Kuduro ist angekommen in der
elektronischen Tanzmusik. Nicht zuletzt dank der Wellen, die das
Buraka Som Sistema in den Clubs dieser Welt geschlagen hat und schon
längst wird der ursprünglich aus Luanda stammende Style in den
verschiedensten Varianten der westlichen Clubmusik neu und
re-interpretiert, mit Bestehendem verschmolzen oder auch nur partiell
adaptiert. Und so ist es mehr als folgerichtig das nun J-WOW als Teil
der Buraka-Posse dieses Phänomen in Form einer ungemixten
CD-Compilation neu beleuchtet und dabei seine persönlichen Favoriten
und Lieblingsproduzenten mit ins Boot holt. Bekannte Namen wie Bok
Bok, Poirier oder der immer wieder gern gehörte Seiji sind ebenso
dabei wie jene unter dem Radar der allgemeinen Wahrnehmung agierende
- Kry Wolf, Oliver Twizt & DJ Rockid oder WILDLIFE! seien hier
nur beispielhaft genannt. Das geht mal tierisch nach vorne, nervt
auch mal ungeheuer dank quietschender Sirenen und billig wirkender
Bleeps, übt aber aufgrund der rhythmischen Struktur und des leicht
stolpernden Grooves eine nahezu unwiderstehliche Faszination aus. Als
Dauerbeschallung im Club in dieser Form vielleicht etwas zuviel des
Guten, als Überblick über die aktuelle Entwicklung jedoch höchst
interessant.
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 11. April 2021
Sonntag, 4. April 2021
Grasscut - Unearth [Ninja Tune]
Nach dem Monsterrelease von Amon Tobins
Boxset setzt man im Hause Ninja Tune im Juli mit der Veröffentlichung
des zweiten Grasscut-Albums auf elektronisches Shoegazing und
nebelverschwommenes Songwritertum, teils mit klassischen Instrumenten
wie Violinen angereichert, teils mit intimer
Campfire-Indie-Orientierung, immer jedoch extrem zart, fast
zerbrechlich in den Strukturen und niemals auch nur im Ansatz
extrovertiert. Eigentlich ein Album für den Frühherbst, nicht für
den Hochsommer. Schön.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 28. März 2021
Taragana Pyjarama - Tipped Bowls [Kompakt]
Dänemark ist das neue Island.
Scheinbar. Denn es vergeht kaum ein Tag an dem unser nördlicher
Nachbarstaat nicht wieder ein neues musikalisches Talent ausspuckt,
das mit mehr oder weniger Recht Beachtung fordert. Nun also Nick
Eriksen, der sich zwar mit Taragana Pyjarama ein a) unmerkbares und
b) Zungenverknotung provozierendes Pseudonym zugelegt, es damit aber
nichtsdestotrotz schnell in den Aufmerksamkeitsfokus von James
Holden, Anders Trentemöller und vor allem auch Kompakt-Head Michael
Mayer geschafft hat. Auf dem Kölner Label erscheint auch Nick
Eriksens Album-Debut „Tipped Bowls“, dessen Wirkung allerdings
eigenartigerweise schon vor dem Ohr des Rezensenten völlig verpufft
und nur das vage Gefühl hinterlässt, in den letzten 45 Mnuten eine
lose, nicht wirklich schlüssige Aneinanderreihung irgendwie
verschwebter Elektroniktracks gehört zu haben, von denen nicht einer
im Gedächtnis geblieben ist. Gehört und sofort wieder vergessen.
Passiert auch selten.
3/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
3/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 21. März 2021
Advanced Human / Developer - Counter Pulse Series 4 [Counter Pulse 004]
Techno. Schweden. Und Chris McCormack
zeichnet verantwortlich für das Mastering. Alles in allem kann
mensch bei dieser Kombination wohl von guten Vorzeichen sprechen und
auch wenn der ganz große Wurf nicht stattfindet gibt es doch
druckvoll-funktionale Technotools mit angedeuteten Signalen und
zuweilen rauschenden Hallfahnen, die durchaus zur Primetime ihren
Dienst tun. Musik für Puristen.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 12/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 12/2012
Montag, 15. März 2021
Theremynt - Space Control [Neopren Records]
„Space Control“ – der Name der
zweiten Theremynt-Veröffentlichung auf dem schweizer Label Neopren
Records allein deutet die Richtung der musikalischen Reise schon an.
ItaloDisco und schwebender SynthesizerPop der retrofuturistischen
Sorte synth hier Programm, das Equipment analog und spätestens beim
„Mary & Johnny“-Cover ist der Zeitsprung in die 80er vollends
vollzogen. Das klingt natürlich alles nicht neu, ist auch schon mehr
als einmal dagewesen, macht aber trotzdem immer wieder Spass und
verursacht ein warmes, nostalgisches Ziehen in der Brust, selbst wenn
mensch auf eine Veröffentlichung wie diese nicht unbedingt gewartet
hat. Retro galore und mit „Orbital Journey“ ist sogar ein kleiner
potentieller AcidTrance-Hit mit im Gepäck. Nice.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 7. März 2021
Quantec - 1000 Vacuum Tubes [Elux]
Sven Schienhammer a.k.a Quantec,
Liebhabern in Sachen DubTechno und artverwandten Spielarten
elektronischer Musik unter diesem Pseudonym schon lang kein
Unbekannter mehr, nun also in 2012 mit einem neuen Album auf Elux und
es ist fast nicht zu glauben, dass sein letzes Werk in diesem Format
schon wieder drei Jahre zurückliegen soll; zu präsent klingen die
letzten Werke noch in den Ohren des Rezensenten nach – mit
positivem Grundtenor. An diesem ändert sich auch nach dem Genuss der
„1000 Vacuum Tubes“ nichts, denn auch hier liefert Schienhammer
wieder elf DubTechno-Variationen in gewohnt hoher Qualität. Bis auf
das gebrochene „Ayahuasca“ weitgehend auf der Basis mal mehr, mal
weniger treibender 4-2-The-Floor-Konstrukte aufgebaut, geht es auf
diesem viel und immer wieder gern beackerten Gebiet natürlich seit
Jahren nur noch um leicht veränderte Nuancen und die Perfektion der
technischen Ausführung, aber genau diese minimalen Pointierungen
schüttelt Quantec derart leicht und unbeschwert aus dem Handgelenk,
dass es immer wieder eine Freude ist, ihm dabei über einen längeren
Zeitraum zuzuhören. Gern auch mit der Hand am Repeat-Knopf, denn das
hier ist DubTechno in zeitloser Reinkultur.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 28. Februar 2021
Kristian Heikkila - Kombinations [EPM]
Techno. Album. Digitalformat.
Schwierige Kombination, da viele Künstler dieser Tage immer wieder
beklagen, dass die Digitalisierung des Musikkonsums das Albumformat
aufgrund der Fokussierung auf einzelne Tracks als konzeptionell
redundant und altbacken erscheinen lässt. Dieser Aussage ist der
Wahrheitsgehalt wohl nicht abzusprechen und trotzdem lässt sich der
Schwede Kristian Heikkila, zu 50% Teil des auch auf AFU Lab
veröffentlichenden Duos Kristian & Christian, mit seinem
Debutalbum auf dieses Experiment ein, liefert dabei grundsoliden
Techno / TechHouse der treibenden Sorte, bezieht sich auf Deepness
und Minimalismus ohne diesen allzu offensichtlich zum Konzept zu
erheben, verzichtet auf überflüssige Staffage und gibt den
Verfechtern der sogenannten New Wave Of Techno insgesamt 12 Tracks
für die späte Primetime an die Hand, die im richtigen Moment
eingesetzt wohl mehr als nur ein paar Ärsche auf dem Tanzflur
bewegen. Vinyl bitte nachschieben. Oder zumindest eine Auskopplung
mit dem Track „Kult“, der wohl das grösste 12“-Potential des
Albums hat.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 21. Februar 2021
Opus Leopard - Walküre [Up To The Sky]
Durchgefallen. Unabhängig davon ob das
jetzt Konzeptkunst, Novelty oder im allerschlimmsten Fall sogar Ernst
gemeint ist, denn das Sprechsingen von Schickeriatexten mit Wiener
Schmäh überlassen wir dann doch lieber dem längst verstorbenen
Original. Schlechte Falco-Kopien braucht die Welt nicht im Ansatz und
Zeilen wie „Du hast zwar schöne Schuhe, doch ein Herz das hast Du
keins.“ auch nicht. Gäbe es hier Negativpunkte wäre das
mindestens eine -8 auf der nach unten offenen Facepalm-Skala. Voll
verdiente
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Samstag, 13. Februar 2021
Marie Madeleine - Ural Baikal Amour [Ekleroshock 038]
Coverartwork: Junge Frau mit
abgeschnittenem Gesicht auf einem Bootssteg, bekleidet nur mit
weissem, fast durchsichtigen Spitzenbody. URL der Band endet mit .xxx
. Ein Schelm, wer da nicht Lunte riecht und tatsächlich deutet sogar
der Waschzettel eine erotische Reise in der Transsibirischen
Eisenbahn als Thema an. Und ein gewisser Sex-Drive ist Marie Madeleine
mit ihrem hormonell aufgeheizten ElectroClash- / Wave-Crossover
tatsächlich nicht abzusprechen, der auch im Goth- und Indie-Kontext
durchaus Freunde finden dürfte. Auf der Remix-Seite machen die The
Rapture-Buddies Populette und Rubinskee die Dinge unter sich aus
während Les Petits Freres De l’Ocean Indien - bitte französische
Tüddelchen an der richtigen Stelle einsetzen, danke – den Song
„Winter Skies“ gleich komplett neu einspielen, dabei auf fragile
female Vocals und ein ebenso zerbrechliches Skelett aus analogen
Synthesizern und leicht electroiden Beats setzen, die dem Song ein
komplett neues Gesicht verpassen. Kann mensch so machen.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 7. Februar 2021
Elef - Nuff Said [Carry On 004]
Auch wenn sich die Frage stellt, warum
ein Label Promo-CDs in diesen Tagen mit .wav- anstatt mit .aiff
–files verschickt, liefert Elef hier streng genommen solide
House-Kost für die kleinen intimen Clubs dieser Welt ohne in diesen
grosse Aufregung zu verbreiten. „Black Hole“ im Original ist
weichgezeichnet für die ganz frühen Morgenstunden, auch wenn die
gedoppelte Clap tendenziell ein wenig nervt. Dafür liefert Gerd im
Remix dann ein sexy forderndes Brett mit Chicago-Bezug und zitiert in
der Machart die Klassiker des Genres, speziell die der späten 80er
Jahre, während der Titeltrack ebenfalls housey und durch den ganz
speziellen Nebelfilter daherkommt, der Elef-Produktionen dieser Tage
ausmacht. Ausserdem als Remixer dabei: die britischen Zoo Look,
ebenfalls leicht vernebelt und mit einer Prise Chicago in ihrem
DeepHouse-Ansatz. Gute
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 31. Januar 2021
Various Artists - Muchas FATcias Part 1 & 2 [Freude Am Tanzen]
Mit vollem Elan startet die Freude Am
Tanzen-Posse in den Sommer und schickt ihre zweiteilige „Muchas
FATcias“-Serie in das Rennen um die beste Bikinifigur. Mitmodeln
dürfen unter anderem das Krause Duo, Juno 6, Douglas Creed und
Feindrehstar und beackern ein musikalisches Feld zwischen stoischem
MinimalTechno im ursprünglich kölschen Wortsinn, croonendem
Piano-Zeitlupen-Downbeat mit fast schon übertriebener Sleazyness
und vertripptem Jazzfaktor, der auch der legendären „Showroom
Recordings Series“ auf Cheap gut zu Gesicht gestanden hätte,
liefern aber auch dezent, unaufgeregt pumpenden House, einen
überraschenden Ausflug der Monkey Maffia in Richtung UK Funky und
den ein oder anderen Filler auf zugegeben hohem Niveau. Nicht
zwingend essentiell, aber doch eine gute Ergänzung fürs heimische
Plattenregal.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 07/2012
Sonntag, 24. Januar 2021
Blacks On Blondes - How To Escape From A New Age World [Rotraum Music]
Soso, Blacks On Blondes. Was im ersten
Moment nach einem nicht sonderlich kreativen Pornofilmtitel klingt
entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als das Pseudonym eines Herrn
namens Yannick De Ka Moulage, der hier ein durchaus solides aber
leider auch langweiliges 124BPM Housealbum vorlegt. Durchlaufend wie
ein DJ-Mix präsentiert hört mensch den sechzehn Tracks ihre
Entstehung in einem ibizenkischen Studio durchaus an, stellt aber
ebenso schnell fest, dass diese – wie tausende andere Tunes auch –
eben auf genau diesen balearischen Markt zugeschnitten sind und als
quasi austauschbare Massenware ausserhalb von Beachclubs und
Terrassenparties sehr schnell ihre Berechtigung verlieren, weil das
so in der Form nach der 100sten Ibiza-Compilation eigentlich schon
seit vielen Jahren niemand mehr so richtig braucht. House Muzak, ohne
Schreibfehler.
5/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Sonntag, 17. Januar 2021
A Thousand Vows - I RMX U [Samplefreunde 018]
A Thousand Vows kommt aus Oldenburg.
Auch wenn niemand so recht weiss, wo das eigentlich ist. Von diesem
nebulösen Ort aus kontaktiert er Bands und Projekte weltweit, um
deren Musik in sein ureigenes Soundgerüst zu betten, das irgendwo
zwischen Backpacker-Beatscience a la Anticon., verträumter
Indietronica und dem weitgefasst-schwammigen WitchHouse-Universum
verortet ist und so trifft es sich auch nicht schlecht, dass sich
unter den so neu Bearbeiteten neben eher unbekannten Acts wie Kirrin
Island, Monster Rally oder Billion One auch der Anticon.-Rapper Sole
befindet. File under: Frühherbstliche Befindlichkeitsmusik für Fans
von Burial, Nicolas Jaar oder John Talabot. Oder für Dates mit
introvertierten Indiemädchen.
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
6/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Sonntag, 10. Januar 2021
Amon Tobin - Amon Tobin Boxset [Ninja Tune]
15 Jahre Amon Tobin. 15 Jahre
elektronische Musik auf höchstem Niveau, Kollaborationen mit Philip
Glass und Ryuichi Sakamoto, Arbeiten auf dem Sektor der Film- und
Videospielmusik und nun für Ninja Tune Anlass für die wohl
ambitionierteste Retrospektive der Labelgeschichte – ein
limitiertes, massiv-mechanisches Boxset mit sechs 10“es, sieben CDs
und zwei DVDs, vollgepackt mit weitgehend unveröffentlichter Musik
aus der Feder von Amon Tobin. Ein wahres Fest für Fans und Sammler,
dem die vorliegende Promo-CD mit insgesamt 14 Tracks aus dem
Gesamtpaket aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal im Ansatz
gerecht werden kann, trotzdem jedoch die ganze Grossartigkeit des
Projektes zwischen TripHop und Drill’n’Bass zumindest erahnen
lässt. Anspieltips: „Lost And Found (Colin Stetson’s The Thief
Redux)“ / Ryuichi Sakamoto „Grief (Amon Tobin Remix)“ /
„Bloodstone (Royal Albert Hall Live)“
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
9/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Freitag, 1. Januar 2021
Still Flyin' - On A Bedroom Wall [Staatsakt]
Pop. 80er. Auf dem Waschzettel Verweise
in Richtung New Order, Tears For Fears, Ultravox. Grundsätzlich sind
das schon mal die richtigen Stichworte und wenn Haima Marriott of
Architecture In Helsinki-Fame als Produzent noch ein wenig Indie der
harmloseren Sorte dazurührt heisst das Ergebnis „On A Bedroom
Wall“, taugt für einen verliebten Sommer auf der Tanzfläche und
unter Umständen auch für einen kleinen Ausflug ins gute
Daytime-Radioprogramm („Spirits“), ist aber leider letztendlich
doch zu wenig eigenständig für’s Langzeitgedächtnis, auch wenn
die gesamte Platte so angenehm vertraut klingt wie die Stimme einer
guten alten Freundin. Me likey.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Sonntag, 27. Dezember 2020
Caravan Palace - Panic [Embassy of Music]
ElectroSwing, GypsyJazz und der von mir
gern spasshaft so geschimpfte Zigeunertechno gelten vielerorts als
Sound der Stunde, bescheren Veranstaltern volle Häuser und liessen
auch das Erstlingswerk der Formation Caravan Palace laut Presseinfo
mehr als 150.000 Mal über den Ladentisch wandern. Ein Erfolg, der in
ähnlicher Weise wohl auch dem jüngst veröffentlichten Nachfolger
„Panic“ blühen könnte, kombiniert er doch anfangs genannte
Elemente mit klassischem und hochgepitchtem Swing und trifft damit
den sogenannten Nerv der Zeit. Ebendieser geht dem Rezensenten aber
nach spätestens 2 Songs ganz gehörig auf den Sack, sorgt in seiner
comichaften Überdrehtheit für gewaltig schlechte Laune und das
Bedürfnis als Gegenmittel hintereinander mindestens zwei LPs von
Merzbow oder V/Vm zu hören – bei maximaler Lautstärke. Falscher
Ansprechpartner, daher kein Recall. Furchtbare Musik.
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
0/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Dienstag, 22. Dezember 2020
Mittekill - All Bored, Weak And Old [Staatsakt.]
Lieb meets lo-fi. Semi-elektronischer
Befindlichkeitsindie mit Verständnis für Sehnsucht, Herzschmerz,
Songwritertum und die grosse Gefühlsduselei nach der Pille zu
viel. Ketaminblues für genau den Moment wenn beim ersten Aufstehen
nach drei Tagen wach Musik zwar muss, aber die gerade Bassdrum eben
doch noch nicht so richtig wieder geht. Und beim Blick auf die Uhr
des antiken iBooks des übermüdeten Schreiberlings entwickelt sich
ein Titel wie „Jtzt wrd gfckt“ sogar zum 01:30 a.m.-Minihit. Ob
das ausgeschlafen auch geht? Der Zweifel nagt bei Songs wie „Jobs“
und „Baby Rok“. Dem Zustand geschuldet und jede Verantwortung
ablehnend vergebe ich trotzdem...
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Dienstag, 15. Dezember 2020
DAT Politics - Blitz Gazer [Sub Rosa 342]
Let’s party like it’s 1999. Passt
irgendwie, denn seit eben diesem Jahr rocken DAT Politics mit ihrer
8bit-infizierten, zuweilen auch hypernervösen Interpretation von
Synth- und RoboterPop die Tanzflächen und vor allem Live-Bühnen
dieser Welt. Nun holen sie mit ihrem neuen Album „Blitz Gazer“
zum erneuten Rundumschlag aus, gewohnt verortet zwischen Trash und
Catchiness und gefangen in einer ewigen Zeitschleife zwischen
Micromusic, Bodenständig 2000, dem frühen Jeans Team und einer
nahezu Plemo’esquen Vorliebe für zuckersüssen Kitsch. Auch
geeignet für Fans von kontemporären Bands wie Bondage Fairies und
wäre 1999 nicht schon so lange her sogar beinahe grossartig.
Charming, aber nach 13 Jahren Konsequenz leicht angestaubt klingend
verdienen sich DAT Politics mit „Blitz Gazer“ trotzdem noch gute
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 05/2012
Mittwoch, 9. Dezember 2020
SCSI-9 - Metamorphosis [Klik Records]
Die russischen SCSI-9 veröffentlichen
ihren fünften Longplayer nun also auf dem griechischen Label Klik
Records und lassen schon mit dem ersten Track des Albums –
passenderweise „Intronome“ benannt – die Ohren des Rezensenten
weit aufgehen, lassen sich doch Parallelen zu legendären
Veröffentlichungen wie der „Showroom Recording Series #01“ auf
dem Wiener Label Cheap Records oder der ersten „Future Sound Of
Jazz“-Compilation bei diesem Stück angedubbtem Future Jazz nicht
verleugnen. Ab dem zweiten Track übernimmt dann doch wieder – im
ersten Moment ist der Gebrauch des Wörtchens „leider“ fast
naheliegend – die gerade Bassdrum, auf deren Basis das Duo jedoch
anmutig frostig-filigrane Flächenkonstrukte oder warm angedubbte
House-Ästhetiken schichtet, die nach dem Genuss von „Metamorphosis“
im heimischen Ohrensessel den Griff zur Repeat-Taste fast zur
automatischen Bewegung werden lässt. Durchaus angenehm.
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2012
7/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2012
Donnerstag, 3. Dezember 2020
Addison Groove - Transistor Rhythm [50 Weapons]
Das lang überfällige Electro- und
GhettoBass-Revival ist in vollem Gange und einer der Schuldigen ist
Addison Groove, der mit seinem Tune „Footcrab“ quasi aus dem
nichts eine neue Welle der Begeisterung für ebenjene Musiken
auslöste. Auch wenn die Kids und Hipster heute aus welchem Gründen
auch immer Juke oder Dubstep schreien, der alte Gärtner kennt seine
Kräuter und weiss noch immer ganz genau welche Pflänzchen dieser
musikalischen Mischung die besondere Würze verleihen. Dreckige
Vocals, dicke 808-Drums und ein gehöriger Schuss Unformatted Breaks
/ South London Bass im Sinne von Acts wie Neil Landstrumm, Michael
Forshaw oder alter SMB- / Deadsilence-Releases gehören sicherlich
dazu. Und eine gesunde Härte, damit es nicht nur im Club sondern
auch auf illegalen Warehouse-Raves ordentlich knallt. Das tut es. Am
liebsten in grossen Industriehallen damit sich der Bass auch richtig
entfaltet und die morschen Fenster ordentlich scheppern.
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2012
8/10 Points
Gastreview für Fazemag, Ausgabe 04/2012
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