOSS, Aphasic
und andere, die in dieser hochexplosiven Kombination zu einem wahren
Tour De Force-Ritt durch einen grossen Teil der aktiven
Breakcore/DarkJungle-Szene zusammenamalgamiert werden, der sich im
Ganzen erst beim zweiten oder dritten Hören voll erschliesst und gerade
deshalb zu den empfehlenswerten Tonträgern gehört, zumal es gerade in
diesem Genre viel zu wenig Compilations gibt, die auch dem
Genre-Einsteiger einen Überblick über das Geschehen in dieser doch sehr
abseits der normalen Berichterstattung im musikalischen Untergrund
agierenden Szene geben. Kauftip!
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 11.04.2005
Freitag, 30. Januar 2015
Sonntag, 25. Januar 2015
Rivera Rotation - Sunrise & Rainbow [Lounge Records]
Nach vier 12"-Veröffentlichungen und unzähligen Compilationbeiträgen präsentiert Pete Rivera a.k.a. Rivera Rotation - seines Zeichens u.a. verantwortlich für die Compilationserien "For Adults Only" und "Music For Modern Living" - nun sein erstes Artistalbum. Fast erwartungsgemäss bewegt sich der Longplayer mit seinen insgesamt
dreizehn Tracks in einem musikalischen Spektrum zwischen gechillten
Downbeat-Tracks, Loungemusic im positivsten aller Sinne, und
zurückgelehnten Housegrooves - beides Varianten der elektronischen
Tanzmusik, die sich auch in den DJ-Sets des Wahlhamburgers stets
wiederfinden und diese, gerade auch wegen ihrer zuweilen eigenwilligen
Brüche, die Eklektizismus mit Tanzflächentauglichkeit verbinden, stets
zu einem Erlebnis machen. Und auch der Mensch Pete Rivera offenbart sich dem Wissenden in all
seiner Gemütsruhe und Freundlichkeit in diesem Album, doch das ist eine
andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden...
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 10.04.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 10.04.2005
Freitag, 16. Januar 2015
Ben Human - The Out Of Towner [Unique]
Ben Addison a.k.a. Ben Human nun also mit seinem zweiten Longplayer auf dem Düsseldorfer Imprint Unique Records. Produziert von Michael Scheibenreiter of Phoneheads-fame und mit Guest-Apperances von Artists wie DJ Rafik (3facher ITF-Weltmeister), DJ Dr. Ben und Scott Adison führt Ben Human den geneigten Konsumenten binnen einer knappen Stunde Spielzeit durch 17 Episoden seiner Welt.
Diese präsentiert sich zum grossen Teil sehr funky, organisch, gebrochen und irgendwo dort angesiedelt wo TripHop aufhört, Downbeat betanzbar wird und neben dem obligatorischen Martini auch ein gepflegter Cocktail immer gern gesehen ist. Falsch jedoch, wer hier den überstrapazierten Begriff "Loungemusic" zu benutzen gedenkt - zu sehr stellt Ben Human mit Tracks wie "Angry Computer" seine Dancefloor-Affinität unter Beweis, flirtet mit dem "Werewolf Break" leicht mit dem Westlondon Sound und lässt selbst einen Groove, der mit Patrick Pulsinger's legendären "City Lights" auf Compost die melancholische Grundstimmung teilt, noch in einem tanzbaren Gewand erscheinen. Insgesamt gelingt Ben Human mit "The Out Of Towner" vielleicht kein grosser Schritt in neue musikalische Welten, aber ein sehr angenehmes Album dessen Qualitäten sich erst über einen Konsumzeitraum von Jahren wirklich herauskristallisieren
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 05.04.2005
Diese präsentiert sich zum grossen Teil sehr funky, organisch, gebrochen und irgendwo dort angesiedelt wo TripHop aufhört, Downbeat betanzbar wird und neben dem obligatorischen Martini auch ein gepflegter Cocktail immer gern gesehen ist. Falsch jedoch, wer hier den überstrapazierten Begriff "Loungemusic" zu benutzen gedenkt - zu sehr stellt Ben Human mit Tracks wie "Angry Computer" seine Dancefloor-Affinität unter Beweis, flirtet mit dem "Werewolf Break" leicht mit dem Westlondon Sound und lässt selbst einen Groove, der mit Patrick Pulsinger's legendären "City Lights" auf Compost die melancholische Grundstimmung teilt, noch in einem tanzbaren Gewand erscheinen. Insgesamt gelingt Ben Human mit "The Out Of Towner" vielleicht kein grosser Schritt in neue musikalische Welten, aber ein sehr angenehmes Album dessen Qualitäten sich erst über einen Konsumzeitraum von Jahren wirklich herauskristallisieren
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 05.04.2005
Freitag, 9. Januar 2015
Jean The Ripper - Ready To Die E.P. [Highball]
Die Grauzone der "Tekkno meets Hardcore"-Zwischenwelt ist um ein neues Producertalent reicher, das mit der "Ready To Die E.P." auf Highball sein Debut feiert. Geheimnisumwittert wie seine schlitzende Fast-Namensverwandtschaft ist über Jean The Ripper bisher nicht viel zu erfahren: blutjung soll er sein und irgendwo in Berlin ansässig. Mehr Informationen gibt es nicht. Passt ja, denn schliesslich ist auch Techno vor Jahren als
kompromisslose Musik einmal gegen Personenkult und Popstartum
angetreten. Kompromisslos ist auch hier das richtige Stichwort, denn
Jean The Ripper wandelt stilsicher auf dem schmalen Grad zwischen noch
Tekkno - in diesem Fall bewusst in der alten Schreibweise der early 90's
- und fast schon Hardcore, überzeugt dabei vor allem auf dem B2 Track "Across The Stars" mit Einfallsreichtum und Humor und macht auf der Tanzfläche keine Gefangenen. Harte und gerechte Maschinenmusik für schweissnasse Körper...
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005
Donnerstag, 1. Januar 2015
Fantomas - Suspended Animation [Ipecac]
Fantomas, die Experimental-Supergroup unter der Leitung von Mike Patton (Ex-Faith No More), veröffentlicht mit "Suspended Animation" ihr viertes Studioalbum, das in vielen Punkten den wahnwitzigen Gegensatz zu ihrem letzten, eher schwergängig-düsteren Werk "Delirium Corda" darstellt. Mit insgesamt 30 Songs in einer knapp bemessenen Spielzeit von 43
Minuten ist "Suspended Animation" nichts anderes als ein komprimierter,
grellfarbiger Geschwindigkeitsrausch zwischen Speedmetal, Freejazz,
Jazzcore, Kunst und Comic, ein brüchiger Höllenritt ins Land der
"Information Overdose", die die meisten Normalkonsumenten nicht nur
fordert, sondern im wahrscheinlichsten Fall auch über-fordert. Zu
gedrängt und hektisch stürzen die Einzelereignisse auf den Hörer ein,
sind verschwunden bevor sie wahrgenommen werden und Sekunden später
schon wieder von weiteren Schichten anderer, ebenfalls hochvergänglicher
Informationen überlagert, so rasant, das selbst die Stroboskop-gehetzte
MTV-Generation ein hochgradiges Wahrnehmungsproblem entwickelt und sich
an ein altes Sprichwort erinnert, in dem es heisst: "Genie und Wahnsinn
liegen dicht beieinander". Zu guter Letzt noch ein beigefügter Warnhinweis: "Für Epileptiker ungeeignet".
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 03.04.2005
Donnerstag, 25. Dezember 2014
The Ministers Of Music - The Funk Miracle [Chica Discos 008]
Die Formation "The Ministers Of Music", Kollaborationsprojekt des Techno-Urgesteins Torsten Stenzel mit Ibiza-DJ-Heroe Sin Plomo, steuerte mit "Breathing Fire" schon die Startnummer 001 zum Katalog des ibizenkischen Labels Chica Discos bei und legt mit "The Funk Miracle" nun einen leichten, sehr sommerlichen Housetune mit eindeutigen Discoeinflüssen nach. Während das Original noch recht unauffällig und gelassen im WarmUp
seinen Platz findet, hat der flipseitige Remix unseres Lieblingsfinnen JussiPekka Parikka wesentlich mehr Feuer. Nah am Original bleibend addiert er lediglich eine fettere Bassdrum und
eine ekstatisch schraubende Acidline, die dem Track zweifelsohne genau
den nötigen Schub verleiht, um die Tanzfläche zu später Stunde noch
einmal kurz aufkochen zu lassen. Nice.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Donnerstag, 18. Dezember 2014
BGB - A Crack In The Glass [Dessous 051]
Die New Yorker Formation BGB liefert nun schon ihre dritte 12" binnen Jahresfrist auf Steve Bug's Deephouse-Imprint Dessous Recordings und wird immer noch nicht müde, die Fusion von deepem Grooves, Funk und Disco aufs neue zu interpretieren. Mit drei Tracks, allesamt ein wenig glatter und geschmeidiger als die
Tunes auf den Vorgänger-12"es "Com Forca [This Life]" und "Wha...
kiddin", nähern sich BGB einer Variante der Housemusic, die am ehesten
mit dem englischen Adjektiv "sparkling" zu umschreiben ist, Fröhlichkeit
exerziert und doch versteht, Kitsch und gängige Klischees zu umgehen,
auch wenn sich die Produzenten nicht scheuen, sich auf einen kurzen
Flirt mit ihnen einzulassen.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Freitag, 12. Dezember 2014
Various Artists - Poker Flat Volume 4 [Poker Flat Recordings]
Eine neue Werkschau des umtriebigen Minimal-/JackHouse-Imprints Poker Flat Recordings
bedeutet immer zweierlei - zum einen einen musikalischen Wegweiser für
den nächsten Schritt in der Entwicklung des Labels, zum anderen auch die
Einführung neuer Künstler in der Poker Flat-Gemeinde, die im Rahmen
einer derartigen Compilation oftmals ihr Labeldebut bestreiten - in
diesem Falle Donnacha Costello, Patrick Chardronnet vs. Afrilounge und Argy,
die jeweils einen Track zum vorliegenden Doppelvinyl beisteuern.
Musikalisch steht natürlich, wie nicht anders zu erwarten, das Konzept
Minimalismus nachwievor über allem, jedoch mit anderem Schwerpunkt als
in den letzten zwölf Monaten. Nicht mehr Chicago und Jack dienen als
zwingende Referenzpunkte dieser 2x12", vielmehr entfaltet sich ein
Kosmos des "Happy Minimalism" mit verspielterem Ansatz, der sich vor
längerer Zeit schon einmal mit Jeff Samuel's "Blap E.P." und Guido
Schneider's "Triple Bolted" einen Weg ins Poker Flat-Universum gebahnt
hatte. Wegweisend für die Zukunft? Die Zeit wird es zeigen..
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.03.2005
Freitag, 5. Dezember 2014
Krumble - In Memory Of / Sans Soleil [Jungle Therapy 007]
DJ Krumble, seines Zeichens Kopf und Intiator des französischen DarkJungle-Imprints Jungle Therapy, präsentiert sich auf der mittlerweile siebten Veröffentlichung des Labels auf gewohnt hohem Qualitätsniveau. "In Memory Of",
die A-Seite der auf 500 Exemplare limitierten Vinylscheibe, kommt als
zerchoppter DarkJungle-Tune mit nahezu statischer Bassline daher und
führt beim Dancefloor Einsatz unmittelbar zum absoluten BrockOut,
während "Sans Soleil" - ebenso düster wie der Titel es vermuten
lässt - überraschenderweise mit zerschossenen CutUp-HipHop-Beats
experimentiert, diese zerstört, komprimiert und verzerrt, timestretched
und zerlegt das es eine wahre Freude ist. Killer!
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005
Samstag, 29. November 2014
Krumble - My Funny Dead Cat [Damage 007]
Nach seiner überaus erfolgreichen 12" "The Discobreaker" veröffentlicht DJ Krumble nun seine zweite E.P. auf Damage,
dem DarkJungle-Offshoot des französischen Breakcore-Mutterlabels Peace
Off. Alle drei Tracks basieren auf maximal beschleunigten Amenbreaks,
die massivst durch den CutUp-Wolf gedreht und dann nach Belieben mit
diversen RaggaJungle-orientierten Sprachsamples garniert werden, die
der zerstörerischen Wirkung der Beats noch eine Prise sommerlicher
Athmosphäre beifügen und diese so auch nicht DarkJungle-affinen
Konsumenten schmackhaft machen. Pflichtkauf für alle Freunde der etwas härteren Breakbeat-Schule.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 19.03.2005
Donnerstag, 20. November 2014
Der Tante Renate - 666 Deluxe [Audiolith 012]
Whitelabel, per Hand durchnummeriert - No. 4/10 rotiert gerade auf dem
Plattenteller des Rezensenten - , weder Tracktitel angegeben noch mit
dem üblichen Waschzettel für Presseheinis versehen, doch dafür mit
feinstem handgemachtem Schablonen-Spray-Artwork versehen, macht die
Promo der neuen Veröffentlichung "Der Tante Renate" auf dem Hamburger "Irgendwie Alles"-Label Audiolith
schon optisch etwas fürs Sammlerherz des Vinylfetischisten her, doch
auch musikalisch geht hier einiges, wie mensch in der Hansestadt zu
sagen pflegt. Am Anfang steht die Frage "Ist das noch Band oder schon
Elektrotanzprojekt?" und wird mit "Auch" beantwortet. Zwar lassen manche
Tracks/Songs - aber letztere ohne Text [sic!] - durchaus klassische
Strukturen erkennen und erinnern zuweilen an das Jeans Team in seinen
besten Anfangstagen (erinnert sich noch jemand an die beiden 7"es auf
dem Berliner Label Nadel Eins ???), doch schon bei der nächsten Nummer
hat der Alter Ego'sche Rocker und auch die Electroclash-Partysau vom
Kaliber eines DJ Hell durchaus Freude am Tanzen. Die meisten Tracks liegen irgendwo dazwischen, tanzen auf jeder Party
und laden manchmal auch die Familie der alten Low-Fi-Geräte ein, weil
die ja immer so schön quietschige Klänge machen wenn die sich freuen. Das kann mensch dann gut finden oder manchmal auch nervig, wenn einem
der Sinn gerade nicht nach extrem quirlig aktiver Musik steht - generell
sei der Selbstversuch jedoch empfohlen an dieser Stelle.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 08.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 08.03.2005
Samstag, 15. November 2014
The Dance Inc. - Looking Like That [Audiolith 011]
Audiolith - die Elfte. Zur optischen Erscheinung des
Promoexemplars bitte in der Review zu "Der Tante Renate" nachlesen und
musikalisch eine andere Schublade öffnen mit der Aufschrift: "Elektropop, tanzbar".
Geeignet auf jeden Fall für Konsumenten, deren 80's Bezug sich nicht aus dem Konsum irgendwelcher retrospektiven "Best Of..."-Compilations rekrutiert, sondern die tatsächlich noch mit Synthpop im klassischen Sinne sozialisiert sind. Natürlich mit einem behutsamen Update versehen in Sachen Tanzflächentauglichkeit, aber immer noch mit deutlichem Bezug auf Artists wie z.b. Marc Almond liefern "The Dance Inc." hier insgesamt fünf Tracks auf 12"-Vinyl, die eine Brücke schlagen zwischen alter Schule und neuer Attitude, Heimkonsum und Clubaktivität - sprich: jeder denkbaren Zielgruppe einen Zugang ermöglichen ohne sich anzubiedern. Angenehm
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005
Geeignet auf jeden Fall für Konsumenten, deren 80's Bezug sich nicht aus dem Konsum irgendwelcher retrospektiven "Best Of..."-Compilations rekrutiert, sondern die tatsächlich noch mit Synthpop im klassischen Sinne sozialisiert sind. Natürlich mit einem behutsamen Update versehen in Sachen Tanzflächentauglichkeit, aber immer noch mit deutlichem Bezug auf Artists wie z.b. Marc Almond liefern "The Dance Inc." hier insgesamt fünf Tracks auf 12"-Vinyl, die eine Brücke schlagen zwischen alter Schule und neuer Attitude, Heimkonsum und Clubaktivität - sprich: jeder denkbaren Zielgruppe einen Zugang ermöglichen ohne sich anzubiedern. Angenehm
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005
Samstag, 8. November 2014
Bernhard Schreiner [Reduktive Musiken 005]
File under: Experimentelles Hörvergnügen. Das Hamburger Label Reduktive Musiken - Heimat diverser, der experimentellen, elektronischen / elektroakustischen Musik verpflichteten Acts wie z.b. Totstellen oder Audible Pain - veröffentlicht nun einen kompletten Konzertmitschnitt des Klangforschers Bernhard Schreiner aus der Hamburger Hörbar mit zwei zusätzlichen Bonustracks als Full Length-CD. Die sechs Livetracks, konsequent als # 1 bis # 6 durchnummeriert,
stammen alle aus dem August 2003 und bewegen sich konsequent jenseits
dessen, was der Normalkonsument als "Musik" definiert. Vielmehr geht es
hier um die Modifikation des Klangs, des Geräusches an sich, welches
sich quasi in mehreren rhythmischen Schüben über den Einzeltrack
verteilt aufbaut und immer weiter durch die Zugabe von hochdigitalen
Noises und/oder gemeinhin als Clicks'n'Cuts bekannte Sounds ergänzt
wird. Das Resultat dieses Prozesses klingt selbstredend sehr abstrakt und wird
vor allem einer Hörerschaft gefallen, die Musiker wie Pan Sonic oder
auch Carsten Nikolai/Alva Noto zu ihren Favorites zählen. Ebenfalls abstrakt und doch mehr konzeptorientiert sind die Bonustracks
"11'33" und "Low Guitar Code", wobei sich letztgenannter vollends der
mikrotonalen Bearbeitung von Gitarrensamples unter Zuhilfenahme
verschiedenster Filter widmet und diese derart fragmentiert, das der
Rückbezug auf die Gitarre als Source Material nur dank des beiliegenden
Waschzettels möglich ist. Für Theoretiker und Liebhaber der totalen Abstraktion empfohlen.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 01.03.2005
Freitag, 31. Oktober 2014
HP.Stonji - Melaina Chole Remix EP [Phantomnoise Records 011]
HP.Stonji - dieser durchaus seltsame Künstlername steht für die Zusammenarbeit der nicht unbekannten Elektronikmusiker Hans Platzgumer und E.Stonji, deren gemeinsames Album "Melaina Chole" im letzten Jahr als Full Length-CD auf dem Schweizer Label Spezialmaterial erschien. Die Remixe zum Album liegen nun in Form einer 6-Track E.P. auf dem von vielen Seiten geschätzten Leipziger Fakecore-Imprint Phantomnoise Records vor und werden von einer illustren Reihe von Künstlern aus dem Umfeld desselben bestritten. The Vaporizer, LXC, Mimaku Spldat, _filbert, Scarcubem und Intricate
bewegen sich mit ihren Neuinterprationen im Spektrum zwischen sehr
experimentellem Downbeat, netten kleinen Plinkermelodien und
Electronica/IDM, liefern allesamt sehr athmosphärische Tunes ab und
machen diese E.P. zu einem durchaus empfehlenswerten Tonträger, der sich
aus einer Flut eher belangloser Electronica-Veröffentlichungen
wohltuend hervorhebt.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Donnerstag, 23. Oktober 2014
incite/ - Procedure / Neop [incite.gradcom.org]
Die Hamburger Experimentalmusiker Andre Aspelmeier und Kera Nagel
- solo verantwortlich für die Projekte GradCom und Axiomatic
Integration - veröffentlichten jüngst in Eigenregie die erste 7" ihres
gemeinsamen Projektes incite/. Limitiert auf dreihundert
Exemplare auf grauem bzw. grau-marmoriertem Vinyl spricht die Musik des
Duos vor allem Freunde der experimentellen Elektronik an. Rhythmusgeprägt, doch im Regelfall nicht tanzbar, lässt sich die
Soundästhetik der beiden Künstler am treffendsten mit dem
onomatopetischen Ausdruck "Knorkeln" beschreiben. Verortet in der
Grauzone zwischen Pan Sonic, ambient-orientiertem Rhythm Industrial und
der Mille Plateaux'schen Variante der Clicks'n'Cuts erschliessen beide
Tracks hochdigitale Klangwelten, die sich dem ungeübten Konsumenten nur
schwer öffnen, Liebhabern jedoch einen echten Hörgenuss verschaffen.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Samstag, 18. Oktober 2014
Sole - Live From Rome [Anticon. Promo]
Sole, Mitglied des hochgeschätzten Anticon.-Kollektivs, das seit einiger
Zeit die Welt der elektronischen Musik mit seiner Interpretation des
Leftfield-HipHop aufrollt. Leftfield HipHop? Sprechgesang mit eindeutig
von abstrakter Electronica beeinflussten Beats, abstrakten Lyrics und
einem nicht immer zu leugnenden Folk- Einfluss. Zitat gefällig? "Debbie Gibson will make an electronica comeback. Ice Cube will go
feminist. Solar Panels will be declared unconstitutional. How many moms
can you fit on a picket line with 'blood for oil' signs? This movement
is a joke..." (aus: Predictions"). Hier ist Consciousness nicht nur Floskel, sondern bewusst gewählte Eigenschaft, genaues Hinhören erwünscht und gefordert. Bei 17 Tracks in 55 Minuten ein nicht immer einfaches Unterfangen das
den Konsumenten fordert, die Anstrengung aber auf jeden Fall lohnt und
gerade auch dem Nicht-HipHopHead neue Perspektiven auf den
Variationsreichtum des kontemporären Sprechgesang eröffnet. Angemerkt sei zuletzt das "Live From Rome" weder ein Live-Album
darstellt, noch in Rom aufgenommen ist. Vielmehr entstand das Album im
Pendelverkehr zwischen Oakland, Kalifornien und Sole's neuer Wahlheimat
Barcelona, Spanien.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005
Samstag, 11. Oktober 2014
Audision - Spectral Face E.P. [Playmade Minus 007]
Audision, Kollaborationsprojekt der beiden Wahlhamburger Produzenten Tobias Schmid und Niko Tsoukmanis, veröffentlicht auf dem in Augsburg beheimateten Label Playmade Minus, seines Zeichens wiederum das experimentelle Outlet des Mutterlabels Playmade, nach längerer Wartezeit nun endlich die "Spectral Face E.P.", die sich schon nach den ersten Umdrehungen auf dem Plattenteller als sogenannter Future Classic entpuppt. Verträumt-melancholischer Minimaltechno Dial'scher Prägung - um im
Querverweis auf ein weiteres empfehlenswertes Hamburger Label bezug zu
nehmen - dessen Beatstrukturen nicht immer zwingend dem Geradeaus-Dikat
der 4-2- the-Floor-Bassdrum folgen, sondern auch dem weiten Feld der
Electronica Tribut zollende Brüche zulässt oder sich wie bei dem
B2-Track "Yellow Sunset" ganz dezent auf Piano-Ambient bezieht,
um die von Kompakt geprägte Begriffsbestimmung "Popambient" an dieser
Stelle zu vermeiden. Sowohl für den anspruchsvollen Dancefloor zu sehr früher oder wahlweise
auch sehr später Stunde geeignet, aber auch als reiner Hörgenuss für
audiophile Homelistener zu empfehlen.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Samstag, 4. Oktober 2014
Dälek - Absence [Ipecac Promo]
HipHop jenseits jeglicher Konventionen - lauter, experimenteller, druckvoller und verstörender als alles bisher dagewesene. Alles? Eine Ausnahme gibt es: Techno Animal, aber mit genannten haben
Dälek natürlich schon vor Jahren kollaboriert, ebenso mit der legendären
Krautrock-/Noise-/Experimental-Formation Faust mit denen unlängst eine
gemeinsame 7" auf dem Berliner Label Bomb Mitte veröffentlicht wurde. Was bedeutet das für das Jetzt, die aktuelle Veröffentlichung? Dälek's
Produktionen scheren sich noch immer keinen Deut um die cleane Slickness
mainstream-orientierter US-Produktionen und die coole Gangstah-Attitude
der dazugehörigen Protagonisten. Vielmehr dominieren bedrohliche, von Störgeräuschen und Industrial
geprägte Soundkulissen das Klangbild, in ihrer endzeitlichen Wirkung von
tonnenschweren Beatgerüsten verstärkt, die auf beängstigende Weise von
eindringlichen Lyrics begleitet werden. "If You Remember HipHop, Nigga - Nuff Respect" findet als Statement zur
mittlerweile verwässerten Kultur ebenso Platz wie der Slam Poetry
verpflichtete lyrische Abstraktionen, die allein durch die Intensität
der Stimme wirken. Gehört in jede Plattensammlung.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 25.02.2005
Montag, 29. September 2014
DJ Liffe - New.Brand.Flex [Loop Recordings]
Grime - für den viele Insider der heisseste Scheiss around, für den
Grossteil der Konsumenten elektronischer Musik noch absolutes Neuland,
da sich dieses im weitesten Sinne als UKGarage-Derivat zu bezeichnende
Genre leider bisher kaum auf den Plattentellern deutscher DJ's
geschweige denn in rauhen Mengen beim Vinyldealer nebenan findet. Doch das ändert sich hoffentlich in Bälde, da sich mit dem Plasticman-Remix - nein, das ist nicht Richie Hawtin - von Alter Ego's "Rocker" nun
der erste Grime-Riddim quasi durch die Hintertür ins Bewusstsein der
Allgemeinheit schleicht. DJ Liffe zeigt hier anhand zwei Versionen des "New.Brand.Flex."- Tunes auf, warum Grime zur Zeit als das most upfront Genre in Sachen elektronischer Tanzmusik gehandelt werden muss. Reduziert bis auf die nötigsten Elemente entwickelt der Riddim allein
anhand einer kurzen modulierten Melodie mit Sägezahnfilter einen
quasi-hypnotischen Sog und öffnet auf bedrohliche Weise riesige Räume in
denen nichts als die ewige Finsternis lauert. Die Flipside verzichtet dann vollends auf jegliche Art von Beats und
entwickelt trotzdem einen unwiderstehlich dunklen Groove der kein
Tanzbein unbewegt lässt. Pflichtplatte sowohl für Grime-Addicts als auch für neugierige
Einsteiger und lässt sich DJ-wise perfekt mit dem oben genannten
Plasticman-Remix von "Rocker" kombinieren.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Samstag, 27. September 2014
50 Cent - Candy Shop [Shady Records]
Dem im März erscheinenden Album "The Massacre" schickt Eminem-Zögling 50 Cent als Teaser den "Candy Shop"
voran, der in gleich vier Versionen auf 12" Vinyl gebannt wird. Allen
anderen vorangestellt wird - natürlich - die "Explicit Album Version",
die keinen Zweifel daran lässt das mit dem Satz "I let you lick the
lollipop" definitiv keine Süssware gemeint ist, sondern die durchaus
kreative Beschreibung eines Blowjob. Im gleichen Tenor und in 50 Cent's gewohnt hypnotischen Reimstil geht es
weiter über extrem reduzierten Beats, versetzt mit einem kurzen, leicht
orientalisch wirkenden Sample, so das der Tune auch als Instrumental
eine durchaus gute Figur abgibt. Für die prüderen HipHop-Headz unter uns finden sich auf der Flipside
dann noch die Versionen "Clean Album" und "Super Clean Radio Edit", die
sich das Label nach Ansicht des Rezensenten durchaus hätte sparen
können, da zensierte HipHop-Tracks eigentlich ähnlich überflüssig sind
wie ein Paar Langlaufski in der Wüste.
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
Gastreview für M-Conspiracy , veröffentlicht am 26.02.2005
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